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Ermittlungen im Clan-MilieuMord an Senior in Köln-Neubrück – Spur führt zu abgelehnten Asylbewerbern

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Eine Polizistin steht neben einem Polizeifahrzeug. Mittlerweile wurden drei Tatverdächtige wegen des Mordes an einem 93-jährigen Kölner festgenommen.

Eine Polizistin steht neben einem Polizeifahrzeug. Mittlerweile wurden drei Tatverdächtige wegen des Mordes an einem 93-jährigen Kölner festgenommen.

Mehrfach abgeschoben, illegal eingereist, geduldet: Ermittlungen zum Mord in Köln-Neubrück werfen Fragen an Behördenpraxis auf.

Als die Tochter und der Sohn am Sonntagnachmittag vor drei Wochen den Zweitschlüssel ins Schloss schieben, ist im Haus am Böhmweg schon alles vorbei. Der Vater öffnet nicht, er geht nicht ans Telefon, obwohl man verabredet ist. In dem Bungalow in Köln-Neubrück finden sie den 93-jährigen Hans W. auf dem Boden seines Schlafzimmers. Gefesselt, gezeichnet von Misshandlungen. Schränke stehen offen, Kommoden sind durchwühlt. Verschwunden ist nach derzeitigem Stand lediglich ein E-Bike. Ob weitere Wertgegenstände fehlen, wird noch ermittelt.

Nach Informationen unserer Redaktion führen erste DNA- und Fingerabdruckspuren zu einem 30-jährigen Verdächtigen. Am Tatort werden Zigarettenkippen gefunden, die zweifelsfrei nicht vom Opfer stammen. Auch an Gegenständen, die die Täter berührt haben sollen, sichern die Todesermittler Spuren. Die DNA-Analyse führt zunächst zu Nenad A., geboren in Serbien, ohne festen Wohnsitz. Und nach weiteren Ermittlungen entwickelt sich ein Bild von mehreren tatverdächtigen früheren Asylbewerbern, vielfach vorbestraft, die zum Teil abgeschoben wurden, illegal wieder nach Deutschland eingereist sind und dann geduldet wurden. 

Nach Ausweisung zurück nach Köln gekommen

Nenad A. ist nach Informationen dieser Zeitung in Deutschland wegen Diebstahls, Betrugs, Urkundenfälschung und Erpressung aktenkundig, auch in Österreich und Ungarn ist er straffällig geworden. Am 30. März 2026 hat das Regierungspräsidium Karlsruhe eine Ausweisungsverfügung gegen ihn erlassen. Zu diesem Zeitpunkt, bis zum 14. April 2026, sitzt der Serbe nach Informationen unserer Zeitung noch in Mannheim im Gefängnis. Eine Woche später wird er entlassen und reist freiwillig per Flugzeug von Köln/Bonn aus, um seiner Abschiebung zuvorzukommen. Schnell schon ist er dann aber illegal wieder nach Deutschland gekommen. Der Mord in Neubrück jedenfalls fand vermutlich in der Nacht zum 3. Mai statt.

Einen ersten Verdächtigen hatte die Kölner Polizei also schnell, doch noch keine Festnahme. Am 11. Mai hilft der Zufall. Auf der A1 bei Remscheid melden Verkehrsteilnehmer einen Opel Corsa auf dem Standstreifen. Als Polizisten den Wagen kontrollieren wollen, fährt der los. Es folgt eine kurze Verfolgungsfahrt mit riskanten Manövern. Schließlich wird das Auto gestoppt. Weil der Fahrer nicht aussteigt, schlagen die Beamten Scheiben des Fahrzeugs ein, ziehen ihn heraus und fixieren ihn. Der Mann in dem zuvor in Köln gestohlenen Wagen ist Nenad A.

Ein weiterer Verdächtiger wurde trotz Straftaten geduldet

Wie sich später herausstellt, ist der Serbe dem Vernehmen nach nicht der einzige Verdächtige in diesem Mordfall mit einer komplizierten ausländerrechtlichen und strafrechtlichen Vorgeschichte. Nach seiner Festnahme nennt der 30-Jährige weitere Beteiligte, die bei dem Mord in Köln-Neubrück dabei gewesen sein sollen. Einer von ihnen wird am Rather Kirchweg im Kölner Stadtteil Mülheim in einer Flüchtlingsunterkunft festgenommen. Der mutmaßliche Komplize ist ebenfalls wegen Eigentums- und Verkehrsdelikten polizeibekannt. Obwohl die Behörden von seinen kriminellen Aktivitäten wussten, wurde seine Aufenthaltsgenehmigung vom Kölner Ausländeramt immer wieder verlängert – zuletzt bis zum Dezember dieses Jahres.

Nach den ersten beiden Festnahmen hat die Kölner Polizei nach einem weiteren mutmaßlichen Mordkomplizen gefahndet: Bajram K., 36 Jahre alt, geboren in Mazedonien, wurde am Dienstag dieser Woche (19. Mai) am Hauptbahnhof Salzburg von der österreichischen Polizei festgenommen. Nach Informationen unserer Redaktion ist auch er wegen Eigentums-, Sexual-, Gewalt- und Verkehrsdelikten vorbestraft.

K. wurde demnach bereits 1993 und 2014 abgeschoben. Nach seiner letzten illegalen Rückkehr erhielt er eine Aufenthaltsgestattung und später eine Duldung durch die Stadt Münster, ehe er wieder abgeschoben wurde. Am 29. April 2024 soll er das dritte Mal unerlaubt nach Deutschland eingereist sein.

Ermittlungen im Clan-Milieu

Drei Verdächtige – und lange noch kein Ende. Die am Tatort gesicherten Beweise haben die Ermittler zu einer kriminellen Großfamilie geführt, die in einer städtischen Unterbringungseinrichtung im Stadtteil Kalk lebt. Dort wurde durchsucht. Zwei Frauen wurden vorübergehend festgenommen, dann wieder entlassen, weil bei der Durchsuchung nichts gefunden wurde, was einen dringenden Tatverdacht begründet. Eine der beiden Frauen ist der Polizei in Köln als sogenannte Intensivtäterin bekannt, sie ist schon vielfach straffällig geworden.  

Die derzeitige Beweislage spreche jedenfalls dafür, dass die aktuellen „Beschuldigten das Wohnobjekt des 93-Jährigen offenbar gezielt ausgespäht hatten und später mit großer Brutalität gegen den Senior vorgegangen sind“, teilte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer auf Anfrage mit.