Seit dem 1. März 2026 arbeitet der studierte Bauingenieur für das Kölner Verkehrsunternehmen. Was seine Ziele und Herausforderungen sind.
Pläne zum AmtsantrittNeuer KVB-Chef Winter will bessere Informationen für die Fahrgäste

Marcel Winter ist der neue Chef der Kölner Verkehrs-Betriebe.
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Ein weißes T-Shirt mit dem Schriftzug „Et hätt noch immer joot jejange“, ein leichter, hellblauer Anzug und Turnschuhe – so sind die Vorstandschefs kommunaler Unternehmen in der Regel nicht gekleidet. Marcel Winter, der neue Chef der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), hat sich mit dieser Garderobe am Dienstag zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt am 1. März 2026 öffentlich vorgestellt und direkt ein Statement gesetzt: Es weht offenbar ein frischer Wind im angestaubten Verkehrsunternehmen.
KVB sei für Winter ein Stück kölsche Identität
Eigentlich, so erinnert sich Winter, habe er sich in der zweiten Reihe wohlgefühlt. Als er 2018 beim Verkehrsunternehmen National Express zum Geschäftsführer aufstieg, sei er zuvor angesprochen worden, ob er den Job übernehmen wolle. Sein Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und seine Art, Probleme anzugehen, seien dafür ausschlaggebend gewesen, und genau das wolle er fortsetzen. „Ich befinde mich gerne sehr eng im Austausch mit den Menschen, und ich halte es für wichtig, Perspektivwechsel zu erleben“, sagt Winter am Dienstag. Der studierte Bauingenieur mit Schwerpunkt Verkehrswesen hatte zuletzt als Geschäftsführer beim Zweckverband go.Rheinland und dem Aachener Verkehrsverbund gearbeitet.
Seinen Wechsel zu den Kölner Verkehrs-Betrieben beschreibt der 50-Jährige als Aufgabe, die er sehr bewusst gewählt habe, nachdem er darauf angesprochen wurde, sich zu bewerben. „KVB – diese drei Buchstaben haben etwas in mir ausgelöst“, sagt Winter. Die KVB sei für ihn ein Stück kölsche Identität, daran mitzuarbeiten, habe ihn gereizt. Inzwischen arbeitet er seit acht Wochen im Unternehmen – im März hatte er mit seiner Vorgängerin Stefanie Haaks die Übergabe geregelt, um möglichst schnell in die Themen hereinfinden zu können. „Ich habe mich abends lange nicht mehr so müde und erschöpft gefühlt“, sagt Winter angesichts der Fülle von Informationen, die er in der begrenzten Zeit aufnehmen musste.

Der neue Chef der KVB heißt Marcel Winter.
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„Das hat sich gebessert, aber es gibt auch nach acht Wochen noch viele Dinge, die man jeden Tag neu lernt, wenn man mit den Menschen im Austausch ist“, sagt Winter. Der Wunsch, den bestmöglichen Betrieb abzuliefern, vereine bei der KVB alle. Für das Unternehmen gibt es eine Vielzahl an großen Herausforderungen – ein Überblick.
Infrastruktur
„Es gibt einen riesigen Investitionsrückstau – das ist nicht nur bei der KVB so, auch bei Brücken und Straßen gibt es das“, sagt Winter. Das betreffe vor allem die Betriebshöfe und die Stadtbahnen. Es sei aus seiner Sicht die größte Herausforderung, diese Themen anzugehen und zu schauen, was finanzierbar ist. Die KVB müsse es jetzt auf der einen Seite hinbekommen, die vorhandenen Bahnen mit einem vertretbaren Aufwand instandzuhalten, und der Hersteller Alstom müsse es schaffen, die bestellten Stadtbahnen endlich zu liefern. Alstom hatte zuletzt den Betrieb ab 2028 zugesagt.
Personal
Beim Thema Personalverfügbarkeit könne er sich bei denjenigen bedanken, die das Problem gelöst haben. „Die Zahlen, die ich hier gesehen habe, sind herausragend“, sagt Winter. Lediglich 0,2 Prozent aller Ausfälle seien derzeit personalbedingt – daran lasse sich erkennen, dass die KVB ihre Hausaufgaben gemacht habe. In den vergangenen Jahren hatte ein Mangel an Fahrern noch für erhebliche Ausfälle gesorgt. Es waren viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Rente gegangen, gleichzeitig hatte das Unternehmen nicht genug Nachwuchs ausgebildet. Eine Erhöhung der Fahrschulkapazitäten und eine gezielte Rekrutierung hatten das Problem letztlich gelöst.
Fahrgastinformation
Winter will einen Fokus darauf legen, die Fahrgastinformation zu verbessern und die Digitalisierung voranzutreiben. Die KVB hatte zuletzt eingeräumt, dass es nach wie vor Probleme bei der Echtzeit-Anzeige gibt. Zwar stehen sämtliche Daten in Echtzeit zur Verfügung, zum Teil werden sie aber nicht korrekt angezeigt. So gibt es insbesondere Probleme mit den großen Anzeigetafeln, wie am Neumarkt. Diese verarbeiten die Daten laut KVB nicht richtig, weshalb es zu Abweichungen kommt. Interne und externe Experten seien damit beschäftigt, die Fehler zu analysieren und die Fehlerquellen auszuschalten.
Finanzierung
Der neue KVB-Chef mahnt an, dass die Ziele des Unternehmens nur erreichbar seien, wenn es eine Verlässlichkeit in Form von Beschlüssen der Politik gebe. „Wieviel öffentlicher Personennahverkehr ist angesichts der leeren Kassen überhaupt möglich, bleibt es bei den angedachten Netzentwicklungen, müssen Pläne angepasst werden, was sind da die Wünsche?“, beschreibt Winter die Fragen, auf welche die Politik Antworten finden müsse. „Wir befinden uns in einem guten Dialog miteinander, und wir würden gerne am Ende mit der Politik die beste Lösung finden, die eine Mischung darstellt aus Wirtschaftlichkeit und Daseinsvorsorge“, sagt Winter. Im Hintergrund wird derzeit darüber verhandelt, ob die KVB nur noch maximal 160 Millionen Euro Verlust innerhalb des Stadtwerkekonzerns ausgeglichen bekommt. Im Jahr 2024 verzeichnete die KVB allerdings ein Defizit von 185,1 Millionen Euro; für 2025 wird ein ähnlich hohes Minus erwartet. „Mir ist es wichtig, dass man fair miteinander umgeht und so lange wie möglich kooperativ ist. Das hat irgendwann Grenzen, das ist klar“, sagt Winter. Er sei aber zuversichtlich, mit Politik, Verwaltung und den anderen Unternehmen im Stadtwerkekonzern einen Konsens zu finden.
Sicherheit
Dass nach wie vor größere Gruppen schwerst drogenabhängiger Menschen in den U‑Bahnhaltestellen der KVB Zuflucht suchen, sieht Winter als gesamtgesellschaftliches Thema. „Es ist wichtig, sich zusammenzusetzen und nach Lösungen zu suchen“, sagt er. Situativ an irgendwelchen Haltestellen einzugreifen, werde hingegen nicht funktionieren. „Es entsteht ein Verdrängungsprozess, und das mit Menschen, die eigentlich unsere Unterstützung benötigen“, sagt Winter. Er wolle sich mit der Stadtverwaltung an einen Tisch setzen. Und er appelliere, dass Menschen aufeinander aufpassen sollten. „Gerade in Köln habe ich das Gefühl, dass Menschen enger miteinander verbunden sind und aufeinander zugehen“, sagt Winter.