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„Das Wichtigste ist, dass man sich verträgt“Paar aus Köln feiert seinen 70. Hochzeitstag

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Eine ältere Frau und ein älterer Mann stehen lachend nebeneinander.

Roswitha und Willi Schäfer feiern Platin-Hochzeit. Am 29. August 1956 gaben sie sich das Jawort. 

Am 29. August 1956 heirateten Roswitha und Willi Schäfer. Dass sie ihre Handschuhe vergaß, brachte die beiden geborenen Deutzer zusammen. 

Roswitha und Willi Schäfer sind beide 1935 geboren, im Deutzer Norden aufgewachsen und waren unwissentlich im selben Kindergarten. Ihre Liebe entwickelte sich in den 50er Jahren. „Er war mir eigentlich nicht so sympathisch“, erzählt Roswitha Schäfer lachend. Das Paar erinnert sich genau an ihr „richtiges“ Kennenlernen an St. Martin 1953. Zwischen ihnen liegt symbolisch ein Paar grüne Handschuhe, die sie über 70 Jahre aufgehoben haben. Willi half damals bei seinen Eltern im Supermarkt. Roswitha arbeitete bei einer Jugendgruppe, die Weckmänner verteilte, die Willis Eltern lieferten, also half er mit. Danach sind sie dann gemeinsam mit zwei weiteren Frauen der Jugendgruppe zum Martinsfeuer gefahren. „Willi ist früher gefahren und ich habe gemerkt, dass ich meine Handschuhe vergessen hatte“, erinnert sich Roswitha Schäfer.

Köln: Roswitha und Willi Schäfer sind seit 70 Jahren verheiratet

Also ging sie zum Supermarkt und sagte seiner Mutter Bescheid. Doch nichts passierte. Als Roswitha ein zweites Mal kam, sagte Willis Mutter, dass ihr Sohn der Meinung sei, sie müsse ihn schon selbst nach den Handschuhen fragen. „Da habe ich nur gedacht: ,Du Blödmann‘“, blickt Roswitha lachend zurück. Doch als sie letztlich Willi nach den grünen Handschuhen fragte, lud dieser sie ins Kino ein. „Und dann war auch alles klar“, sagt Willi, „auch wenn ich erst mal kämpfen musste“. „Ich habe sechs Brüder, die wollten mich nicht hergeben“, ergänzt Roswitha. 

Aber das Paar traf sich von da an regelmäßig, verbrachte gerne Zeit miteinander, und verliebte sich ineinander. „Ich kann gar nicht so sagen, woran das lag. Willi hat nicht viel geredet, tut er heute auch noch nicht“, witzelt Roswitha, „die Liebe ist heute viel größer als damals, weil wir so viel zusammen geschafft haben, aber das war damals so: Wenn man zusammen war, hat man sich verlobt, und dann geht das immer weiter.“

Ein Schwarz-Weiß-Bild zeigt ein Paar an seinem Hochzeitstag.

Roswitha und Willi Schäfer heirateten vor 70 Jahren.

Am 22. Juni 1956 heirateten Roswitha und Willi Schäfer, beide 21-jährig, standesamtlich, am 29. August 1956 kirchlich. „Es war ein Mittwoch und es war katholischer Kirchentag, deshalb war die Stadt voll“, erinnert sich Willi. „Wir haben in der alten Kirche St. Urban geheiratet und in der Wirtschaft Zum Knodde gefeiert, da, wo heute der Lidl-Markt ist.“ 

Ehepaar wohnt seit 1973 in eigenem Haus in der Stegerwaldsiedlung

Seit 1973 leben sie in einem Haus in der Stegerwaldsiedlung, das sie selbst gebaut haben – mit großer Dachterrasse und Supermarkt im Erdgeschoss. „Wir haben den Supermarkt von meinen Eltern übernommen, er ist dann mit uns umgezogen“, sagt Willi. Er hatte eine große Fleischabteilung, eine Besonderheit zu der Zeit. Gemeinsam führte das Ehepaar den Supermarkt mit fünf weiblichen Angestellten, mit denen sie teilweise bis heute befreundet sind.

„Der Großteil unseres Lebens hat sich in dem Laden abgespielt, samstags haben wir dann immer noch mit dem Personal Mittag gegessen und auch mal Bowle getrunken“, erzählt Roswitha, „aber Sonntag war Familientag, das war immer das Schönste.“ Das Paar hat drei Töchter, sechs Enkel und sieben Urenkel.

Die Großfamilie sei ihr großes Glück. Zur Diamanthochzeit hat ihre Tochter ihnen eine Kiste mit Briefen von allen Leuten aus ihrem Leben geschenkt. Darin schreiben sie, wie sehr sie das Paar als Eltern, Großeltern und Freunde schätzen. „Wenn man so eine große Familie hat, ist es das Schönste, wenn sich alle vertragen, und das haben wir hingekriegt“, sagt Willi Schäfer.

Roswitha und Willi Schäfer feiern Ende August Platin-Hochzeit

In der Familie, aber auch in ihrer Ehe sei das neben Gesundheit das Wichtigste. „Wenn wir Leuten erzählen, dass wir 70 Jahre verheiratet sind, können die das gar nicht glauben“, lacht Roswitha. „Wir sind natürlich auch mal anderer Meinung, aber wir sind nie im Streit ins Bett gegangen.“ Außerdem sei es dem Paar auch immer wichtig gewesen, Hobbys zu haben und auch eigene Sachen zu machen. Sie seien viel gereist, hätten Fahrradtouren und Kreuzfahrten gemacht. Roswitha hat jahrelang in der Obdachlosenhilfe gearbeitet, Willi ist im Schützenverein und hat mit drei Freunden am eigenen Teich geangelt. „Da haben wir dann auch immer Teichfest gefeiert“, erzählt Willi. „Feste haben wir immer gerne gefeiert“, ergänzt Roswitha lächelnd.

Ihre vergangenen runden Hochzeitstage haben sie mit ihrer Familie auf Kreuzfahrten gefeiert. Die 70 Jahre wollen sie nun in Deutz, ihrer Heimat, feiern. Denn obwohl die Stegerwaldsiedlung in den 1970er Jahren Mülheim zugeschlagen wurde, sagt das Paar klar: „Wir sind Deutzer.“ Am Sonntag feiern sie ihre Platin-Hochzeit mit ihren Liebsten, zunächst mit einer Messe in St. Heribert und dann mit einem Fest in der Jugendherberge.