In Bilderstöckchen entsteht „Woodstöckchen“: Auf dem früheren Areal eines Afrika-Missionsordens entstehen 84 Wohnungen fast komplett aus Holz.
Wohnen im „Woodstöckchen“Bauministerin besucht Kölns größtes Holz-Bauprojekt

NRW-Ministerin Ina Scharrenbach (vorne r.) macht ein Selfie mit Projektbeteiligten vor einem der Neubauten.
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Für das ambitionierte Vorhaben, ein Wohnensemble fast ausschließlich aus Holz zu errichten, habe man sich eine Menge Referenzprojekte angeschaut, „bis hinauf nach Schweden“, erinnert sich Marion Sett, Geschäftsführerin der kirchlichen Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft. „Wir haben uns gefragt, wie es um die Nachhaltigkeit im Bauen steht, und ob wir als Gesellschaft nicht auch da etwas machen können.“
Gefragt, getan: Entlang der Ludwigsburger Straße – zwischen dem ebenfalls recht jungen St.-Monika-Quartier auf dem Areal der gleichnamigen früheren Kirche und den zwei Neubauten von „Haus Adelheid“ – ensteht das „Woodstöckchen“. In vier Gebäudeblöcken zu je vier Etagen entstehen nach Plänen des Büros „Schultearchitekten“ insgesamt 84 Wohneinheiten zwischen einem und vier Zimmern Größe, und 65 Quadratmetern Fläche im Schnitt. Die große Besonderheit: Als Baumaterial für die Gebäude dient allergrößtenteils Holz; nur die Laubengänge, Treppenläufe, Balkone und Liftschächte werden aus Beton gefertigt. Dies macht das Projekt zum größten laufenden seiner Art in Köln. Zum Einsatz kommen Nadelhölzer wie Fichte, Douglasie und Tanne; die Entscheidung für den Werkstoff sei Ende 2022 endgültig gefallen, so die Geschäftsführerin.
„Woodstöckchen“ entsteht am früheren Sitz des Missionsordens Weiße Väter
Auf dem 5800 Quadratmeter großen Gelände befand sich früher das „Afrikanum“, der Sitz des Missionsordens „Weiße Väter“. Seit dem Umzug der letzten elf Ordensbrüder in eine Seniorenresidenz im Jahr 2021 stand das damalige, weitverzweigte Gebäude leer und wurde später abgebrochen. Der Rohbau für das „Woodstöckchen“, dessen Name aus einem Ideenwettbewerb der Beschäftigten resultierte, startete im Oktober 2025, die Holzbauarbeiten in diesem März. Im kommenden Jahr soll bereits alles fertig sein.

Blick auf eines der entstehenden Häuser des neuen Quartiers, und das Baustellenfest.
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Bei einem Baustellenfest mit rund 70 Gästen, darunter NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach und Stadtentwicklungsdezernent Andree Haack, stellte der Bauträger das Projekt nun vor und lud zu Besichtigungen ein. Holz als Rohstoff für den Wohnungsbau sei im Land stark im Kommen, und das sei gut so, gratulierte Scharrenbach. „NRW war in der Vergangenheit vielleicht kein Holzland wie Baden-Württemberg oder Bayern, aber es wird immer mehr dazu“, unterstrich sie. Der Marktanteil von Holz im Wohnungsbau habe 2025 bei immerhin 17,3 Prozent gelegen, ein Plus von 1,8 Punkten zum Vorjahr. „Und wir haben im Land viel davon.“ Durch Fortschritte in der Bearbeitung brenne Holz mittlerweile sogar schlechter als manch anderes Baumaterial. Hinzu komme, so Sett, dass die bei Holz geringeren Wandstärken rund sechs Prozent mehr Wohnraum auf gleicher Fläche ermöglichten; die Baukosten seien bislang identisch zu denen bei Beton.
Eine Besonderheit sind die Bäder, die extern in Modulbauweise produziert und fertig angeliefert werden, inklusive aller Armaturen und Anschlüsse. Außer den Gebäuden selbst entsteht zwischen dem zweiten und dritten Haus eine Tiefgarage mit 67 Plätzen; dank einer Änderung der Stellplatzsatzung konnte auf die zunächst geplante zweite verzichtet werden. Die übrigen zwei Innenhöfe werden Gärten, durch einen überdachten Gang, der zugleich als Fahrrad- und Mülltonnen-Abstellplatz dient, zur Ludwigsburger Straße abgetrennt. Für die Dächer sind Begrünung und Fotovoltaik vorgesehen, Carsharing sowie Bikesharing in Kooperation mit der KVB. Insgesamt investiert die Gesellschaft rund 27 Millionen Euro in das Projekt.
„Mit dem guten städtebaulichen Entwurf fing damals alles an. Herzlichen Glückwunsch für Ihren Mut in schwieriger Zeit“, beglückwünschte Haack den Träger in Bezug auf die gestiegenen Baukosten im Zuge des Ukraine-Kriegs und der allgemeinen Inflation. „Es ist Holzbau pur, der hier gelebt wird“, so Bauingenieurin Tanja Hauptstock. Mit den 1670 Tonnen vermiedener CO₂‑Emissionen könnten rechnerisch alle rund 250 Beschäftigten der Aachener SWG ein Jahr lang klimaneutral leben.
