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Militärring als MüllhaldeEntsorgung von Fleischabfällen in Longerich dauert länger

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04.08.2026 Köln. Die Grünfläche unweit von Lkw-Stellplätzen am Militärring auf Höhe der Herforder Straße wird als Müllhalde genutzt.

Aktuell liegt auch wieder Müll am Militärring.

Einem Hinweis auf Fleischabfälle im Grüngürtel in Longerich gehen die Behörden erst mit großer Verzögerung nach. Hauptgrund: Zuständig ist nicht die Stadt. 

Mitte Juli, bei drückender Hitze, trafen in der Redaktion per E-Mail Hilferufe aus Longerich ein: An der Militärringstraße, schon im Grüngürtel und unweit der Parkbucht für Busse, waren Anfang des Monats illegal Fleischabfälle abgeladen worden. „Diese vergammeln nun und verpesten unsere Luft. Aufgrund der Hitze ist Longerich komplett verpestet, und die Stadt Köln tut nichts dagegen“, schrieb eine Bewohnerin des Stadtteils. Ein Reservist der Bundeswehr, der derzeit im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr – Adresse: Militärringstraße 1000 – tätig ist, fürchtete gar, es könne sich um „menschliche Leichenteile“ handeln.

Bereich im Grünen wurde mit Flatterband abgesperrt

Diese Furcht erwies sich gottlob als unbegründet. Doch den Longerichern stand noch ein längerer Leidensmarsch durch die Institutionen bevor. Obgleich sowohl die Anwohnerin als auch der Reservist, die beide anonym bleiben möchten, nach eigener Darstellung sogleich Kontakt mit der Verwaltung aufnahmen – im zweiten Fall auf dem Dienstweg über den Kasernenfeldwebel. Mitarbeiter des Ordnungsamts, so die Frau aus Longerich, hätten sich danach am 4. Juli kurz vor Ort gezeigt und den Bereich der illegalen Deponie lediglich mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Weiter sei erst mal nichts passiert, bei anhaltender Hitze sei der Gestank zunehmend unerträglich geworden. Die Bewohner hatten zudem Angst, das vor sich hin gammelnde Fleisch könnte Ratten anziehen.

Das vergammelnde Fleisch im Karton

Das vergammelnde Fleisch im Karton

„Nach etlichen Anrufen beim Ordnungsamt, der Polizei, der AWB, dem Umweltamt und unter der 115“, so die Frau, habe sie sich am 14. Juli auch noch schriftlich an „alle möglichen Stellen“ gewandt, an die Stadtverwaltung, an wildermuell@awb und das Öffentlichkeitsportal der Stadt Köln „Sag's uns“ etwa. Am 16. Juli habe sich dann tatsächlich ein Mitarbeiter der AWB gemeldet und erklärt, dass sie wohl noch weitere fünf bis zehn Werktage warten müsse, „bis überhaupt jemand von der AWB sich ein Bild von der Lage mache.“ Danach werde man entscheiden, ob sich eine Spezialfirma um die Beseitigung des verrottenden Fleisches kümmern müsse. Es handelte sich schließlich nicht um einen Einzelfall. „Uns schwante schon Böses“, so die Frau.

Landesbetrieb Straßen NRW ist zuständig, nicht die AWB

Ebenfalls am 16. Juli hatte eine Reporterin des inzwischen eingeschalteten WDR allerdings mit einem anderen AWB-Mitarbeiter gesprochen. Dem war aufgefallen, dass die AWB an der Militärringstraße gar nicht zuständig ist, weil es sich um eine Landesstraße handelt. Folglich ist der Landesbetrieb Straßen NRW für die Ordnung entlang der Fahrbahn zuständig. „Ein bürokratischer Alptraum“, so die Frau.

Immerhin: Am 23. Juli wurden die Fleischabfälle eingesammelt und entsorgt. Torsten Gaber, Pressesprecher von Straßen.NRW, legt Wert auf die Feststellung, dass die AWB den Bürgerhinweis auf illegal abgeladenes Fleisch an der Militärringstraße erst am 17. Juli, einem Freitag, zugeleitet habe. Danach hätten Mitarbeiter des Landesbetriebs die Lage „umgehend vor Ort geprüft und ein Fachunternehmen beauftragt, die illegal abgeladenen Fleischabfälle fachgerecht zu entsorgen.“ Dabei seien auch Fleischabfälle an einer anderen Stelle der Militärringstraße entfernt worden, ein entsprechender Hinweis sei ebenfalls durch die AWB zugeleitet worden.

04.08.2026 Köln. Die Grünfläche unweit von Lkw-Stellplätzen am Militärring auf Höhe der Herforder Straße wird als Müllhalde genutzt.

Von diesem Parkstreifen auf dem Longericher Abschnitt des Millitärrings werden oft illegal Abfälle entsorgt.

Bislang, so Gaber, lägen aber keine Informationen darüber vor, wer das Fleisch Anfang Juli an der Militärringstraße deponiert hat. „Wild abgeladener Müll kommt an allen Bundes- oder Landesstraßen hin und wieder vor, was sich leider kaum unterbinden lässt. Der Militärring in Köln ist in der Vergangenheit kein Schwerpunkt für derartige Vorfälle gewesen.“ Die Frau aus Longerich allerdings hat ähnliche Vorfälle schon häufiger erlebt. Sie meint, dass „der Militärring als Müllhalde für Zulieferer bestimmter Supermärkte scheinbar als geeigneter Ablageort angesehen wird, da abgelaufene Artikel sonst kostenpflichtig entsorgt werden müssten“. Grund sei wohl die schwierige Überwachung des Grüngürtels.

Inzwischen erreichte die Redaktion auch die Mail eines Lesers, der sich „seit mehr als 40 Jahren“ über die „illegalen Müllberge auf dem Parkplatz am Lindweilerweg zwischen Lindweiler und Longerich“ ärgert. Die Stelle liegt ganz in der Nähe der nun beseitigten Fleischdeponie. Die AWB sollten rasch klären, wer da zuständig ist. Über eine künftig etwas fixere Weiterleitung der Bürgerhinweise würde man sich nicht nur in Longerich und Lindweiler sicher freuen.