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Es war einmal eine StraßeNiehler Kirchweg soll entsiegelt werden

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  1. Wo früher Autos fuhren, sind seit Jahren Radfahrer und Fußgänger unterwegs.
  2. Einstimmig wurde nun beschlossen das Teilstück des Niehler Kirchweges zu entwidmen
  3. Doch es gibt nicht nur Freude über den Beschluss.

Nippes – Das Stück des Niehler Kirchweges, das durch das Nippeser Tälchen führt, ist ein schönes Beispiel dafür, wie schnell man sich an Dinge gewöhnen kann. Inzwischen ist es kaum noch vorstellbar, dass die Straße einmal für motorisierte Fahrzeuge offenstand und auch rege genutzt wurde. 2014 hatte die Bezirksvertretung Nippes den Beschluss gefasst, die Straße für den motorisierten Verkehr zu sperren und an beiden Enden der Parkanlage abzupollern, da damals festgestellt worden war, dass laut dem Flächennutzungsplan hier nur ein Rad- und Fußweg vorgesehen sei. Seitdem ist das Nippeser Tälchen zu einem zusammenhängenden Naherholungsgebiet zusammengewachsen, dass sich gerade in der warmen Jahreszeit bei Familien, Hundehaltern und Freizeitsportlern steigender Beliebtheit erfreut – und vor allem: Niemand scheint die schnelle Verbindung von der Neusser Straße zum Altenberger Hof und dem nordwestlichen Teil von Nippes zu vermissen.

Fünf Jahre sind in der Zwischenzeit ins Land gestrichen, und in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Nippes zeigten sich deren Mitglieder geschlossen gewillt, den nächsten Schritt zu gehen: Einstimmig beschlossen sie einen gemeinsamen Antrag der Fraktionen SPD, CDU und Grüne, das Teilstück des Niehler Kirchweges zu entwidmen, um die Fahrbahn zu einem späteren Zeitpunkt entsiegeln zu können. „Die Entwicklung der letzten fünf Jahre hat uns gezeigt, dass der Asphalt entbehrlich ist“, so Bezirksbürgermeister Bernd Schößler. Mit der Entsiegelung solle zum einem eine zusammenhängende Grünfläche entwickelt werden, um die Aufenthaltsqualität weiter zu erhöhen und gleichzeitig ein Beitrag zur Verbesserung des Mikroklimas der Umgebung geleistet werden.

Seifenkistenrennen wären betroffen

Schößler war sich allerdings durchaus bewusst, dass die Entscheidung nicht nur Gewinner kennt. „Dass für das Seifenkistenrennen dann ein neuer Standort gefunden werden muss, ist uns natürlich bewusst“, sagte er in der Sitzung.

Seit 2014 ist die ehemalige Straße nach BV-Beschluss abgepollert und für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Schößler sprach vom „Smart Racing Cologne“-Rennen, das in den vergangenen fünf Jahren jeweils am ersten Juli-Wochenende stattgefunden hatte und das als Wertungsrennen für die NRW-Meisterschaft im Seifenkistenrennen dient. Organisiert wird es maßgeblich vom Verein Conaction, der das Rennen außerdem für seine Berufsorientierungsprojekte in Kölner Schulen nutzt und eigene Schülerteams an den Start schickt. „Wenn wir allerdings keinen Straßenbelag haben, können wir auch kein Rennen mehr machen, dann ist Nippes raus“, bestätigte Peter Franke von Conaction Schößlers Einschätzung. „Eine Schotterpiste ist für den Sport ungeeignet.“ Der Wegfall der Strecke wäre für den Verein in der Tat „sehr traurig“, denn diese bietet dem Rennen ideale Bedingungen. „Zum einen ist es nicht nötig, die Strecke für den Verkehr zu sperren – sie ist ja schon gesperrt – weshalb wir dort minimal-invasiv vorgehen konnten. Und der direkt angrenzende Festplatz eignet sich wunderbar dafür, dort die nötige Technik und die Ausrüstung der Teams unterzubringen.“

Eine alternative Strecke wäre wahrscheinlich nur außerhalb Kölns zu finden, denn „die Stadt ist ja sonst nicht so mit Bergen gesegnet.“ Dennoch möchte sich Franke aus einer politischen Diskussion heraushalten, denn auch die Argumente der anderen Seite kann er nachvollziehen. „Wir warten nun erst einmal die Entwicklung ab“, sagt er.

Geschichtliche Bedeutung des Niehler Kirchweg

Bedenken wurden jedoch auch noch aus anderer Richtung geäußert: Reinhold Kruse, der sich seit langem aus Leidenschaft mit der Geschichte von Nippes und der Umgebung auseinandersetzt, horchte auf, als er aus der Berichterstattung erfuhr, dass eine „zusammenhängende Grünfläche“ geschaffen werden solle. „Es wäre schade, wenn der Weg in diesem Teilbereich ganz verschwinden würde“, so Kruse. „Denn der Niehler Kirchweg hat für die Nippeser Geschichte eine besondere Bedeutung.“ Dieser sei bereits 1655 angelegt worden, nachdem eine dem heilige Quirinus geweihte Kapelle abgebrannt war, die den Bewohnern des Altenberger Hofes und zweier weiterer Großhöfe als Gebetsstätte gedient hatte. „Die nächstgelegene Pfarrkirche war Alt-St. Katharina in Niehl. Um nun sonntags bequem dort hinzugelangen, legten die Bewohner einen neuen Weg an und nannten ihn Niehler Kirchweg.“ Darum solle der Weg zumindest als Fußweg im Landschaftsbild des Nippeser Tälchens erhalten bleiben. Doch Bezirksbürgermeister Schößler bemühte sich, ihm die Sorgen zu nehmen. „Eine Entsiegelung heißt ja nicht, dass dort gar kein Weg lang gehen soll, sondern nur, dass der Asphalt entfernt und der trennende Charakter entfallen soll. Dort keinen Weg zu belassen, wäre auch aus meiner Sicht Unfug.“