Aus drei leerstehenden Ladenlokalen entstand Liebig257. Das Projekt belebt Bilderstöckchen-Süd weiter – bleibt aber eine Zwischennutzung.
Fünf Jahre Nachbarschaftsarbeit„Liebig257“ in Bilderstöckchen feiert fünfjähriges Bestehen

Fünf Jahre Einsatz fürs Veedel und ein Anlaufpunkt für die Nachbarschaft: Das Liebig257 feiert sein fünfjähriges Bestehen.
Copyright: Julia Storz
„Wir wollen die Leute in der Nachbarschaft ermutigen, sich für ihr Veedel zu engagieren“, betonen Jan Pehoviak und Julia Storz vom Verein Klug – Köln leben und gestalten, der das Nachbarschafts-Wohnzimmer „Liebig 257“ betreibt. „Hier gibt es Feste, unterschiedliche Gruppen aus der Nachbarschaft sowie aus ganz Köln, die die Räume nutzen.“ Etwa Eltern-Kind-Gruppen, Seniorinnen, die sich zum gemeinsamen Stricken treffen, den queeren Migrantenverein Sofra oder Konzerte unter anderem vom Verein „Start with a Friend“, Diskussionen und Lesungen von Mainstream bis zu Experimentellem, Nischenhaftem.
„Und unser Zentrum lebt ganz stark vom ehrenamtlichen Engagement“, ergänzt Storz. Diese machen Thekendienste im Café, betreuen die Fahrradwerkstatt oder stehen als Ansprechpersonen im Quartiersbüro zur Verfügung.
Liebig257 eröffnete im Sommer 2021
Im Sommer 2021 hatte das Liebig257 nach einer mehrmonatigen Renovierungs- und Aufbauphase erstmals geöffnet – nun wird es fünf Jahre alt. Es besteht aus drei vormals leerstehenden Ladenlokalen, die genau nebeneinander liegen: dem ehemaligen „China-Imbiss Berlin“ als größte einzelne Räumlichkeit, einem vorherigen Kiosk-Büdchen sowie einem Friseursalon.
Der Verein Klug legte um 2019 herum los und betrieb zuvor in den zur Zwischennutzung freigegebenen früheren Hallen eines Toyota-Autohauses an der Liebigstraße das „Wandelwerk“, ebenfalls ein Ort für Kultur, gemeinsames Arbeiten und Nachbarschaftspflege. „Das Wandelwerk war der Beginn unseres Engagements im Liebigquartier“, so Pehoviak. Inzwischen sind jene Gebäude abgebrochen, sie sollen einem Wohnungsbauprojekt Platz machen.
Dem Verein ist es wichtig, Freiräume zu schaffen. „Man kann, muss aber nicht konsumieren, und man kann ins Gespräch mit anderen kommen“, erläutert Storz. Dank des großen ehrenamtlichen Einsatzes ist das Veedelswohnzimmer inzwischen fünf Tage die Woche geöffnet – dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 12 bis 18 Uhr. Das Innere präsentiert sich im charmanten Patchwork-Stil aus gespendetem Mobiliar, einige Plätze gibt es auch draußen.
Ein Quartier im Wandel
Ein weiterer Anspruch des Vereins ist es, Stadt- und Veedelsentwicklung zu begleiten und selbst Impulse zu setzen. Ein übergroßes Luftbild-Modell des Liebigquartiers hängt im Quartiersbüro, dem Workshopraum des Liebig257 und dem ehemaligen Kiosk. Teils in Neuehrenfeld und teils in Bilderstöckchen gelegen, befindet es sich in einem rasanten Wandlungsprozess: 2023 startete das räumliche Entwicklungskonzept für das frühere Schlachthof-Areal, als weiteres Umnutzungsgelände kam 2025 mit dem Aus für den Campina-Molkereistandort hinzu, den kurz vor der Schließung der Müllermilch-Konzern übernahm. Dort gegenüber, auf dem kleineren ehemaligen Mobau-Baustoffhandel, baut die Bonava-Gruppe eine neue Siedlung.
„In Ehrenfeld gäbe es bei so großen Entwicklungen direkt eine Bürgerinitiative, die mitreden will“, schätzt Pehoviak ein. „Hier im Übergangsgebiet zwischen Ehrenfeld und Nippes fehlt das ein wenig.“ Dem Verein ginge es darum, dass das Quartier im Sinne der dort lebenden Menschen entwickelt werde, mit besserer Nahversorgung, mehr Grün und Infrastruktur für Kinder und Jugendliche. Auch beim „Blauen Abend“ im sehr nahen Nippes, sowie beim Tag des Guten Lebens 2023 und dem im Veedel organisierten Nachfolge-Format „Auf die Straße, Veedel, los“ war und ist man dabei.
In der Tat habe die bisherige Arbeit schon etwas in Bilderstöckchen-Süd und dem südlichen Neuehrenfeld bewirkt. „Bei uns ums Eck glauben wir, dass ein gutes Zusammenleben entstanden ist. Leute, die zuvor aneinander vorbeigelaufen sind, sprechen nun miteinander“, beobachteten die zwei. Nach wie vor ist das Projekt jedoch eine Zwischennutzung, mit der Vonovia als Immobilien-Eigentümer abgestimmt. „Wir können nun bis Ende 2028 bleiben. Im Gespräch ist jedoch, dass wir die Räume der Nathanaelkirche mitnutzen können.“
Wer selbst im Liebig257 mitarbeiten will, kann dienstags vorbeischauen, wenn die „Wohnzimmer-Koordinatorin“ vor Ort ist. Am Dienstag, 23. Juni, gibt es außerdem ab 17.30 Uhr einen großen Kennenlerntreff mit Infos über die Projekte und Mitmachmöglichkeiten und viel Raum für Ideen für das Quartier.
