Ein Anruf an einem Samstagmorgen veränderte das Leben von Stefanie Neuhäuser schlagartig und beendete Jahre der Fremdbestimmung.
„Ein Organ für Sie ist da“Kölnerin erhält nach fast elf Jahren eine Spenderniere

Stefanie Neuhäuser will auf das Thema Organspende aufmerksam machen. Ohne die Niere eines Spenders wäre sie heute noch auf die Dialyse angewiesen. So wurde ihr ein neues, freieres Leben geschenkt.
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Für die Kölnerin Stefanie (51) endete eine fast elfjährige Wartezeit auf eine Spenderniere mit einem Anruf. Sie berichtet über die schwierige Phase und die neu gewonnene Freiheit.
Der 29. März 2025 markierte das Ende einer 10,5-jährigen Geduldsprobe. An diesem Samstagmorgen um 5 Uhr erhielt Stefanie Neuhäuser den entscheidenden Anruf. „‚Sind Sie gesund? Wir haben eine Niere für Sie‘“, berichtet sie von dem Telefonat. Die Transplantation des neuen Organs erfolgte noch am Nachmittag desselben Tages.
Seither führt die Frau aus Köln ein Dasein ohne die Notwendigkeit einer Dialyse und ohne strenge Vorgaben bei der Ernährung. Eine wiedererlangte Freiheit bedeutet für sie auch, wieder Bananen essen zu können, was zuvor undenkbar war. „Bananen haben viel Kalium – und Kalium kann nur schlecht vom Körper ausgeschieden werden, wenn die Nieren nicht funktionieren“, erläutert Neuhäuser. Auch das Trinken von viel Wasser ist nun wieder gestattet und sogar erwünscht.
Ihre neue Lebensqualität demonstrierte die 51-Jährige unlängst durch ihre Teilnahme am Transplant Football World Cup in Frankfurt. Bei diesem Weltturnier für organtransplantierte Menschen traten in diesem Jahr erstmalig auch weibliche Nationalteams an.
Für Neuhäuser stand dabei nicht die sportliche Spitzenleistung im Fokus. „Ich bin auch gar nicht die große Fußballerin. Aber es macht Spaß. Der Teamspirit ist total schön.“ Die Veranstaltung soll primär eine wichtige Nachricht verbreiten: Eine Organspende kann Lebenszeit schenken und ein selbstbestimmtes, aktives Dasein ermöglichen.
Der Weg zur Diagnose und das Leben mit der Dialyse
Ein solches Leben war für Stefanie Neuhäuser lange Zeit undenkbar, ähnlich wie für zahlreiche andere Patienten, die auf ein Organ hoffen. Die Erkrankung äußerte sich anfangs durch heftige Kopfschmerzen, begleitet von Erschöpfung und geschwollenen Beinen. „Ich habe damals in der Unternehmensberatung gearbeitet, es war auch einfach stressig. Ich musste fit sein“, erzählt sie.
Es folgte eine langwierige Suche nach der Ursache bei diversen Ärzten, vom Neurologen über den Kardiologen bis zum Nephrologen. Die Diagnose nach einer Biopsie lautete IgA-Nephritis. „Eine Autoimmunerkrankung, bei der sich die Nieren selbst zerstören und eine Entzündung in den Nieren entsteht.“
Vier Jahre darauf, im Jahr 2014, begann für sie die Zeit der Dialysepflicht. Zunächst musste sie dreimal pro Woche für viereinhalb Stunden zur Hämodialyse in eine medizinische Einrichtung. Sie zählte später zu den wenigen Betroffenen, die diese Behandlung selbstständig zu Hause vornehmen durften.
„Es gibt nur wenige Ärzte, die das zulassen, vor allem, wenn man es wie ich alleine, ohne, Partner zuhause machen will. Ich bin angelernt worden wie eine Dialyse-Fachkraft“, berichtet Stefanie. „Ich musste lernen, mich selbst zu stechen, zu punktieren, mit allen hygienischen Aspekten. Und was in einem Notfall zu tun wäre.“ Diese Möglichkeit habe ihr ein gewisses Maß an Unabhängigkeit verschafft. „Wenn man dreimal die Woche zu bestimmten Zeiten in ein Dialysezentrum fahren muss, ist man einfach sehr fremdbestimmt“, fügt sie hinzu.

Stefanie bei der Dialyse in einem Dialysezentrum.
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Die Operation und die zurückgewonnene Freiheit
Über ein Jahr nach der Transplantation gehört die Blutwäsche der Vergangenheit an. Im Jahr 2025 war Stefanie eine von 2666 Personen, denen eine Niere transplantiert wurde. Die Gesamtzahl der Organtransplantationen lag 2025 bei 3256. Im Gegensatz dazu standen im Januar des gleichen Jahres 8207 Patienten auf der Warteliste. Eine Wartezeit von über einem Jahrzehnt ist dabei nicht außergewöhnlich.
Es war eine belastende Phase. „Die Angst wurde mit der Zeit größer. Man wird ja nicht jünger. Manchmal habe ich mich gefragt, ob meine Akte vielleicht irgendwo vom Stapel gerutscht ist. Einmal habe ich im Transplantationszentrum angerufen und gefragt, ob sie noch etwas von mir bräuchten...“
Schließlich kam die ersehnte Nachricht. Der Eingriff selbst war eine immense körperliche Herausforderung. „Tag für Tag wurde es besser. Und es war ein tolles Gefühl, aber am Anfang ist noch viel Angst dabei gewesen: ‚Liebe Niere, bitte, bitte, nimm die Arbeit auf, fühl dich wohl und leg los‘“, schildert Stefanie ihre Gedanken. Anfängliche Komplikationen wie eine Abstoßungsreaktion, eine Infektion mit einem Virus und ausgeprägte Blutergüsse traten auf. Letztendlich verlief die Transplantation jedoch erfolgreich.
Inzwischen kann Stefanie ihr Leben wieder sorgenfreier gestalten und reisen. „Früher habe ich gerne Reisen unternommen, mit Wanderungen ins Hinterland, Übernachtungen bei Einheimischen, in kleinen Gruppen. Diese Art des Reisens ging mit der Dialysepflicht natürlich nicht“, erklärt sie. Die Planung von Urlauben war stets von der Verfügbarkeit eines Dialyseplatzes abhängig, was die Erholung stark beeinträchtigte.

Erster Urlaub nach der OP – eine neugewonnene Freiheit für Stefanie.
Copyright: Stefanie Neuhäuser
Ihre Spontaneität hat sie wiedererlangt: „Das erste, was ich nach der Transplantation gemacht habe, war, mich mit dem Auto Richtung Berchtesgaden zu setzen – ohne zu wissen, wann ich ankomme und wo genau ich bleibe.“ Körperliche Aktivität war für die Kölnerin immer von Bedeutung; selbst während der Dialysezeit beteiligte sie sich an Laufwettbewerben für Patienten.
Sie wird zwar lebenslang auf Medikamente, sogenannte Immunsuppressiva, angewiesen sein, doch die Transplantation hat ihr eine neue Existenz ermöglicht. Es ist ihr ein zentrales Anliegen, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. „Jeder kann in die Situation kommen, ein Spenderorgan zu benötigen oder potenziell selbst Spender zu werden“, betont sie. „Oder in die Situation kommen, über die Organe eines Familienangehörigen entscheiden zu müssen.“
Aus diesem Grund ist sie der Meinung: „Es ist wichtig, dass sich jeder damit auseinandersetzt. Ich würde nicht wollen, dass meine Angehörigen überlegen müssen, was die Steffi denn gewollt hätte. Ich finde, das kann man keinem zumuten.“ Informationen über die Person, von der sie das Organ erhielt, hat Stefanie Neuhäuser nicht.
Sie betrachtet die Widerspruchslösung als einen entscheidenden Hebel, um dem Defizit an Spenderorganen entgegenzuwirken. „Es ist ein emotionales und auch ein schwieriges Thema, denn es bedeutet die Auseinandersetzung mit dem Tod – aber es bedeutet auch ganz viel Leben anderswo. Und ich glaube, es kann für Angehörige auch tröstlich sein zu wissen: Irgendwo lebt ein Teil des Menschen weiter.“
Details zum Transplant Football World Cup
In Frankfurt kamen vom 13. bis zum 18. September 2026 insgesamt 15 Nationen zur Fußball-Weltmeisterschaft für Organtransplantierte zusammen. Die Voraussetzung für die Teilnahme war eine erfolgte Organtransplantation. Eine Neuerung in diesem Jahr war die erstmalige Teilnahme von Frauen-Teams. Stefanie Neuhäuser war Teil der deutschen Mannschaft, in der beispielsweise auch herz- und lungentransplantierte Personen mitspielen.

Das Team der deutschen Transplantationsmannschaft.
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Die Spiele wurden im Modus 7 gegen 7 ausgetragen, bei einer Spieldauer von 20 Minuten pro Halbzeit. Der ehemalige Nationalspieler David Odonkor unterstützte die Veranstaltung als Botschafter. Deutschland war Ausrichter des Turniers, da die Mannschaft den Titel im Jahr 2025 errungen hatte. Den Weltmeistertitel sicherte sich die englische Auswahl durch einen 5:1-Sieg gegen Spanien. (red)