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MüllvermeidungDer Stoff, aus dem die Windeln sind

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(Symbolbild).

Köln – „Eks“, Elmar greift nach dem Keks. Der fast Zweijährige liebt – wie die meisten Kinder – Süßes. So weit, so normal. Weniger alltäglich ist Elmars Windel. Sie ist aus Stoff. Um Müll zu vermeiden und nachhaltiger zu leben, greifen Eltern vermehrt wieder zu Stoffwindeln.

Noch sind sie deutlich in der Minderheit. Pia Berges, stellvertretende Leiterin der Hebammenschule an der Kölner Uniklinik und freiberufliche Hebamme, hat noch keinen starken Trend zu Stoffwindeln festgestellt. Auf etwa zwei Prozent schätzt sie den Anteil der Eltern, die Stoff statt Plastik um den Babypopo wickeln.

Beratungsmöglichkeiten für Stoffwindeln

„Es gibt auf jeden Fall einen Trend zum Müllvermeiden“, sagt Nicole Koch aus Hürth. Sie ist Stoffwindelberaterin und zweifache Mutter. Viele ihrer Beratungen nutzen Kölner Eltern. „Es gibt so ein breites Angebotsspektrum an Stoffwindeln. Da zahlt sich eine Beratung aus“, ist sie überzeugt.

Auf eine solche Beratung hat Elmars Mutter, Theresa Thomas, verzichtet. „Meine Windeln habe ich von zwei Freundinnen übernommen, die sich vorgenommen hatten, mit Stoff zu wickeln, es dann aber doch nicht gemacht haben“, sagt die 36-Jährige. Sie verwendet ein System mit Baumwollhosen und Druckknöpfen. „Hinein kommt ein Vlies, drüber eine Hose aus Wolle oder Kunststoff“, sagt die zweifache Mutter.

Nachhaltige Methoden für Babys

Für sie ist der weitgehende Verzicht auf Einwegwindeln kein großer Aufwand. „Das klappt völlig unproblematisch.“ Einmal wöchentlich steckt sie die Windeln in die Waschmaschine, die gebrauchten bewahrt sie in einem Eimer mit Lauge auf dem Balkon. „Ein Tipp von meiner Mutter und Oma“, sagt Theresa Thomas. „Ich versuche, so wenig Ressourcen zu verbrauchen wie möglich“, begründet sie ihre Windelwahl. Zudem sei ein Kind mit Stoffwindeln weniger wund, hat sie festgestellt. Hebamme Pia Berger bestätigt: „Für den Windelbereich ist eine Stoffwindel wahrscheinlich ein wenig besser. Durch den Stoff kommt doch mehr Luft an die Haut.“

Andere Eltern gehen noch einen Schritt weiter: Sie halten den Nachwuchs ab. Stoffwindelberaterin Koch hat es bei ihrer älteren Tochter praktiziert und wendet es nun bei ihrer zweiten Tochter (sechs Wochen) an. „Das ist viel einfacher, als es sich anhört. Babys haben fünf Laute, auf die man sehr gut reagieren kann“, sagt Koch. Kommt ein solcher Laut oder ein bestimmtes Verhalten, wird das Baby über die Toilette oder ein Waschbecken gehalten und macht dort hinein. „Das funktioniert unfassbar gut“, sagt Koch.

Artgerechter Umgang mit Babys

Für Freunde der Methode, die in vielen anderen Kulturen praktiziert wird, gibt es für Unterwegs allerhand Praktisches. „Faltbare Silikonschüsseln beispielsweise oder Tütchen, mit denen man das große Geschäft entsorgen kann.“ Weiteres Argument von Nicole Koch: Beim Abhalten müssen Eltern genau auf die Signale ihrer Kinder achten. „Dadurch gibt es eine andere Form der Bindung. Das Kind fühlt sich gehört und hat das Gefühl, dass man auf es achtet. Dadurch entsteht Urvertrauen.“

Koch plädiert für einen „artgerechten Umgang“ mit Babys. Gegen Einwegwindeln spräche das aus ihrer Sicht jedoch nicht unbedingt. Da sieht sie eher, dass Pampers und Co. „einen unfassbaren Müllberg“ verursachen. „Was ich in Köln noch vermisse, ist ein Stoffwindelbonus. Den zahlen einige Städte, wenn Eltern nachweisen, dass sie Stoffwindeln gekauft haben“, sagt Nicole Koch.