Köln – „Ich lebe seit fünf Jahren in Deutschland und tue viel dafür, ein vollwertiger Bürger dieses Landes zu werden. Leider werden mir viele bürokratische Hürden in den Weg gelegt“, sagt Mohammed Ahrari (21) und macht aus seiner Enttäuschung über seine Situation keinen Hehl. Tatsächlich ist der aus der westafghanischen Großstadt Herat geflüchtete Ahrari in Deutschland nur geduldet. Nach über dreijährigen Flucht über den Iran, Türkei, Griechenland und den Balkan und seit 2015 in verschiedenen deutschen Heimunterkünften untergebracht will er endlich seinen Flüchtlingsstatus ablegen und auch von staatlicher Seite das Recht bekommen, in Köln neu beginnen zu dürfen. Doch Asylantrag und auch die Bemühungen um eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Deutschland hatten bisher keinen Erfolg.
Der Traum vom künstlerischen Schaffen
„Ich bin nach Deutschland gekommen für eine sichere und bessere Zukunft. Und wegen meiner Träume, hier künstlerisch frei zu arbeiten“, erzählt er. Dazu hatte er noch als Teenager vor drei Jahren neben der Schule eine Ausbildung an der arturo Schauspielschule (damals noch in Kalk) begonnen. Die musste er aber nach rund einem Jahr abbrechen, weil die Ausländerbehörde die dortige Ausbildung nicht für den Status einer so genannten „Ausbildungsduldung“ akzeptierte.
Coach e.V. – Träger für Jugendhilfe und Interkulturelles Zentrum
Der Verein berät und begleitet Jugendliche und ihre Eltern seit 15 Jahren bei schulischen und familiären Problemen sowie bei Fragen der Erziehung und Lebensplanung. Die Einrichtung wird zurzeit an drei Standorten (Hauptsitz Ehrenfeld, Höhenberg und Bocklemünd) von rund 450 Jugendlichen aufgesucht, von denen etwa 250 Kinder und Jugendliche und Eltern regelmäßig an den Angeboten teilnehmen.
Mit seinen Angeboten setzt sich der gemeinnützige Verein für mehr Bildungsgerechtigkeit und bessere Teilhabe-Chancen für Jugendliche mit Migrationshintergrund ein. Im Fokus der Beratung steht insbesondere der Übergang von der Schule zum Beruf. Hausaufgabenhilfe, Lernförderung sowie Workshops ermöglichen den Jugendlichen Chancen zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung und in ihrer kulturellen, politischen oder digitalen Weiterbildung.
Zusätzlich können Angebote in der psychologisch-sozialpädagogischen Beratung, Lernförderung, Elternarbeit, Gruppenarbeit, Berufsorientierung sowie ein Ausbildungscoaching und eine Akademie genutzt werden.
Coach e.V. ist anerkannter Träger der Jugendhilfe und Interkulturelles Zentrum der Stadt Köln und finanziert sich über öffentliche und private Mittel sowie Spenden.
Kontakt: Coach e.V., Oskar-Jäger-Straße 139, 50 Köln, Tel. 02 21/54 65 625, info@coach-koeln.de
„Das war eine schwere Zeit für mich. Ich hatte schon Diskriminierungserlebnisse bei meiner Wohnungssuche und bei den Anhörungen in der Kölner Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, dem BAMF, erlebt“, erinnert er sich. Man werde als Geflüchteter eben nicht wie ein vollwertiger Bürger behandelt, sondern oft von misstrauischen Sachbearbeitern in den Gesprächen und durch dessen Fragen eher verhört.
In dieser ungewissen Zeit und ständigen Angst, zurück nach Afghanistan abgeschoben zu werden, half ihm „Coach e.V.“ weiter. Dieser gemeinnützig arbeitende Verein im Ehrenfelder Gewerbegebiet (siehe Kasten) betreut junge Menschen, die durch ihren Migrationshintergrund Probleme in der Schule oder in der Ausbildung haben. Zusammen mit dem Coach-Berater Jonas Lang (33) hat Mohammed Ahrari, bei den Leuten von Coach einfach nur Mo genannt, dann ungefähr 350 Bewerbungen geschrieben – und leider nur Absagen bekommen. „Da kam am Ende wirklich Frust auf“, erinnert sich Lang. Es liege am Namen und am mangelnden Anerkenntnisstatus, der einzelne Mensch spielt dabei eigentlich kaum eine Rolle. „Das sind unsere Erfahrungen.“
Ausbildung speziell für Mo
Letztlich hatte Lang die Idee, bei Coach e.V., speziell für Mo, eine Ausbildungsstelle zu kreieren. Zusammen mit Leiter Ahmet Sinoplu und mit Hilfe von Spendengeldern wurde diese Idee dann im Jahr 2018 für Mohammed Ahrari Wirklichkeit. Seit zwei Jahren hat er nun seinen anerkannten Duldungsstatus als Auszubildender bei Coach e.V. zum Kaufmann für Büromanagement. „Auch wenn ich gerne meine Schauspielausbildung weitergemacht hätte, war das für mich wie eine Erlösung, für die ich den Leuten von Coach e.V. unglaublich dankbar bin“, sagt er. Überhaupt habe er privat viele positive Erfahrungen in Deutschland gemacht. „Es gab immer Menschen, die mir geholfen haben.“
Jetzt hilft er beruflich bei Integrationsinitiativen wie dem Demokratie-Projekt des Jugendforums selbst mit, das der Verein Coach organisiert. Dabei könne er seine eigenen Erfahrungen als Flüchtling und Angehöriger einer Minderheit in Deutschland sehr gut einbringen, erzählt Ahrari. Ihn interessieren vor allem die Menschen und die Kultur seiner neuen Heimatstadt, in der er seit fünf Jahren lebt. „Ich kann mir mittlerweile gut vorstellen, auch nach der Ausbildung in diesem Beruf weiterzuarbeiten“, blickt er zuversichtlich in die Zukunft. Dazu müssen allerdings auch die Behörden mitspielen. „Es sind doch alle Voraussetzungen für eine gelungene Integration bei Mo da“, stellen Jonas Lang und Ahmet Sinoplu noch einmal heraus. Warum das in den Behörden nicht erkannt werde, sei für sie nicht nachvollziehbar.
Ahrari sieht das genauso. Er will endlich offiziell Kölner sein – genauer gesagt Kalker, wo er nach langer Suche und mit Hilfe eines sozialen Trägers und eines ehrenamtlichen Flüchtlingshelfers 2018 die knapp drei Jahre in den Flüchtlingsheimen hinter sich lassen konnte und endlich eine Wohnung in einer WG fand.
