Die Gaststätte mit mehr als 100 Jahren Geschichte hat seit Juli neue Inhaber. Nun hieß sie der Gesellschaftskreis im Veedel willkommen.
„Mauenheimer Wohnzimmer“Stab-Übergabe im Siegfriedhof in Mauenheim ist geglückt

Die neuen Besitzer Elmar Becker (l.) und Manuel Leuschen (r.) mit dem Vor-Inhaber Hans-Willy Strozynski.
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Nahezu jeder in der Nibelungensiedlung dürfte schöne Erinnerungen an Sommerabende im lauschigen Biergarten vor dem Haus, Vereinstreffen, Familienfeiern oder nette Stunden „einfach mal so“ bei Kölsch und Leckereien haben. Bereits seit dem Bezug der Siedlung nach dem Ersten Weltkrieg gehört der Siegfriedhof an der Neuen Kempener Straße 255–257/Ecke Nibelungenplatz, der zu Beginn „Gaststätte Knauf“ und später „Vereinslokal Donders“ hieß, zum Veedelsleben dazu.
Mehrere Vereine gründeten sich hier, darunter 1959 die KG Mauenheimer Muschele, 1921 die Turnerschaft Mauenheim oder die KG Löstige Neppesser vun 2002. „Früher waren hier rundherum Läden – eine Bäckerei, eine Metzgerei, ein Friseur, ein Schumacher und eine Drogerie“, erinnert sich der 88-jährige Wolfgang Brandenberg, der bereits als kleiner Junge Bier für seine Eltern im heutigen Siegfriedhof geholt hatte. „Wir haben hier einen der idyllischsten Biergärten in weitem Umkreis. Zum Glück blieb das Gebäude im Krieg verschont.“
Übergabe nach fast sieben Jahrzehnten im Familienbesitz
Nun hat ein neues Kapitel in der Geschichte der Gaststätte begonnen: Seit dem 1. Juli gibt es offiziell ein neues Inhaber-Duo aus Elmar Becker und Manuel Leuschen. Das frühere Betreiberpaar, Ingrid und Hans-Willi Strozynski, hat sich nach 54 Jahren im Siegfriedhof in den Ruhestand begeben. Seit 1959 befand sich das Lokal im Familienbesitz; die beiden hatten 1972, nach dem plötzlichen Tod von Hans-Willi Strozynskis Vater Willi, den Betrieb übernommen.
Zur offiziellen Verabschiedung, und zur Begrüßung des Nachfolger-Duos, trafen sich nun die Mitglieder des Gesellschaftskreises St. Quirinus an der Gaststätte. Dabei übergab Hans-Willi Strozynski symbolisch den Schlüssel, der aus der Requisite vom Bauern des Niehler Dreigestirns kommt, an Becker. „Vor anderthalb Jahren hatte ich ihn erstmals gefragt, ob er einen Nachfolger sucht, aber damals wollte er noch nicht“, so der neue 58-jährige Co-Inhaber, der an einem „Elften im Elften“ geboren wurde. „Irgendwann sagte er aber dann doch zu, und dann haben wir es gemacht.“ Sein erst 26-jähriger Mitinhaber ist ein echter kölscher Jung, und im Niehler Karneval aktiv, wo er bereits zweimal Prinz war – 2015/16 im kleinen, und 2024/25 im großen Dreigestirn.
Neue Tanzgruppe ergänzt Galerie der Vereine
„Wir sind sehr gut im Veedel aufgenommen worden“, so Becker. Die beiden haben die Karte behutsam modernisiert; unter anderem gibt es nun ein dreigängiges, wechselndes Sonntagsmenü für 19,90 Euro. Auch auf Instagram ist die Gaststätte jetzt vertreten. Das gutbürgerlich-kölsche Ambiente und die jahrzehntelange Vertrautheit, die den Siegfriedhof so auszeichnen, wollen sie aber erhalten – inklusive des Kaffee-Nachmittags für Senioren und dem Montag als Rievkooche-Tag. „Wir sind eben kein Schickimicki-Laden, sondern das Wohnzimmer des Veedels“, unterstreicht Leuschen.
Und die Liste der zahlreichen Vereine, die den Siegfriedhof nutzen, ist indessen um eine weitere Gruppe reicher: Die Tanzgruppe „Colonia Royal“, frisch im April dieses Jahres gegründet, hat das Lokal als Stammquartier bestimmt. Gemeinsam schraubte das Tanzpaar die Plakette an die Wand neben der Eingangstür. Die Gruppe mit 16 aktiven Mitgliedern sucht noch Verstärkung; trainiert wird zweimal die Woche in Bilderstöckchen. Auch Personen ohne Vorerfahrung sind willkommen.
