Neubau und Sanierung des Bestandsgebäudes haben 172 Millionen gekostet. Nächste Maßnahme: Die Sanierung des Stammhauses.
Hof zum Verweilen, helles HolzDas ist der neue Campus der Musikhochschule Köln

Der Hof, der den Neubau (r.) und den sanierten Altbau, den früheren Sitz der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, miteinander verbindet. Den begrünten Innenhof dürfen auch Anwohner nutzen. Der Campus öffnet sich somit dem Veedel.
Copyright: Arton Krasniqi
Helles Holz, Terrazzoboden und viel Lichteinfall durch Glasfronten: Der Neubau der Musikhochschule an der Dagobertstraße wurde im Juli und damit drei Jahre nach Baustart fertiggestellt. Allmählich kehrt hier nun das Hochschulleben ein. Seit dem Semesterstart im Oktober sind Teile der Verwaltung, das Rektorat, der Bereich Tanz sowie Jazz eingezogen. Bei einem Festakt am 5. und 6. Dezember werden auch der neue Konzertsaal, der über mehr als 330 Plätze verfügt, und der neue Steinway-Flügel offiziell eingeweiht.
An manchen Stellen fehlt es zwar noch an Tischen und Stühlen; auch das technische Equipment von den übrigen Standorten wie Nippes und Theodor-Heuss-Ring sowie dem Stammhaus gegenüber ist noch nicht vollständig herübergewandert, doch es findet bereits Unterricht statt.
Der Neubau bildet gemeinsam mit dem benachbarten sanierten Gebäude, wo früher die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV) saß, und dem neuen Hof mit seinen 32 neugepflanzten Bäumen den neuen Campus im Kunibertsviertel. Die Gesamtkosten des Projekts – also die Sanierung des alten FH-Gebäudes sowie der Neubau – belaufen sich auf 172 Millionen Euro, heißt es vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW.

Antonio Piazzolla vom BLB NRW und Rektorin Andrea Raabe am Flügel im neuen Konzertsaal.
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Musikhochschule Köln: Neubau mit charakteristischer Metallfassade und begrüntem Dach

Studierende des Tanzes üben in einem Raum im Neubau. Der Tanz war vorher in Nippes und jetzt am zentralen Hochschulstandort an der Dagobertstraße.
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Charakteristisch für den Neubau ist die Metallfassade mit ihren unterschiedlichen Lochungen und Prägungen. Großflächige Glasfronten sorgen im Inneren für Lichteffekte. Auf den Dächern sowohl des Neu- als auch des Altbaus wurde eine Photovoltaikanlage verbaut. Nach Angaben des Bauherren BLB NRW können 90 Prozent der erzeugten Strommenge direkt vor Ort verbraucht werden. Außerdem gibt es eine Dachbegrünung.
Das neue Gebäude ist das Herzstück des neuen Campus und bietet zusätzliche Studienflächen, ein Café, das bislang nicht in Betrieb ist, ein Studio für Tanz und Theater sowie den großen Saal. Antonio Piazzolla, Projektverantwortlicher beim BLB, erzählt beim Rundgang am Dienstag von den Herausforderungen beim Neubau: Hohe Anforderungen habe es an den Schallschutz gegeben.

Foyer des Neubaus: Milchglas, Terrazzoboden und Holzwände sorgen für eine freundliche Atmosphäre.
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In den Trakten mit den Übungsräumen dürfen sich die Studierenden gegenseitig nicht durch Lärm und Lautstärke behindern. Für die Perkussionisten und Schlagzeuger gibt es sogar Räume, die mit zwei Türen verschlossen sind. Die Akustik sei ein zentraler Aspekt, so Piazzolla. Zum einen sind überall Elemente zu finden, die den Klang zusätzlich dämmen, wie sogenannte Baffles, die von der Decke herunterhängen, oder Vorhänge sowie gut gedämmte Decken. Zum anderen sollen Klima- und Belüftungstechnik sowie das Heizsystem in den Räumen und auch im Konzertsaal nicht zu hören sein. Die Geräusche der komplexen Gebäudetechnik wurden in Nebentrakte verlagert.
Die Herausforderungen beim früheren Bau der FHöV waren anders gelagert: „Das Gebäude ist von 1911 und wurde teilweise im Krieg zerstört. Während der Baustelle standen wir manchmal im Treppenhaus und konnten uns nicht vorstellen, wie es einmal hier aussehen wird“, so Piazzolla. Von dem Gebäude seien einzig die tragenden und die Außenwände übrig geblieben. „Es wurden 250 Meter Kaminfläche gefunden. Die Kamine in jedem Raum wurden früher einfach zugebaut“, so Piazzolla. Hier kommen zahlreiche neue Seminarräume hinzu sowie die Bibliothek.
Neuer Campus der Musikhochschule: Rektorin freut sich über mehr Möglichkeiten der Begegnungen
Rektorin Andrea Raabe fühlt sich an ihrem neuen Arbeitsplatz wohl. „Mit der Übergabe unseres neuen Campus beginnt für die Hochschule für Musik und Tanz ein neues Kapitel. Erstmals sind alle Bereiche der Hochschule an einem gemeinsamen Standort. Das schafft neue Möglichkeiten für Begegnung, Austausch und interdisziplinäre Zusammenarbeit.“ Sie freue sich auch darüber, dass mit dem neuen Campus ein offener Ort im Viertel entstanden ist und Anwohner die neue Fläche zum Verweilen nutzen dürfen.
Der Umzug in den Neubau dauert noch bis nächsten Sommer an. Dann soll das Stammhaus an Unter Krahnenbäumen 87, also schräg gegenüber vom Neubau, leergezogen werden. Die Gebäudesubstanz und die technischen Anlagen sind veraltet. Der denkmalgeschützte Bau mit seinen roten Fassadenelementen aus dem Jahr 1974 ist außerdem schadstoffbelastet. Die nächste Baustelle im Veedel steht also bevor.
2033 sollen die Sanierungsarbeiten laut Plan beendet sein. Die fertiggestellten Gebäude können den Wegfall des Haupthauses nicht ganz kompensieren, weshalb manche Hochschulbereiche nächstes Jahr im Herbst in ein Interim nach Poll ziehen werden. Dort entsteht gerade im Quartier am Hafen, also unmittelbar bei den Künstlerateliers, ein weiterer Neubau für die Musikhochschule.

Hier kam früher die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung unter. Das komplett sanierte Gebäude gehört nun auch der Musikhochschule. Der begrünte Innenhof verbindet beide Gebäude.
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Die Sanierung des Bestandsgebäudes startete 2022, die Bauarbeiten für den Neubau im Oktober 2023, Richtfest war im September 2024. Nach mehrjähriger Verzögerung des Baustarts, Ärger in der Lokalpolitik und einem Bauunternehmerwechsel schritten die Arbeiten zügig voran. Mit der Stuttgarter Firma Züblin beauftragte der BLB NRW einen Generalunternehmer. So konnte der BLB NRW nach eigenen Angaben die Gebäude sogar zwei Wochen früher als geplant an die Musikhochschule übergeben. Diese gehört mit ihren Standorten in Köln, Aachen und Wuppertal zu den größten Musikhochschulen Europas. Insgesamt sind rund 1400 Studierende eingeschrieben, über 1000 allein in Köln.
