Dieser Hype geht von Paris aus und ist jetzt auch in Köln angekommen: Ein Naschwerk, das von außen betrachtet einer Frucht gleicht und von innen eine Kalorienbombe ist.
Neuer Food-Hype in KölnDiese Früchte haben ein süßen Kern

Haben den Trend nach Köln geholt: Batuhan Kolkilic und sein Bruder Berkan
Copyright: Meike Böschemeyer
Vor dem Café Nane Hildeboldplatz 15 hat sich eine lange Schlange bis an die Straße gebildet. Alle hoffen, eine der wenigen, begehrten Fruchtdesserts zu ergattern, die dort in diesen Tagen für Aufsehen sorgen. Sie sehen aus wie Himbeeren, Mangos oder Pistazien, sind aber eigentlich süße Nachspeisen. „Die Leute sind ganz verrückt danach. Meistens bildet sich schon eine halbe Stunde vor Verkaufsstart eine lange Schlange vor unserem Laden. Nach kurzer Zeit ist immer alles ausverkauft“, erzählt Inhaber Batuhan Kolkilic.
Der Trend kommt aus Frankreich
Der Trend rund um die kleinen Nachspeisen kommt ursprünglich aus Frankreich. Wer nicht extra nach Paris reisen möchte, wird seit kurzem auch in Köln am Hildeboldplatz fündig. Das Café Nane bietet eine eigene Interpretation der viralen „Früchte“ an. Seit einigen Wochen kann man dort Sorten wie Pistazie, Himbeere, Zitrone, Mango und Kokos für einen Preis von 14 bis 16 Euro probieren. Dabei sind ihre „Früchte“ keine genaue Kopie des berühmten Originals. Die Rezeptur sei Geschäftsgeheimnis. In den ersten Tagen wurde Pro Kunde nur ein Dessert verkauft, das habe auch schon zu Konflikten geführt: „Leute versuchen, mich zu bestechen oder streiten sich um die letzten Früchte“, so Kolkilic. Laut Kolkilic habe sich sein Team nun aber „eingegroovt“. Die Produktion wurde angeblich hochgefahren. Nun werden auch mehr als ein „Früchten“ pro Kunde abgegeben.

Der Inhalt der „Früchte“ hat mehr Kalorien als Vitamine
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Erfunden wurden diese „Früchte“ von dem französischen Konditor Cédric Grolet. Die handflächengroßen Desserts bestehen aus Cremes, Mousse, einer Fruchtfüllung und einer knackigen Schokoladenhülle. Um das realistische Aussehen zu erreichen, werden sie mit Lebensmittelfarbe besprüht. Preislich liegen die essbaren Kunstwerke bei 18 Euro aufwärts. Grolet verkauft sie in seiner eigenen Boutique und in Cafés in Paris, Saint-Tropez oder Monaco. Viral gegangen sind die bunten Nachspeisen, nachdem er ein Video dazu auf der Plattform TikTok geteilt hat, das mittlerweile 63 Millionen Aufrufe erzielt hat. In dem Video nimmt er die Zuschauer bei dem Zubereitungsprozess seiner Pfirsich-Sorte mit. Schritt für Schritt führt er sie durch die einzelnen Arbeitsschritte. Viele reisen extra nach Frankreich, um seine Kreationen zu probieren.
„Wir haben es geschafft“
Auch das Café Nane nutzt die Videoplattform, um auf sich aufmerksam zu machen. Dort teilt das Team regelmäßig seine neusten Kreationen mit den Zuschauern und lassen sie über neue Sorten abstimmen. Mit einem Video von Anfang August hat das Café bereits über 500.000 Menschen erreicht. Viele der Kunden sind durch Social Media auf den Trend und das Café aufmerksam geworden. So auch eine Gruppe von Teenagern, die die Desserts probieren. „Wir haben es geschafft“, ruft eine von ihnen aufgeregt, als sie mit ihrer Gruppe den Laden betritt und ein Stück ergattern kann.

Die Ähnlichkeit mit dem „Original“ ist Grund für den Hype.
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„Wir versuchen täglich circa 250 Stück zu produzieren, wegen des hohen Aufwands klappt das aber nicht immer“, erzählt Kolkilic. Ein dreiköpfiges Team stelle die „Früchte“ direkt vor Ort her. Weil sie zwischen den Arbeitsschritten immer wieder gekühlt werden müssen, dauere die Produktion mehrere Tage. Deswegen, und weil die Zutaten teuer seien, würden sich die Desserts aus gastronomischer Sicht kaum lohnen, erklärt Kolkilic. Rentieren tue es sich aber, weil es neue Kunden anlocke und das Image des Ladens unterstütze.
Hypes flachen auch schnell wieder ab
Wie man anhand bereits vergangener Trends, wie der Dubai-Schokolade sehen kann, sind diese Trends zwar kurzfristig erfolgreich, der Hype flacht aber meistens schnell wieder ab und die Produkte werden zu Ladenhütern. Solange die Nachfrage da ist, wird das Café Nane aber erstmal weiterhin die beliebten Frucht-Desserts anbieten.
Food-Trends verbreiten sich durch Social Media immer schneller. Alle wollen dann plötzlich die Dubai-Schokolade, Matcha-Latte oder die neuesten Cookies probieren. Deshalb versuchen viele Läden, stets aktuelle Trends aufzugreifen, um so konsumfreudige Zielgruppen anzusprechen. Bei den meisten dieser Food-Trends geht es aber scheinbar weniger um den Geschmack, als um das Aussehen, das sie so „instagrammable“ macht.