Zwei Tage nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sprach Altkanzlerin Angela Merkel bei der Digital X in Köln über das Abschneiden der AfD.
Merkel zu Sachsen-Anhalt„Mir als CDU-Mitglied blutet das Herz“

Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag (8. September) bei der Digitalmesse Digital X in Köln
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Wie reagiert Altkanzlerin Angela Merkel auf die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt? Die 72-Jährige war am Dienstag (8. September) zu Gast bei der Digital X in Köln.
Im Gespräch mit Professorin Miriam Meckel ging es zunächst lange um die Herausforderungen, die die Künstliche Intelligenz mit sich bringe. „Wir müssen uns absolut bewusst machen, was mit uns jeden Tag passiert. Das ist eine Bildungsaufgabe“, sagte Merkel.
Sie forderte, dass der Mensch weiter die Hoheit über die Technologie behalten müsse. „Ich mache mir sehr große Sorgen. Das setzt ein gewisses Maß an Regulierung voraus. Wenn nicht eine gewisse Transparenzpflicht der Tech-Unternehmen besteht, gehen wir in eine sehr unbestimmte Zeit, in der wir in eine Abhängigkeit von großen Firmen geraten“, sagte sie. „Das Denken können wir nicht komplett der KI überlassen. Wir sind in einer dramatisch rasanten Entwicklung und ich hab‘ den Eindruck, wir sind nicht aufgeregt genug, dass wir das alles verstehen müssen.“
Angela Merkel zu Gast bei der Digital X in Köln
Doch im Grunde wollte das Publikum ihre Meinung zu den 43,8 Prozent für die AfD in Sachsen-Anhalt hören. „Ich hab’ die Umfragen im Vorfeld gesehen. Aber wenn man es dann schwarz auf weiß hat, am Sonntagabend, dann ist das schockierend“, sagte die 72‑Jährige. „Es hat keiner drumherumgeredet, auch die CDU nicht, dass das ein wirklicher Einschnitt ist, den wir in der Geschichte der Bundesrepublik erleben.“
Die Ex-Kanzlerin weiter: „Mir als CDU-Mitglied blutet das Herz, das muss ich wirklich sagen. Wenn man sich anschaut, welche Reichweite und Informationshoheit die AfD in den sozialen Medien hat, dann müssen wir uns dem stellen und die Menschen dort abholen, wo wir sie finden. Wir werden die Menschen nicht alle zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen zurückholen.“

Das Gelände vor der sogenannten Harbour-Stage war proppevoll beim Auftritt von Angela Merkel.
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Die Arbeitslosigkeit sei in Sachsen-Anhalt gesunken, der individuelle Wohlstand sei gestiegen. Der Spitzenkandidat sagt trotzdem, dass das nicht so gefühlt werde. „Es war der Fortschritt der Aufklärung, dass sich die Summe der Menschen auf Fakten einigen konnte. Auf Basis dieser Fakten kam man zu unterschiedlichen Präferenzen für Politik und Parteien. Wenn das Gefühl höher als die Fakten bedient wird, dann gehen wir zivilisatorische Schritte zurück.“
Eine klare Antwort, räumte Merkel ein, habe sie auch nicht. Aber klar sei, dass eine individuelle Ansprache der Bürger immer wichtiger werde. „Da reicht es nicht, Parolen aus dem Konrad-Adenauer-Haus weiterzugeben. Die Kandidaten müssen richtig fit sein. Die AfD tritt so dominant auf, dass die anderen schon verschüchtert gar nicht mehr hingehen. Deshalb muss ich als demokratische Partei jetzt umso mehr den Kontakt zum Bürger suchen.“
Wenn die Angst überwiege, würde keiner mehr richtig zuhören. „Das Schlagwort ‚Brandmauer‘ mag ich nicht so. Wir müssen von der Fixierung auf diese eine Partei wegkommen. Es geht darum, Dinge zu erzählen, die die Menschen überzeugen. Wir dürfen nicht das Blaue vom Himmel versprechen. Wir haben viele Jahre geglaubt, da beziehe ich mich ein, dass, wenn noch ein Problem auf der Straße liegt, sich schon noch eine Partei drum kümmern wird.“
Entscheidend sei die Kommunikation, die verbessert werden müsste. „Weil die Leute uns das einfach nicht mehr glauben, Dinge nicht eingehalten werden. Daraus wird Enttäuschung produziert.“
