Nach dem Keim-Ausbruch im Medizinischen Versorgungszentrum für Radiologie und Nuklearmedizin (MVZ) am Neumarkt hat die Staatsanwaltschaft Köln die Ermittlungen ausgeweitet. „Neben dem laufenden Todesermittlungsverfahren ist nun auch ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung eingeleitet“, teilte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der Rundschau mit. Ermittelt werde in 29 Fällen.
Nachdem sie Anfang des Jahres im MVZ Injektionen in die Wirbelsäule erhalten hatten, hatten sich zahlreiche Patienten mit einem gefährlichen Erreger, einem sogenannten Wasserkeim namens „Pseudomonas aeruginosa“ , infiziert. Die Folge waren schwere Infektionen, unter anderem Hirnhautentzündungen. Ein 84-jähriger Patient verstarb Mitte April an Multiorganversagen. Ob sein Tod auf die Schmerzbehandlung im MVZ zurückzuführen ist, soll ein Todesermittlungsverfahren klären. Es ist noch nicht abgeschlossen. Über die voraussichtliche Dauer der Ermittlungen konnte die Staatsanwaltschaft keine Angaben machen.
Um zu überprüfen, ob die Ärzte im Medizinischen Versorgungszentrum fahrlässig handelten und sich der fahrlässigen Körperverletzung schuldig machten, wurden umfangreiche Patientenunterlagen sichergestellt. „Zudem haben wir Patienten und Belegärzte kontaktiert und führen Zeugenbefragungen durch“, sagte Bremer. Ein Gutachter soll die Akten der erkrankten Patienten prüfen.
Sollten sich tatsächlich 29 Patienten mit dem Erreger infiziert haben, wäre es „meines Wissens einer der schwerwiegendsten Vorfälle mit diesem Erreger in einer ambulanten Einrichtung in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa“, sagte der Infektiologe Peter Walger nach Bekanntwerden des Falles. Er ist Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Die Infiltrationstherapie, der sich die Patienten im MVZ unterzogen haben, dient der Behandlung von Rückenschmerzen. (mit dpa)

