Köln – Sechs „dicke Braune“. Zehn „Normale“, eine Palette Freiland XL – im Sekundentakt füllen sich die Eierkartons am Stand von Heidi Selbach. „Ja, wie immer?!“, sagt die 64-Jährige zu den Bestellungen oft und hält ein Schwätzchen mit vielen Stammkunden, die an ihrem Wagen mit braunen und weißen Eiern, Obst und Gemüse Schlange stehen. Und die wird immer länger seit dem Skandal um mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden. „Wir vertrauen Ihnen“, hört die Marktfrau aus Burscheid gern – seit 1973 betreibt sie den Stand an St. Aposteln mit Ware aus Freiland- und Bodenhaltung für 28 bis 30 Cent das Stück.

Ei-Alarm: In Supermärken wie in diesem Penny wurden vorsorglich Eier aus den Niederlanden aus dem Sortiment genommen.
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Landeier aus der Region werden immer beliebter: „Die Eier hier sehen gut aus und schmecken auch gut, und wir wissen, woher sie kommen“, sagt Barbara Piert-Borgers, die seit 20 Jahren lange Wege zum Markt in Kauf nimmt. Die Produkte stammen vom Geflügelhof Kottsieper aus Remscheid. Der versichert, dass keine Desinfektionsmittel wie „DG 16“ oder Fipronil gegen Hühner-Schädlinge eingesetzt wurden.
Warnmeldungen haben viele Verbraucher aufgeschreckt
Vertrauen ist wichtig, Kontrollen sind unerlässlich: Warnmeldungen des Bundesinstituts für Risikobewertung haben viele Verbraucher aufgeschreckt. Private Kunden ebenso wie Restaurants, Bäcker oder Supermärkte in Köln haben reagiert. Angesichts der Probleme belasteter Eier ist das Kölner Umwelt- und Verbraucherschutzamt in ein landesweites Programm eingebunden: Veterinäre und Lebensmittelkontrolleure untersuchen Betriebe im Stadtgebiet, darunter fünf Legehennenhalter, zwei Masthähnchenbetriebe und zwei Eierpackstellen.

Dean&David am Bahnhof erklärt, warum sie in Speisen keine Eier einsetzen.
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Auch wer in Supermärkten einkauft, will auf Nummer Sicher gehen. Die Rewe Group reagierte auf die steigende Zahl der Fipronil-Fälle und nahm am 2. August vorsorglich sämtliche Eier aus den Niederlanden aus dem Verkauf. „Da die Situation in Deutschland nicht mit der in den Niederlanden vergleichbar ist, verkaufen wir unverändert Eier aus Deutschland“, sagt Pressesprecher Andreas Krämer. Der Kölner Konzern verlange von den Lieferanten Garantien und Untersuchungsergebnisse bis zum einzelnen Stall. Rewe hat im Großraum Köln und Umgebung rund zwei Dutzend lokale und regionale Eierlieferanten.
Einer von ihnen ist der Hof Alpermühle in Nümbrecht von Mechthild und Andreas Klose. Sie setzen in der Erzeugergemeinschaft aufs Bio-Landei nach Naturland-Richtlinien – von vermutlich glücklichen Hühnern in artgerechter Haltung: Futter aus eigenem Anbau, Auslauf im Grünen, Wintergarten mit Stroh-„Matratzen“, Möglichkeiten zum Staubbaden, Picken und Scharren sind im Hühner-Hilton inklusive. Zu den Abnehmern gehören am Hauptabsatzort Köln auch Bäckereien wie „Zimmermann“. Das Superfood liefern rund 2500 Legehennen.
Nachfrage kann kaum erfüllt werden
Statt Chemiekeulen werden Hausmittel bevorzugt. Die große Nachfrage lasse sich kurzfristig regional gar nicht bedienen: „Von 100 konsumierten Eiern wurden nur 24 in NRW gelegt, die anderen stammen aus anderen Bundesländern oder Benelux.“ Etwa zehn Prozent kommen bundesweit aus Bio-Haltung, Tendenz steigend. Einen neuen Stall für Bio- und Freilandhaltung plant das Gut Clarenhof: Der Hühnerhalter mit 8000 Tieren in sechs Ställen betreibe „eine nachhaltige Haltung“, so Landwirt Victor Dünn vom Frechener Familienbetrieb: Die Futtermischung wird selbst produziert, die Felder mit Hühnermist gedüngt. Auch zum Poller Hof Kleinschmidt mit rund 200 Legehennen zieht es immer mehr Städter, die bisher im Supermarkt kauften. Landeier made in Köln gibt es aber nur begrenzt: „Wir wollen keine Massentierhaltung!“, betont Gudrun Kleinschmidt. „Wenn die Tiere ausreichend Auslauf haben und sandbaden können, reduzieren sich viele Probleme enorm.“
