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Leben im AlterAngehörige führen Demenz-WG in Köln-Stammheim

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Zwei Frauen mit beigefarbenen Oberteilen stehen in einem Wohnzimmer.

 Andrea Schlosser (l.) ist als Tochter einer der Bewohnerinnen auch die Geschäftsführerin der Stammheimer Ufer GbR. Barbara Prinz ist die Geschäftsführerin der Krankenpflegedienste Köln und versorgt mit ihren Kräften die WG-Mitglieder. 

35 Jahre Pflegedienst, 30 Jahre Tagespflege: Die Krankenpflegedienste Köln versorgen seit drei Jahren eine Demenz-WG am Stammheimer Ufer.

„Meine Mutter, die nie alleine gelebt hat, möchte auch jetzt nicht alleine leben“, ist Andrea Schlösser überzeugt. Ihre Mutter wurde 2022 mit vaskulärer Demenz und Alzheimer diagnostiziert. Recht schnell sei klar geworden, dass sie nicht mehr ohne Hilfe zu Hause leben kann. „Für uns kam ein Heim nicht infrage“, erzählt Andrea Schlösser. 

Schlössers Vater hatte kurz vor seinem Tod 2019 sieben Wochen in Kurzzeitpflege gemusst und dies als die schlimmste Zeit seines Lebens beschrieben. Bei Andrea Schlösser habe das Narben hinterlassen, sodass sie ihrer Mutter versprochen habe, eine andere Lösung zu finden.

Den großen Garten der Demenz-WG am Stammheimer Ufer teilen sich die Bewohnenden.

Den großen Garten der Demenz-WG am Stammheimer Ufer teilen sich die Bewohnenden.

„Wenn ich meine Mutter aus ihrem Haus raushole, weil es nicht mehr anders geht, möchte ich sie in ein häusliches Umfeld holen“, erklärt Schlösser. Ein solches häusliches Umfeld sieht die Angehörige in einer Demenz‑WG. „Man findet recht schnell, wo welche sind, aber nicht, wo was frei ist“, erzählt Schlösser.

Köln-Stammheim: Demenz-WG bietet Pflege in häuslichem Umfeld

Letztlich sei sie mit Monika Schneider von Wohnkonzepte Schneider in Kontakt gekommen, die das sogenannte Kölner Modell entwickelt hat. Damit gemeint ist eine selbstverantwortete Wohnform, bei der die Bewohner in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) organisiert sind. Durch eine Person  werden die Bewohner in der GbR vertreten.

„Mir war es super wichtig, mitgestalten zu können“, erklärt Andrea Schlösser, „ich möchte wissen, dass meine Mutter gut versorgt ist, aber ich möchte mich auch kümmern und die Verantwortung nicht komplett abgeben.“ Und so entschieden sie und ihre Mutter sich für die Demenz-WG Stammheimer Ufer mit großem Garten, nur wenige Minuten vom Rhein entfernt. 

Nun wohnt Andrea Schlössers Mutter schon seit einigen Jahren dort mit sieben Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern. Jeder hat ein eigenes Zimmer mit Bad. Alle weiteren Räume und den Garten teilen die Bewohnenden sich. „Wir Angehörigen sind verantwortlich dafür, dass die WG gemütlich, ordentlich und sicher ist, wir treffen alle Entscheidungen gemeinsam“, sagt Schlösser, „und wir sorgen für ein Miteinander, wir feiern Karneval und Weihnachten in der WG.“ 

Demenz-WG Stammheimer Ufer wird von Angehörigen geführt

Für Schlösser sei die WG eine erweiterte Familie und eine Art Selbsthilfe: „Wenn ein Familienmitglied so krank und reduziert in der Selbstständigkeit ist, hat man als Angehörige häufig das Gefühl, alleine zu sein mit allem. Hier geht es aber allen so“, erklärt Schlösser. Zudem wisse sie, dass ihre Mutter in der WG gut versorgt werde.

Tagsüber sind zwei Pflegekräfte vor Ort, nachts eine. Sie übernehmen klassische Pflegeaufgaben wie das Waschen, und helfen ihnen auf der Toilette und beim Essen. Aber sie führen auch den gesamten Haushalt, kochen, machen die Wäsche, betreuen und verbringen Zeit mit den Bewohnenden. „Es ist eine ganz andere Arbeit, als in der ambulanten Pflege oder in Heimen“, betont Schlösser, „deshalb ist uns die Zusammenarbeit mit dem Pflegedienst auch besonders wichtig.“

Seit Januar 2025 arbeitet die WG Stammheimer Ufer deshalb mit den Krankenpflegediensten Köln zusammen. „Wir stellen die Betreuung vor Ort sicher“, erklärt Geschäftsführerin Barbara Prinz. „Es ist ein sehr persönlicher, familiärer Umgang, das ist für die Bewohnerinnen, die Pflegenden und das Personal toll.“

Krankenpflegedienste Köln feiern doppeltes Jubiläum

Seit 2023 betreuen die Krankenpflegedienste Köln Demenz-WGs in Köln. „Wir möchten immer individuell auf die zu pflegenden Menschen eingehen, sie da unterstützen, wo es nötig ist, und ihre Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit dabei so lange wie möglich aufrechterhalten“, erklärt Prinz. „Die WGen passen zu diesem Grundsatz, aber auch in der ambulanten Pflege und der Tagespflege setzen wir das um.“

Ursprünglich wurden die Krankenpflegedienste Köln 1991 als ambulanter Pflegedienst gegründet. Fünf Jahre später kam dann die Tagespflege hinzu, welche vergangenes Jahr in neue Räume in Köln-Braunsfeld umgezogen ist. Das doppelte Jubiläum feierte der Pflegedienst Anfang September in den neuen Räumen. 

„Mit der ambulanten Pflege unterstützen wir Menschen, die noch zu Hause wohnen, in den WGen die Menschen, die zu Hause nicht mehr zurechtkommen, und die Tagespflege ist etwas dazwischen“, sagt Prinz. Dort kommen Personen an so vielen Tagen, wie vereinbart, hin und verbringen ihren Tag dort. Sie werden betreut, gepflegt und versorgt. Dabei ginge es vor allem darum, Angehörige zu entlasten und soziale Kontakte zu bieten. „Es geht immer auch darum, zu verhindern, dass Menschen vereinsamen, egal in welcher Pflegeform“, sagt Prinz.