Abo

E-Werk in MülheimAltgediente Kostüme finden neue Besitzer auf Flohmarkt der Stunksitzung

Lesezeit 3 Minuten
Ein Flohmarkt mit Kostümen in einer Veranstaltungshalle.

Viele Jecke stöberten am Montag auf dem Kostüm-Flohmarkt im E-Werk nach Brauchbarem für ihre Kostüme.

Wo sonst die Stunksitzung stattfindet, konnten Besucherinnen und Besucher nach Jacken, Kappen und Dekoration stöbern.

Vielen Karnevalskostümen wohnt die Eigenschaft inne, zwar äußerlich zu altern, jedoch nichts an Zeitgeist einzubüßen – jeck bliev jeck. Ausrangierte, aber nach wie vor tolle Kostüme fanden Besucherinnen und Besucher am Montag auf dem Kostüm-Flohmarkt im E-Werk, einem von vielen, die es in der Session im Stadtgebiet gibt.

Den spielfreien Tag nutzten die drei Organisatorinnen für den traditionellen Kostüm-Flohmarkt. Bereits zum 26. Mal konnten Jecke an diesem Nachmittag nach passenden Jacken, Kappen, Fliegen und Accessoires suchen.

Stunksitzung veranstaltet Kostüm-Flohmarkt im E-Werk

„Wir haben eine große Nachfrage, direkt um 14 Uhr kam ein großer Schwung, nun kommen noch mal Menschen, die berufstätig sind und jetzt erst frei haben“, sagt Mitorganisatorin Doro Egelhaaf am frühen Abend. „Viele Händler bieten unterschiedliche Sachen an und genau das macht diesen Flohmarkt aus.“

Einiges stamme aus dem Fundus der Stunksitzung, der Großteil aber seien aussortiere Kostüme von Privatleuten, alte Garde-Jacken aufgelöster Vereine, außerdem Narrenkappen und Anzüge. Der Erlös gehe für die Unkosten des Flohmarkts und die Stunksitzung drauf. „Wir nehmen auch vier Euro Eintritt, um die Energiekosten und die Miete des E-Werks zu finanzieren – es ist eine Liebhaber-Geschichte“, so Egelhaaf.

Zu finden seien außerdem Theaterausstattungen, Abendgarderobe aus zweiter Hand und eine Auswahl ausgefallener Fräcke, die eine Frau von ihren Reisen in die USA mitbringe. „Eine Besonderheit sind die Lappenclown-Kostüme, die ein afrikanisches Selbsthilfeprojekt gestiftet hat. Sie werden in Guinea aus afrikanischen Stoffen genäht, die Arbeiterinnen bekommen einen Lohn, mit dem sie das Leben in ihrer Dorfgemeinschaft verbessern können“, so die Organisatorin.

Fantasievolle Hüte gibt es am Stand von Doris und Wolfgang Hilger

Das nur teilweise zurück gebaute Bühnenbild der Stunksitzung sticht sofort ins Auge, aus den Boxen dudelt Karnevalsmusik. Die Menschen stöbern zwischen Stangenware und Handgemachten. Fantasievolle Hüte gibt es am Stand von Doris und Wolfgang Hilger aus Erftstadt. Die alten Deckel sind aufwendig verziert: mit Figürchen, Kleinod und der Liebe zum Detail.

„Das ist mein Hobby, ich verarbeite übrig Gebliebenes von meinen Sachen“, beschreibt Hilger. „Die Hüte kaufe ich oder bekomme sie aus dem Bekanntenkreis – ich habe auch einen Hut, den habe ich vor langer Zeit in Italien gekauft, aber nie getragen. Jetzt habe ich beschlossen, dass er dekoriert wird“, sagt die 79-Jährige. Zuerst reinige sie die Hüte mit Desinfektionsmittel und Rasierschaum. Dann klebe sie die Dekoration auf. Der „Näherinnen-Hut“, das ist der Hut aus Italien, ist Hilgers liebster. Er trägt ein aufgeklebtes Maßband, eine Rolle Nähgarn, Knöpfe und eine Sicherheitsnadel. Häufig ist auf den Hüten auch der Dom zu sehen.

Als sie mit dem Basteln anfing, habe sie beschlossen, Hüte für die Mittelklasse zu machen. „Es kann nicht jeder zwei-, dreihundert Euro bezahlen.“ Deswegen kosteten ihre Kopfbedeckungen nicht mehr als 40 Euro. Hilger verkauft sie jedes Jahr auf Kostümflohmärkten wie dem im E-Werk. „Wie viele weggehen, ist jede Session unterschiedlich – heute waren es erst fünf, am Samstag nur einer.“

Als silber-lila Aliens sehen sich Lara Gutberlet, 32, und ihr Freund Christian Grosser, 33, im Straßenkarneval. Den Rucksack hat Gutberlet schon mit passenden Teilen voll gestopft, nun suchen sie nach silbernen Kleidungsstücken. „Ich habe schon eine Glitzerkette, jetzt suche ich noch was Passendes zum Anziehen“, sagt sie. Für den Magdeburger Grosser ist es das erste Karneval in Köln – da dürfe ein Kostüm nicht fehlen.

Die Preise auf dem Flohmarkt fänden sie allerdings etwas hoch. „Im Laden ist es wahrscheinlich günstiger“, glaubt Gutberlet. „Vier Euro Eintritt finde ich auch happig. Lieber würde ich den Leuten ein, zwei Euro mehr geben“, sagt er. In der Hand hält er ein Pils – an das Kölsch muss sich der Neu-Mülheimer noch gewöhnen.

Rundschau abonnieren