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Aufs Rad gesetztKölner Familie verzichtet komplett aufs Auto

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Volle Ladung: Auch die Einkäufe erledigt Familie Schoelen ohne Auto. Mika (2) und Ellie (4) packen mit an.

Köln – Nein, das will Mika jetzt nicht einsehen. Gerade hat der Zweijährige die Bananen aus dem Fahrradanhänger der Familie Schoelen geholt. Ihm will partout nicht einleuchten, warum er sie nicht gleich essen, sondern ins Eigenheim in Bilderstöckchen tragen sollte.

Ein paar erklärende Worte, etwas Trost, dann ist die „kritische“ Situation am Ende einer Aktivität überstanden, die viele Familien so oder so ähnlich kennen – den großen Samstagseinkauf. Und doch gibt es einen großen Unterschied zur Kölner Durchschnittsfamilie. Die Schoelens erledigen diese lästige Pflichtaufgabe mit Fahrrädern, ein Auto besitzt die junge Familie nicht, die neben Mika aus Manuel (38), Christine (36) und Ellie (4) besteht.

Leben ohne Auto ist günstiger

„Es hat keine ideologischen Gründe, dass wir aufs Auto verzichten“, sagt Manuel Schoelen, der bei der Stadt als Familienberater arbeitet. „Die Wege in Köln sind so kurz, da braucht man keins.“ Billiger sei das Leben ohne Auto ohnehin. „Außerdem“, wirft seine Ehefrau Christine ein, „müsste dann einer von uns mehr arbeiten, wenn wir eines anschaffen wollten. So reicht uns das Geld und wir genießen die Zeit, die wir zusammen haben.“

Zeit, die auch für die Kinder bleibt, die grade ins Haus stürmen. Auf dem Weg in die Küche werden noch die Fahrradhelme auf Haken im Flur gehängt. Ein weiterer Helm wird bald dazukommen, im Sommer erwarten die Schoelens wieder Nachwuchs. „Deshalb schaffen wir uns jetzt ein Lastenfahrrad an“, sagt Familienvater Schoelen. Da hätten die drei Kinder und Einkäufe Platz, für Säuglinge gebe es spezielle Sitze, gegen Regen helfe ein Dach. Das Einkaufen sei meist ohnehin unproblematisch, jeder besorge Kleinigkeiten bereits auf dem Weg zur Arbeit.

Problematisch könnte eher genau das werden: der Weg zu Arbeit. „Zum Glück liegen beide Arbeitsplätze nicht weit entfernt“, sagt Christine Schoelen. Ein Zufall, denn die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, wo sie arbeitet, ist vor nicht allzu langer Zeit von Merheim nach Ehrenfeld umgezogen. „Wir haben vorher im Agnesviertel gewohnt, da war die Anbindung nach Merheim mit dem Rad oder der Bahn eine Katastrophe“, sagt sie. Der Weg hätte viel Zeit gekostet, das damals noch kinderlose Paar war deswegen kurz davor, ein Auto anzuschaffen. Dann ergab sich eine Mitfahrmöglichkeit.

Schnell unterwegs: Manuel und Christine Schoelen vermissen das Auto in der Stadt nicht.

Ein Beispiel, das zeigt, wie undogmatisch die Schoelens ihr Leben ohne Auto organisieren. Sie sind pragmatische Rechner, die diese Entscheidung auf Grundlage mehrerer Faktoren durchkalkulieren. Geld, Zeit, Aufwand, Stress – alles kommt in die Waagschale.

Da ist zum Beispiel die Sache mit den Großeltern. Die wohnen 90 beziehungsweise 150 Kilometer entfernt. Die Bahnverbindungen sind mäßig bis ungünstig. Die Frage war, ob dafür das Car-Sharing-Modell geeignet wäre. Aber: „Das rechnet sich nicht, es wäre teurer als die Bahn, weil wir meist übers Wochenende bleiben“, sagt Manuel Schoelen. Auch der Zeitverlust halte sich in Grenzen, schließlich müsse der Wagen geholt und wieder zurückgebracht werden.

Er gibt aber zu: „Wenn wir ein eigenes Auto hätten, würden wir unsere Eltern häufiger besuchen.“ Seine Frau Christine räumt ein, manchmal „keinen Bock“ aufs Radfahren zu haben. „Grade im Hinblick auf das dritte Kind hätte ich schon mal gern den Luxus eines Autos, wenn es stark regnet etwa“, sagt die 36-Jährige.

Große Urlaube dagegen seien unproblematisch. „Wir packen sparsam, ich habe einen Rucksack, da geht viel rein, und in den Kinderwagen passt auch einiges“, erzählt Manuel Schoelen. Vor zwei Jahren hat die Familie ein Häuschen in Bilderstöckchen bezogen. Dort ist auch der Kinderarzt um die Ecke. „Wenn ein Kind krank ist, bin ich sogar zu Fuß nicht langsamer als mit dem Auto“, erzählt der 38-Jährige.

Das private Mobilitätsmodell funktioniert. Ellie (4) fährt auf dem eigenen Rad, Mika hat grade das Laufrad für sich entdeckt. Wenn es doch mal eng wird, leiht sich die Familie bei Freunden oder Verwandten ein Auto aus. „Das kommt höchstens einmal im Monat vor“, so der 38-Jährige. Ohne Neid blicken sie auf Nachbarn, die auch zum Bäcker mit dem Pkw fahren. Mit Neid blicken sie aber zu dem Nachbarn, der einen großen campingkompatiblen Multivan besitzt. „Wenn uns einer 30 000 Euro in die Hand drücken würde, würden wir uns einen anschaffen“, sagt Manuel Schoelen und lacht.