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Mit Vollgas gegen die WandGroße Umsatzverluste des VRS im Corona-Jahr

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Ein Regionalexpress fährt in den Hauptbahnhof Köln ein.

Köln – Jahrelang jagte beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) ein Fahrgastrekord den nächsten. Die Rekordjagd ist nun erstmal vorbei. Die Corona-Pandemie hat den klaren Trend gebrochen. 2020 erwirtschaftete der VRS einen Umsatz von 562 Millionen Euro: knapp 19 Prozent weniger als im Vorjahr. „Es kam schlimmer als wir befürchtet haben“, sagt VRS-Geschäftsführer Michael Vogel.

Auf und ab auf niedrigem Niveau

Als Deutschland im März 2020 in den Lockdown ging, Schulen schlossen und Angestellte ihren Schreibtisch im Home Office bezogen, sanken die Fahrgastzahlen des VRS schlagartig. Im Sommer erholte sich die Situation leicht, die Menschen fuhren wieder mehr mit Bus und Bahn, doch lange nicht so viel wie vor der Pandemie. Im Herbst kam der zweite Lockdown. Wieder sanken die Umsätze. Die Kundenzahl sank zum Vorjahr von 453 000 auf 393 000 – ein Minus von 13 Prozent. Über das Jahr gerechnet sank der Umsatz mit Einzeltickets gegenüber dem Vorjahr um knapp 45 Prozent, bei Vierertickets waren es gar 55 Prozent.

Viele Kunden kündigten zudem ihre Abos, der Umsatz mit Monatstickets sank um rund 18 Prozent. Der Einbruch bei Job- und Großkundentickets ist mit rund 1,4 Prozent weniger auffällig, gehört für Michael Vogel aber zu den bedenklichsten Entwicklungen. „Hier spielen strukturelle Veränderungen im Nachfrageverhalten eine wesentlich stärkere Rolle und können dann zu deutlich nachhaltigeren Einbrüchen führen“, sagt Vogel. Ein Trend, der sich verfestigen kann, wenn Unternehmen in Zukunft beispielsweise verstärkt aufs Home Office setzen.

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Stabil bleiben dagegen Tickets für Schüler, Studenten und Auszubildende. Diese Produkte unterliegen dem Solidarprinzip. Tickets für Studenten sind zum Beispiel in den Semestergebühren enthalten. Positiv sei für den VRS die Entwicklung des Handytickets. Die Zahl der verkauften Tickets sank zwar auch in diesem Segment um knapp 23 Prozent, doch „der Trend zu diesem modernen Vertriebskanal bleibt ungebrochen“, sagt Michael Vogel. Die Zahl der verkauften Tickets sei auch 2020 höher gewesen als beispielsweise 2017 und 2018.

Finanziell ungewisse Zukunft

Ein Rettungsschirm von Bund und Land gleicht die Verluste für 2020 und 2021 aus. Schon für das laufende Jahr seien die Verhandlungen zäh gewesen, sagt Vogel. Er rechne nicht damit, dass es 2022 keinen weiteren Rettungsschirm geben werde. Mit Verlusten rechne der VRS auch im kommenden Jahr. Wenn Bund und Land dem ÖPNV nicht dauerhaft unter die Arme greift, würden diese Verluste über die Ergebnisse der kommunalen Verkehrsbetriebe die kommunalen Haushalte belasten. „Wenn die Kommunen die Verluste nicht tragen können, könnte es sogar zu einer Angebotsredukution im ÖPNV kommen“, sagt Vogel. Das sei das „Worst-Case-Szenario“.

Neue Produkte für veränderte Situation

Auch wenn die Infektionszahlen sich irgendwann in Richtung Null bewegen, ist die Situation für den ÖPNV und den VRS nach der Pandemie eine andere als davor. Strukturen ändern sich, etwa durch das Home Office oder Menschen, die sich aufgrund der Pandemie dazu entschlossen haben, ein Auto zu kaufen. „Monatsgebundene Angebote sind für diese neue Arbeitswelt mit weniger Präsenz möglicherweise nicht ganz passgenau“, sagt Vogel. Die Prognosen sind unter anderem das Ergebnis einer regelmäßigen Kundenbefragung der VRS.

Im August soll ein neues Angebot an den Start gehen, dass auf die Veränderungen reagiert. Schnupper-Abos sollen dazu Kunden zurückgewinnen. Weiter werde an Kulanzregeln für Abokunden gearbeitet.

Imageschaden für den ÖPNV

„Die Situation ist tragisch“, sagt Michael Vogel. Der ÖPNV sei aus den Jahren 2018 und 2019 als Heilsbringer gegen den Klimawandel gestartet und nun „brutal an die Wand gefahren worden“. Aus den Erzählungen des infektionstreibenden ÖPNV komme man nicht mehr raus. Dabei ist für Vogel klar: „Wir sind definitiv kein Infektionstreiber.“ Nationale und internationale Studien belegen diese Ansicht, zuletzt eine Untersuchung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen und der Berliner Charité. „Wir werden sehr lange brauchen, um dieses verlorene Vertrauen wieder aufzubauen“, sagt Vogel.