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Erinnerung an Opfer der NS-ZeitStolpersteine für schwules Paar in Köln-Holweide verlegt

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Auf zwei neu verlegten Stolpersteinen liegen Rosen und Regenbogen-Fähnchen.

Josef Schlauss und Max Kahn lebten bis 1938 zusammen in der Bergisch Gladbacher Straße 487 und wurden aufgrund ihrer Homosexualität verhaftet.

In Köln-Holweide wurden Stolpersteine für Josef Schlauss und Max Kahn verlegt. Sie wurden aufgrund ihrer Sexualität im Zweiten Weltkrieg verfolgt.

„Gerade in der heutigen Zeit und der aktuellen politischen Lage in verschiedenen Ländern haben die Stolpersteine immer noch und umso mehr ihre Aufgabe, sie mahnen uns und rufen zur Wachsamkeit gegenüber Despoten zur Verteidigung der Demokratie auf“, sagt Gerd Stein vom Centrum Schwule Geschichte (CSG) am Mittwochmittag, „die Erinnerung an die Verbrechen hilft, die Zukunft besser zu gestalten.“

Kurz danach bittet er um eine Schweigeminute für Josef Schlauss und Max Kahn, für die im Auftrag des CSG und des NS-Dokumentationszentrums Köln zwei Stolpersteine in Holweide verlegt wurden. Der Runde Tisch Holweide (RTH) hat die Verlegung unterstützt. Die Mitglieder beschäftige schon lange die Frage, warum es so wenig Stolpersteine in Holweide gibt. Auf Anfrage beim NS-Dok erfuhren sie, dass wenige Opfer aus Holweide bekannt sind, die Verlegung an der Bergisch Gladbacher Straße aber geplant sei.

In Köln-Holweide wurden zwei Stolpersteine verlegt

„Es gibt wieder Orte, in Deutschland, an denen sich Menschen fürchten, ihre Queerness zu zeigen“, sagt Willi Vögeli vom RTH. „Das Gedenken an Menschen wie Josef Schlauss und Max Kahn ist immer auch Mahnung an die demokratische Bürgerschaft, sich mit aller Kraft gegen wachsende grundgesetzfeindliche Entwicklungen in unserem Land zu wehren.“ Bei der Verlegung waren gut 30 Menschen vor Ort, die der Opfer des NS gedacht haben. 

Vor einem Reihenhaus sind frisch verlegte Stolpersteine zu sehen. Darauf liegen Rosen und Regenbogenfähnchen.

Vor dem Haus in der Bergisch Gladbacher Straße 487 wurden Stolpersteine für ein schwules Paar verlegt, das dort während der NS-Zeit zusammen lebte.

Schlauss und Kahn haben bis 1938 gemeinsam in der Bergisch Gladbacher Straße 487 gewohnt. Viel sei über ihre Biografien nicht bekannt, erklärt Gerd Stein, der Pate für die Stolpersteine ist. Man wisse aber, dass Josef Schlauss am 17.9.1938 wegen Vergehens gegen den § 175 Reichsstrafgesetzbuch verhaftet und zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde.

Köln: Schwules Paar aus Holweide wurde im Zweiten Weltkrieg verhaftet

Das Gericht begründete das Urteil mit der Behauptung, dass durch sein jahrelanges unsittliches Verhalten seine Verdienste im Krieg ausgelöscht würden. Er hätte sich nicht gescheut, nach 1933 und selbst nach Erlass der Nürnberger Blutschutzgesetze weiterhin mit Kahn zusammenzuwohnen und sein schändliches Treiben fortzusetzen.

Von 1920/22 bis 1938 lebten Schlauss und Kahn unter der Anschrift Bergisch Gladbacher Straße 487. Max Kahns letzte Anschrift war am Horst-Wessel-Platz 9, heute Rathenauplatz 9, welches ein sogenanntes „Ghettohaus“ war. Am 21.9.1938 wurde Kahn zum ersten Mal wegen homosexueller Betätigung festgenommen. Seine Verhaftung erfolgte im Rahmen einer Sonderaktion gegen Homosexuelle in Köln.

Kahn wurde dann wegen eines fortgesetzten Vergehens nach § 175 RStGB zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt. 1940 wurde er erneut verhaftet und 1941 zu einer Haftstrafe von vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Urteil wurde als erschwerend festgehalten, dass er Jude sei. Max Kahn verbüßte seine Haft im Zuchthaus Siegburg und in verschiedenen Moorlagern im Emsland. Er kam im Konzentrationslager Buchenwald ums Leben. Bisher gab es bereits einen Stolperstein für Max Kahn am Rathenauplatz 9. Dieser wurde nun in die Bergisch Gladbacher Straße 487 in Holweide verlegt. Für Pate Gerd Stein sei das besonders berührend: „Jetzt kann ihrer beider gemeinsam gedacht werden.“