Abo

Mit fünf Millionen LegosteinenKölner Altstadt aus Lego nachgebaut

3 min

Auch auf Detailtreue wird geachtet.

Köln – Vor den Fenstern des Dom-Hotels blühen schon die Geranien, unten am Rhein verlegen die Arbeiter noch Bodenplatten, und die Türme des Doms, nun ja, die stehen noch in der Kiste. Die Kölner Altstadt ist eine Baustelle. Das ist nicht weiter ungewöhnlich. Das Besondere: In Halle 2.2 der Messe wird sie am Mittwochabend fertig gestellt sein. Die Altstadt aus fast fünf Millionen Legosteinen.

Am Donnerstag öffnet die Modellbahn-Messe ihre Tore (siehe Kasten), und dann sollen die Besucher den Nachbau des Kölner Vorzeigequartiers im Maßstab 1:48 bewundern können.  Für die Ausstellung haben 22 Mitglieder des Vereins „Lego Modellbaufans Rheinland“ zwei Jahre lang getüftelt,  gebaut, wieder abgerissen– und unzählige Steine nachbestellt.

Nun soll zusammenwachsen, was zusammen gehört. „Werden hier noch Platten verlegt?“, fragt einer. „Nein, da kommt der Heinzelmännchenbrunnen hin.“ Nicht überall fügen sich sich Ebenen so nahtlos zusammen wie zwischen Roncalliplatz und Römisch-Germanischen Museum. „An den Übergängen müssen wir noch basteln“, sagt Andreas Tretbar, der das Historische Rathaus gebaut hat. Meist wird dann ein kleine Straßenbaumaßnahme fällig. Schöne kleine Lego-Welt.

1024 Noppen enthält eine einzelne Legoplatte. 25 mal 25 Zentimeter ist sie groß, und auf rund 900 dieser Platten ruht die Altstadt. Nicht zu sehen sind die unzähligen Arbeitsstunden, die die Männer (es sind fast alles Männer!)   in ihren Arbeitskellern, Garagen und Hobbyräumen hingelegt haben. Man müsse schon ein wenig bekloppt sein, sagt einer. Aber positiv natürlich.

Im Zentrum der Stadtlandschaft steht der Dom. Die Kathedrale war schon 2008  fertig, und   Dombaumeister Jürgen Bramigk, der Mann fürs Sakrale, hat mal schnell noch Groß St. Martin dazu gebaut. Im Vergleich zu seinem Meisterwerk aus einer Million Steinen eher ein Frühstücksbauwerk. „Das hat mir viel Spaß gemacht, sagt der Mann aus Radevormwald. Vor allem, den Kleeblattartigen Grundriss herauszuarbeiten. Den habe übrigens fast jede romanische Kirche. Lernen kann der Betrachter also durchaus etwas beim Anblick des „Klein-Köln“.

Denn der Blick aus der Vogelperspektive ermöglicht neue Einsichten. Dass auf dem Roncalliplatz die Lage der alten römischen Straßen und Häuser abgezeichnet ist, dürfte vielen Passanten ebenso durchgehen wie das ein oder andere Penthouse in exklusiver Lage.

Erlaubt sind für die Aufbauarbeiten nur zehn gesunde Finger und Geduld in großen Dosen. Steine zu kleben oder gar zu zerteilen ist bei den „Legoianern“ verpönt. Die Türme und Schrägen hinzubekommen, das sei gerade die Herausforderung, sagt Oliver Laferriere, der das Rheinufer konstruiert hat. „Denn der Stein ist nun mal gerade.“ Nicht fertig geworden ist dummerweise die Philharmonie. Bei der ersten Bestellung sind 30 000 Steine von einer Sorte verschütt gegangen, und diese Delle in der Bauplanung war am Ende nicht mehr aufzuholen. „Das ist jetzt unsere offene Wunde“, sagt Tretbauer. Vielleicht stelle man noch ein Schild auf: „Verzögerung durch U-Bahn-Bau.“