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Neue Hotels rund um den DomKöln braucht mehr Hotels mit Anspruch

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20260918, Köln: Außenansicht des Dom-Hotels. Das Luxushotel am Roncalliplatz ist seit Jahren eine Baustelle. Die Wiedereröffnung musste mehrfach verschoben werden und ist nun für das Jahr 2027 geplant. Foto. Costa Belibasakis

Außenansicht des Dom-Hotels.

Köln streitet darüber, ob das Dom-Hotel eine Zufahrt über den Roncalliplatz erhalten soll. Nur ein paar Hundert Meter weiter entstehen weitere Hotel-Komplexe. Ein Gastbeitrag zum Kölner Hotelmarkt.

Die Debatte über die Zufahrt zum Dom-Hotel ist wichtig. Zugleich führt sie zu einer größeren Frage: Welche Hotellerie braucht Köln, wenn die Stadt touristisch und wirtschaftlich weiter wachsen will? Die absehbare Wiedereröffnung des traditionsreichen Hauses ist deshalb ein Signal für die Innenstadt – und ein Anlass, über Kölns Anspruch als internationale Metropole zu sprechen.

Köln braucht mehr hochklassige Hotels, weil ein vielfältiges, profiliertes Angebot zusätzliche Nachfrage schaffen, Investitionen anziehen und die Stadt insgesamt attraktiver machen kann. Der Kölner Hotelmarkt ist grundsätzlich gesund. Dass einzelne Häuser schließen, umgebaut oder neu positioniert werden, gehört zur Entwicklung. Das Dom-Hotel steht vor dem Neustart, das Pullman soll vorübergehend schließen, das frühere Mercure im Friesenviertel ist derzeit nicht in Betrieb. Darin zeigt sich vor allem, wie stark der Markt derzeit in Bewegung ist.

Lifestyle-Hotel in Domnähe

Entscheidend ist, was daraus entsteht. Sanierungen, Betreiberwechsel und neue Konzepte kosten Zeit und viel Kapital. Wenn dennoch investiert wird, spricht das für das Vertrauen in den Standort. Dazu passen der Ankauf des sogenannten Rolex-Hauses mit dem Ziel, nahe dem Hauptbahnhof ein Lifestyle-Hotel zu entwickeln, und weitere Vorhaben im früheren Bankenviertel. Jede dieser Investitionen ist auch eine Wette auf die Zukunft der Kölner Innenstadt.

Die Voraussetzungen dafür sind gut. Die Koelnmesse sorgt für internationale Geschäftsgäste, Unternehmen und Verbände bringen Tagungen in die Stadt. Zugleich ist Köln längst ein starkes Ziel für Städtereisende. Der Dom bleibt der Magnet, doch er ist nicht das einzige Argument: Museen, Konzerte, Sportveranstaltungen, Karneval, eine lebendige freie Kulturszene und die gastronomische Vielfalt ziehen Besucher aus dem In- und Ausland an. Köln verbindet internationale Bekanntheit mit einer Lebensart, die sich nicht inszenieren lässt. Genau darin liegt seine Stärke.

Peter Ebertz

Peter Ebertz (49) ist Head of Hotels bei Art-Invest Real Estate. Er verantwortet die Hotelaktivitäten der Art-Invest Gruppe, die sich über ein Portfolio von über 70 Hotels erstrecken. Sein Schwerpunkt...

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Was fehlt, ist an manchen Stellen das passende Angebot. Im gehobenen Segment prägte über viele Jahre vor allem das Excelsior Hotel Ernst den Markt. Eine größere Auswahl an Häusern mit eigenem Profil und internationalem Qualitätsanspruch gab es kaum. Das neue Dom-Hotel wird diese Lücke ein Stück weit schließen, einen Maßstab setzen und dem Umfeld rund um Dom, Hauptbahnhof und Hohe Straße neue Strahlkraft geben.

Ein gutes Hotel wird zum Treffpunkt

Ein gutes Hotel kann weit über die Beherbergung seiner Gäste hinauswirken. Es wird zum Treffpunkt, zur Bühne und zur Visitenkarte einer Stadt. Seine Gäste gehen essen, kaufen ein, besuchen Museen und Veranstaltungen. Davon profitieren Handel, Gastronomie und Kultur – also gerade jene Bereiche, die in der Innenstadt unter verändertem Konsumverhalten, hohen Kosten und wachsender Unsicherheit leiden. In die Debatte über neue Ladenkonzepte und mehr Aufenthaltsqualität gehört deshalb auch die Frage, welche Hotels die Kölner City bereichern können.

Davon kann auch die bestehende Hotellerie profitieren. Zusätzliche hochwertige Häuser erweitern den Markt, indem sie neue Gästegruppen nach Köln holen, die Aufenthaltsdauer verlängern und die Wahrnehmung der Destination verändern. Wo ein Standort an Profil gewinnt, wächst häufig das Interesse am gesamten Angebot – vom individuellen Stadthotel bis zum preisbewussten Haus.

Das wäre gerade jetzt wichtig. Die Auslastung vieler Kölner Hotels hat sich wieder auf einem ordentlichen Niveau stabilisiert. Dennoch stehen die Betriebe wirtschaftlich unter Druck. Höhere Zimmerpreise klingen zunächst positiv, doch Inflation und stark gestiegene Kosten für Personal, Energie und Wareneinsatz zehren den Zuwachs vielfach auf. Eine gute Auslastung muss sich daher auch in wirtschaftlich tragfähigen Ergebnissen niederschlagen. Mehr Nachfrage und eine stärkere Positionierung Kölns können dazu beitragen.

Charakter und eine Idee, die im Gedächtnis bleibt

Dabei umfasst „hochklassig“ weit mehr als Größe, Marmor und fünf Sterne. Ein neues Haus muss nicht zwangsläufig über große Konferenzräume, Wellnessbereich und mehrere Restaurants verfügen. Ebenso reizvoll sind konzentrierte Konzepte, die ihren Anspruch auf andere Weise einlösen. Charaktervolles, auch in sozialen Medien wirksames Design, eine wirklich gute Bar, persönlicher Service und eine Idee, die im Gedächtnis bleibt, können dafür ebenso prägend sein. Gerade solche eigenständigen Häuser würden das bestehende Angebot sinnvoll ergänzen.

Das 25hours-Hotel und The Qvest zeigen, wie so etwas aussehen kann: Häuser, die ihre Nachbarschaft aufnehmen und selbst zum Ziel werden. Köln könnte mehr davon vertragen. Denkbar wäre ein Hotel, das die Musikstadt Köln aufgreift, eines, das Kunst produziert und erlebbar macht, oder ein Haus, dessen Erdgeschoss vom Morgen bis in die Nacht als öffentlicher Ort für das Viertel dient. Haltung, Atmosphäre und lokale Verankerung prägen die wahrgenommene Qualität dabei oft stärker als die Länge der Ausstattungsliste.

Das Umfeld muss den Anspruch einlösen

Natürlich müssen neue Projekte städtebaulich überzeugen. Sie müssen sich einfügen, Verkehrsfragen lösen und die Interessen der Anwohner ernst nehmen. Eine aktive Debatte über gute Standorte und tragfähige Konzepte ist deshalb notwendig. Dabei lohnt es sich, neben Zufahrten, Stellplätzen und Sterneklassifizierungen auch die langfristige Wirkung eines Hauses auf sein Umfeld in den Blick zu nehmen. Anspruchsvolle Entwicklung braucht klare Anforderungen und zugleich den nötigen Gestaltungsspielraum.

Solche Vorhaben mit Anspruch brauchen mehr Unterstützung. Politik und Verwaltung sollten Investoren frühzeitig Orientierung geben. Ebenso wichtig ist ein Umfeld, das den eigenen Anspruch der Stadt sichtbar einlöst: saubere Straßen und Plätze, gepflegte öffentliche Räume, Sicherheit und eine gut erreichbare Innenstadt. Auch die Kölner Wirtschaft ist gefordert, neue Hotels als Teil der Standortentwicklung zu verstehen und Kooperationen mit Handel, Kultur, Gastronomie und Messe zu fördern. Wer private Investitionen in Qualität erwartet, muss dafür auch öffentlich und wirtschaftlich gute Rahmenbedingungen schaffen.

Die Wiedereröffnung des Dom-Hotels ist deshalb eine Chance, die über ein einzelnes Gebäude hinausgeht. Sie kann der Innenstadt Impulse geben und das Kölner Angebot im gehobenen Segment erweitern. Die Stadt sollte diesen Moment nutzen und weitere überzeugende Projekte ermöglichen. Hotels mit eigenem Charakter werden auch von Kölnerinnen und Kölnern besucht, stärken die Anziehungskraft der Innenstadt und geben Gästen gute Gründe, länger zu bleiben und wiederzukommen