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Musik in der Philharmonie Ein Wachdienst für Jahrzehnte am Heinrich-Böll-Platz

Patrouille: Seit 1999 schützt ein Wachdienst den Heinrich-Böll-Platz, wenn die Musiker in der Philharmonie proben.

Patrouille: Seit 1999 schützt ein Wachdienst den Heinrich-Böll-Platz, wenn die Musiker in der Philharmonie proben.

  • Seit 1999 ist der Platz gesperrt, wenn in der Philharmonie musiziert wird
  • Die Wachleute, die den Platz bewachen müssen, kosten viel Geld: allein für 2019 sind 221.750 Euro vorgesehen
  • Die Bewachungskosten haben es 2009 auch schon ins Schwarzbuch des Bundes Deutscher Steuerzahler geschafft

Köln – Vor gut vier Wochen hat ein Redakteur des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ Köln besucht, er ist dabei auch über den Heinrich-Böll-Platz oberhalb der Philharmonie gelaufen, also an den Warnschildern vorbei, darauf steht: „Bitte betreten oder befahren Sie nicht die innere Platzfläche.

Tritt- und Rollgeräusche werden leider in den Saal übertragen, so dass Konzerte und Proben gestört werden.“ Der Platz ist an vielen Stunden im Jahr eine No-Go-Area, weil er die Decke des unterirdischen Konzertsaales bildet. Der Redakteur fotografierte das Warnschild und schrieb darüber: „Und ich dachte immer, das sei ein Witz.“ Nein, ist es nicht.

Ein Fall für das Schwarzbuch der Steuerverschwendung

Also schieben dort Wachleute Dienst, wenn unten im Saal die Musiker proben oder ein Konzert geben. Und diese Wachleute kosten Geld. Für 2019 sind 221.750 Euro vorgesehen, die Politik muss den Betrag aber noch abnicken – was aber sehr wahrscheinlich ist, denn was wäre die Alternative: Eine Philharmonie mit Schrittgeräuschen? Das Rechnungsprüfungsamt als Kontrollinstanz hat bei der Summe keine Bedenken.

Die Malaise dauert seit dem 1. April 1999 an, feiert nächstes Jahr also 20. Geburtstag. Denn der Schallschutz, nun ja, er reicht nicht aus, trotz aller Bemühungen nachzujustieren. Die Schallisolierung ist laut Stadt in den 1980ern entworfen worden, und zwar nach den damals gültigen Normen. Doch Inline-Skater, Reise-Trolleys und Skateboarder waren seinerzeit nicht sehr verbreitet. Eine Gesamtsumme, wie viel der Wachdienst bislang in den 19 Jahren gekostet hat, konnte die Verwaltung am Donnerstag nicht nennen.

Aktuell ist aber noch nicht klar, ob die 221.750 Euro für 2019 ausreichen oder komplett benötigt werden. Noch ist ja nicht festgelegt, wie oft geprobt wird, wie häufig es Konzerte gibt. Im Jahr 2017 waren es 12.437 Stunden für den Wachdienst, der pro Stunde 17,83 Euro erhält.

Die Bewachungskosten haben es 2009 auch schon ins Schwarzbuch des Bundes Deutscher Steuerzahler geschafft, in dem Werk listet der Verein aus seiner Sicht gravierende Fälle von Steuerverschwendung auf. Die Begründung: Ein Gutachten von 1998 habe ergeben, dass eine umfassende Schallisolierung 9,2 Millionen Mark koste. „Auf nicht allzu lange Sicht wird die Absperrung also teurer als der Umbau“, hieß es. Die Stadt wies das seinerzeit zurück, weil unklar sei, ob die Summe noch ausreiche und ob es überhaupt eine zufriedenstellende Lösung gebe.