Verkehrsknotenpunkt, Kriminalitätsschwerpunkt und Provisorium zugleich: Während Sicherheit ein Thema bleibt, warten die großen Pläne für den Platz weiter auf ihre Umsetzung.
Kontrollen und KonzeptlosigkeitWarum der Wiener Platz ein Sorgenkind bleibt

Der Wiener Platz in Köln-Mülheim von oben betrachtet.
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Der Wiener Platz in Mülheim gilt seit Jahrzehnten als Problemfall – und vor allem als ein Ort, der städtebaulich nie zu Ende gedacht wurde. Schon in den 1960er Jahren sei er keine Augenweide gewesen, sagt der ehemalige Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs (SPD). Die Umgestaltung Ende der 1990er Jahre brachte zwar Verbesserungen, doch ein überzeugender Stadtplatz ist daraus bis heute nicht geworden. Hinzu kommen die sichtbare Trinker- und Drogenszene sowie die Einstufung als Kriminalitätsschwerpunkt.
Seit 2019 überwacht die Polizei den Platz per Video, seit rund zwei Jahren gilt er zudem als Waffenverbotszone. Anders als an den Ringen oder auf der Zülpicher Straße ist das Verbot hier nicht auf Wochenenden beschränkt, sondern gilt rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Wer Messer mit einer Klingenlänge ab vier Zentimetern, Schusswaffen oder Reizstoffsprühgeräte mit sich führt, riskiert eine Anzeige – kontrolliert werden darf dabei auch ohne konkreten Anlass. Ergänzend hat die zuständige Polizeiinspektion eine eigene Schwerpunkteinheit eingerichtet, die gezielt gegen Straßen- und Drogenkriminalität in Mülheim vorgeht.
Wiener Platz in Köln: Geld für Umgestaltung fehlt
Laut Polizei trägt das Früchte: In den ersten elf Monaten der Waffenverbotszone wurden 10.973 Maßnahmen vollzogen, darunter 9028 Personenkontrollen. Hinzu kamen 60 Festnahmen, 417 Strafanzeigen und 229 sichergestellte Waffen. „Die Waffenverbotszone gibt unseren Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, zu jeder Tages- und Nachtzeit Kontrollen durchzuführen. Und das ist sehr erfolgreich“, sagte Behördenleiter Johannes Hermanns im vergangenen Jahr.
Dass der Wiener Platz von vielen Mülheimern dennoch nicht geliebt wird, liegt laut Architekt Stefan Schmitz auch daran, dass der ursprüngliche Siegerentwurf von 1988 nie vollständig umgesetzt wurde. Damals hatte seine Architektengruppe Kölner Bucht zwei markante Türme vorgesehen, die den Platz zum Clevischen Ring und zur Mülheimer Brücke hin fassen und ihm eine klare räumliche Kante geben sollten. Die Jury lobte den Entwurf ausdrücklich – gebaut wurden die fünf- bis sechsgeschossigen Türme jedoch nie. Die Fundamente dafür liegen bis heute links und rechts neben dem Brunnen.
Schmitz schlägt vor, die alte Idee in neuer Form aufzugreifen: Statt Bürohäusern könnten zwei gläserne Bike-Tower entstehen, farbig beleuchtet und mit automatischem Fahrradlift. Rund 60 Räder könnten dort untergebracht werden, wodurch die derzeit unübersichtlich abgestellten Fahrräder vom Platz verschwinden würden. Zusätzlich wären kleinere Räume denkbar, etwa für Aufenthalts- oder Hilfsangebote für die Szene vor Ort, wie einen Drogenkonsumraum.
Auch weitere Elemente des Platzes hält Schmitz für unfertig oder verbesserungsbedürftig. Auf der unteren Ebene könnte eine zusätzliche Baumreihe die harte Betonwirkung mildern. Die provisorische Gastronomie ließe sich durch ein festes Gebäude ersetzen, sofern sich ein Investor findet. Die in den Boden eingelassenen Glasscheiben zur KVB-Haltestelle könnten angehoben und mit Sitzbänken eingefasst werden, damit die derzeitigen Poller überflüssig werden.
Kurzfristig ist eine umfassende Neugestaltung allerdings nicht absehbar. Zwar müssen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) ihre Haltestelle sanieren, was einzelne Anpassungen erleichtern könnte. Für das größere städtebauliche Konzept fehlt der Stadt Köln jedoch das Geld – im Haushalt sind derzeit keine Mittel dafür vorgesehen. Schmitz spricht deshalb von einer Perspektive für die nächsten zehn bis 20 Jahre. Entscheidend sei aus seiner Sicht, dass Politik und Verwaltung jetzt zumindest schnell eine Richtung festlegen. Denn der Wiener Platz bleibt, trotz einzelner Verbesserungen, ein Platz im Wartestand: genutzt, belastet, diskutiert – aber bis heute nicht abschließend gestaltet.