Nachhaltig und effizientMülheimer Carlsgarten nutzt eigenes App-Bewässerungssystem

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Startup-Gründer Hubertus Bollig und Carlsgarten-Leiterin Melanie Kretschmann vor dem Carlsgarten.

Startup-Gründer Hubertus Bollig und Carlsgarten-Leiterin Melanie Kretschmann.

Mit einem Klick in der App wird der Carlsgarten in Mülheim automatisch bewässert. Dazu nutzen die Betreiber gesammeltes Regenwasser.

Die Gartensaison ist eröffnet – auch im Carlsgarten am Schauspiel Köln in Mülheim. Der aktuellste Neuzugang jedoch ist nicht etwa ein neues Hochbeet oder eine exotische Pflanze, sondern ein riesiger schwarzer Wassertank und fünf nachtaktive Wassersprinkler.

Seit dieser Woche wird der Garten nämlich ausschließlich mit Regenwasser bewässert, das vom rund 450 Quadratmeter großen Dach der Schauspielstätte Depot 2 aufgefangen wird. Per App kann Carlsgarten-Leiterin Melanie Kretschmann die Bewässerung vom Smartphone aus steuern und anpassen. Das verantwortliche Start-Up „Bollig Bewässerungssysteme“ erleichtert damit die Gartenarbeit von Kretschmann, Gärtner Diego Gardon und rund 40 freiwilligen Helfern.

Bewässerung fast ohne Trinkwasser

„Per Hand dauert die Bewässerung des Gartens mehr als sechs Stunden“, sagt Kretschmann. Schon lange suchte sie nach einer Möglichkeit, den urbanen Nutzgarten effizienter zu bewässern und dabei vor allem Trinkwasser zu sparen. Unterstützt wurde sie dabei von Stefanie Reimann, Gartennutzerin und Studentin für Energieoptimiertes Bauen.

Gemeinsam stießen sie auf Hubertus Bollig, der seine Firma mit ähnlichen Zielen gründete: „Dass bewässert werden muss ist klar, doch es soll ressourcenschonend passieren: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ In Zusammenarbeit mit der Haustechnik des Schauspiel Köln wurde daraufhin im vergangenen Dezember die Bewässerungsanlage installiert.

Finanziert wurde das Projekt von privaten Spendern und einem grünen Fördertopf der Stadt Köln. 12 500 Liter Regenwasser passen in den Tank, sodass im Frühling und im Herbst komplett und im Sommer größtenteils ohne Trinkwasser bewässert werden kann. „Mir geht es um einen intelligenten Umgang mit Wasser“, sagt Bollig.

„Die allgemeinen Niederschlagsprognosen sind aufgrund des Klimawandels nicht mehr verlässlich, aber es kann Regenwasser gespart werden, indem per App die Bewässerung je nach Wettervorhersage angepasst wird.“ Wie die Kölner Heinzelmännchen sind die Sprinkler nachts aktiv, so dass die Arbeit des Gießens bei Sonnenaufgang schon getan ist.

Regelmäßige Gartentage für alle

Ab 3 Uhr wird für etwa anderthalb Stunden die komplette Nutzfläche des Gartens bewässert. So bleiben nicht nur die Gartennutzer trocken, sondern das Gießen verläuft aufgrund von angeglichener Boden- und Wassertemperatur möglichst schonend für Beet und Blumen. „Der Garten ist jetzt unabhängiger und nachhaltiger. Wir pflanzen auch klimaresistente Pflanzen, etwa Haselnusssträuche, Chilis und vermehrt südländisches Gemüse“, sagt Kretschmann.

Die gesparten Ressourcen sollen in neue Bepflanzungen, Workshops und Bildungsarbeit fließen. Einmal im Monat findet ein Gartentag statt, mit gemeinsamem Sähen und Ernten, Live-Musik und Workshops. Der Pizzaofen wird ebenfalls angeworfen, Cocktails gibt es an der garteneigenen Frieda-Bar. „Der Garten hat unser Veedel geprägt, hier ist jeder und jede willkommen. Unsere Nachbarn aus der Keupstraße sind oft dabei, Alte und Kinder, genauso wie Menschen in Problemsituationen,“ sagt Kretschmann.

Der nächste Gartentag findet am kommenden Sonntag, 16. April, von 13 bis 18 Uhr statt.

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