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43 Jahre im DienstMülheims Gemeindereferent Wolfgang Obermann verabschiedet sich

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Ein Mann steht vor einer Glastür.

Wolfgang Obermann war als Gemeindereferent in Mülheim, Buchforst und Buchheim tätig. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Über 43 Jahre hat Wolfgang Obermann als Gemeindereferent beim Erzbistum Köln gearbeitet. Zuletzt war er in Mülheim, Buchforst und Buchheim aktiv.

Wolfgang Obermann hat die klassische katholische Biografie durchlaufen. Er war Messdiener, Gruppenleiter und ist auf eine katholische Schule gegangen. Doch den tiefgehenden Zugang zum Glauben habe er vor allem beim Europäischen Jugendtreffen der ökumenischen Communauté de Taizé bekommen. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, erinnert er sich, „ich habe Glauben ganz anders kennengelernt, nicht nur in seiner existenziellen Bedeutung, sondern auch, was es bedeutet, Glauben zu leben.“

Als er dann bei der Bundeswehr war, habe er viel Zeit zum Nachdenken gehabt. „Ich habe mich immer wieder gefragt, wie ich meinen Glauben am besten leben kann“, sagt Obermann. Beim Generalvikariat in Köln ließ er sich also beraten, welchen Beruf er ausüben könnte, um das zu tun. „Ich hatte zu dem Zeitpunkt eine Freundin und wollte nicht Priester werden, also habe ich mich nach Alternativen erkundigt“, erklärt der 66-Jährige. Die Antwort: Pastoral- oder Gemeindereferent.

Und so studierte Wolfgang Obermann für das Erzbistum Köln an der Katholischen Hochschule Mainz Religionspädagogik. 1983 trat er seinen Dienst als Gemeindereferent an, machte ein Anerkennungsjahr und arbeitete danach in unterschiedlichen Gemeinden. 15 Jahre lang war er bei der Gemeinde Dünnwald und Höhenhaus. Die letzten zehn Jahre arbeitete er in Mülheim, Buchforst und Buchheim. Anfang Oktober wurde er in den Ruhestand verabschiedet.

Köln-Mülheim: Wolfgang Obermann war 34 Jahre Gemeindereferent

„Ich kannte das Berufsbild nicht wirklich, als ich angefangen habe“, sagt Obermann, „aber für mich war dieser Beruf genau das Richtige.“ Als Gemeindereferent war er im pastoralen Team und hat für die Gemeinden gearbeitet. Obermann hat sich besonders in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt, hat Firmvorbereitung gemacht und Schulgottesdienste organisiert und das Projekt „Ferien zuhause“ in Höhenhaus und Dünnwald mitaufgebaut.

Zudem hat er in der Mülheimer Gemeinde die Trauer- und Caritasarbeit übernommen. „Im Endeffekt richtet sich die Tätigkeit nach den Notwendigkeiten in den Gemeinden und den persönlichen Vorlieben und Qualifikationen“, sagt Obermann. Eins seiner absoluten Highlights sei dabei der Weltjugendtag 2005 gewesen. Dabei hat der Gemeindereferent zehn Schulen betreut, in denen die Gäste untergebracht wurden. „Diese Zusammenkunft mit so vielen unterschiedlichen Menschen war etwas ganz Besonderes“, sagt der 66-Jährige.

Für ihn sei immer das Leitmotto gewesen, für und mit Menschen zu arbeiten. Gerade auch deshalb war für Obermann der Missbrauchsskandal ein absoluter Schock und der Tiefpunkt seiner Arbeit. „Wir haben daran alle noch immer zu knabbern“, sagt Obermann, „nicht nur, weil es an vielen Stellen nicht zufriedenstellend aufgearbeitet worden ist, sondern vor allem, weil klar geworden ist, wie nah das ist.“

Mülheims Gemeindereferent in Ruhestand verabschiedet

„Man muss Begegnungen nochmal komplett neu beurteilen und ich habe auch meine Arbeit neu beurteilt“, sagt Obermann. Sein Glaube hingegen sei dadurch nicht beeinflusst worden. Die Frage, wie Gott Leid zulassen konnte und kann, sei für ihn schon immer die brennendste gewesen und auch heute noch. Doch in den leidvollsten Situationen die Hoffnung nicht zu verlieren, das sei für Obermann das Wichtigste.

„Diese Hoffnung gibt mir der Glaube“, erklärt er. Und Hoffnung habe er immer in seiner Arbeit teilen wollen. Die Arbeit mit Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern sei dabei essenziell gewesen, vor allem weil ohne sie nichts möglich wäre, betont Obermann.

Auch die Kooperation mit den evangelischen Kolleginnen und Kollegen sei herausragend, so auch bei Obermanns letztem Projekt: der Lotsenpunkt an der Liebfrauenkirche in Mülheim. Dort können alle Menschen zur Sozialsprechstunde kommen und von einer Sozialpädagogin in schwierigen Lebenssituationen unterstützt werden. Das Projekt und weitere möchte er in seinem Ruhestand ehrenamtlich weiterunterstützen. Ansonsten freut er sich auf mehr Zeit für seine Familie, mehr Zeit, um Opa zu sein, und mehr Zeit in der Natur.