Mit Henning May gegen RassismusInitiative für fehlendes Mahnmal auf der Keupstraße

Setzt sich für das Mahnmal an der Keupstraße ein: „AnnenMayKantereit“-Sänger Henning May.
Copyright: Böschemeyer
Köln – Der Asphalt der Keupstraße ist von der Hitze des heißesten Tag des Jahres aufgeheizt. Am Freitagabend, dem Tag an dem das muslimische Opferfest beginnt, sitzen über 200 Menschen auf der Straße und umringen Sänger Henning May, der auf einem niedrigen Podest steht.
Sein lockeres weißes T-Shirt weht im Wind und reflektiert die untergehende Abendsonne. Bei dem „Live Act gegen Rassismus“ ist es mucksmäuschenstill, bis der Frontsänger der Kölner Band „AnnenMayKantereit“, seine Finger zueinander führt und anfängt in die Hände zu schnipsen. Während er dazu a cappella singt, stimmen die Zuschauer zaghaft in das Schnippen ein.
Ein kurzes, aber intensives Konzert
Immer mehr Passanten bleiben stehen und viele Anwohner lauschen dem Mini-Konzert aus ihren geöffneten Fenstern. Es ist dabei nicht einfach ein Konzert, es geht vielmehr um eine politische Botschaft. Das Publikum setzt sich sowohl aus Fans des Sängers als auch aus politisch Motivierten zusammen. Der Auftritt ist Teil einer ganzen Veranstaltungsreihe, die die Initiative „Herkesin Meydani – Platz für alle“ ausrichtet. Das Ziel: Auf das noch nicht gebaute Mahnmal hinzuweisen, welches an das NSU-Nagelbombenattentat erinnern soll.
Auch 16 Jahre nach dem Attentat gibt es viele Konzepte, aber immer noch keine Umsetzung. Kutlu Yurtseven von der Initiative erzählt, dass das Mahnmal seit vier Jahren in Planung ist, aber seitdem nichts passiert ist. „Seit 2016 diskutieren wir mit der Stadt darüber, wo es hin soll.“ Er gäbe Streitigkeiten mit dem Investor des Grundstücks, bautechnisch wäre es aber möglich, ohne dass Verluste für den Investor entstünden.
Aktionen aus Solidarität
Solange das Mahnmal noch in der Schwebe ist, will sich die Initiative nun mit musikalischen und politischen Aktionen dafür und für Solidarität einsetzen. Und auch darüber hinaus.“
Auch Sänger Henning May hatten die Veranstalter schnell für sich gewinnen können. Nach der Anfrage hatte er sich innerhalb von zehn Minuten dazu entschieden, die Aktion zu unterstützen. „Das ist mein erster Auftritt seit der Corona-Zeit, und ich freue mich, dass ich mit meinem Konzert für einen Ort des Gedenkens einstehen kann.“
Für den Auftritt selber braucht der Musiker kaum mehr, als sich selbst. Mit knapp 30 Minuten ist das Konzert ein kurzes, aber intensives Vergnügen. Nur in Begleitung seines Akkordeons trägt der 28-Jährige den Zuhörern seine Lieder vor.
Politische Botschaft wichtiger als Abstände
In den tiefsinnigen Songs geht es um Corona und politische Themen. „Aufgrund der jüngsten Ereignissen habe ich mir Gedanken um weiße Privilegien gemacht und gemerkt, dass Diskriminierung auch durch Abwesenheit der Menschen geschieht“, beschreibt May. „Indem wir an Orten wie diesem gemeinsam und miteinander zusammensitzen, können wir diese Abwesenheit bekämpfen und nichtig machen.“
Das könnte Sie auch interessieren:
Diese Position nehmen die meisten Anwesenden auch in Bezug auf die nicht eingehaltenen Abstandsregeln ein. An diesem Abend scheint für viele die politische Botschaft bedeutsamer zu sein, als die Angst vor dem Virus.



