Seit 1925 verbindet der Niehler Hafen Köln per Schiff und Bahn mit dem In- und Ausland. Historiker Dr. Ulrich S. Soénius wirft einen Blick auf seine Geschichte. Am Wochenende gibt es ein großes Fest im Hafen.
Familienfest am WochenendeKölns größter Hafen feiert 100. Geburtstag

Blick auf den ältesten Teil des Niehler Hafens: Das Hafenbecken 1 war schon 1925 an die Eisenbahn angeschlossen. Rechts die Zentrale der Hafengesellschaft HGK.
Copyright: HGK/Stefan Schilling
Erstaunlich – obwohl Oberbürgermeister Konrad Adenauer den Bau des Niehler Hafens Anfang der 1920er-Jahre forcierte, fand im Gegensatz zu anderen Neubauprojekten der Zeit keine offizielle Eröffnungsfeier statt. Lag es daran, dass die Pläne lange vor seiner Dienstzeit entstanden? 1900 legte die Hafenverwaltung einen Kostenplan für einen neuen Hafen in Niehl vor. Aber erst am 5. Dezember 1912 beschloss der Stadtrat dessen Planung und Errichtung. Der neue Hafen sollte die bisherigen Umschlagplätze Rheinauhafen (1898) und Deutz (1907) ergänzen. Die hohen Kosten erschreckten einige Stadtverordnete, aber die erhofften Arbeitsplätze und Steuereinnahmen überzeugten ebenso wie die vorgesehene Modulbauweise. In anderen Städten wagten die Verantwortlichen mehr.

Löffelbagger und Lorenbahn beim Bau des Niehler Hafens 1922. Aus einem Fotoalbum von Carl Scholz.
Copyright: Historisches Archiv der Stadt Köln
Kölns damaliger Hafendirektor Georg Christophe empfand „einen gewissen Neid …, wenn der Schwierigkeiten gedacht wurde, die sich hier einer jeden Erweiterung entgegenstellen.“ 1913 erwarb die Stadt die ersten landwirtschaftlichen Flächen. Der Erste Weltkrieg unterbrach das Vorhaben, aber kurz danach nahm die Stadt die Erdarbeiten auf. 1920 beschlossen die Stadtverordneten die Änderung der Pläne und verlagerten den Hafen nach Süden. Der Baubeschluss für das nördliche Industriegelände und den Hafen kam dann 1922. Die Bagger rollten, und das Hafenbüro wurde errichtet, bald gesellten sich die ersten Unternehmen hinzu.
Erstes Wasser-Postflugzeug landete 1929 in Köln-Niehl
Im Sommer 1925 waren das erste Hafenbecken, ein Schiffswendeplatz und ein Teil des Stichkanals fertig, aber dennoch begann der Umschlagbetrieb. 1926 gab es Kritik bei den Stadtverordneten an der angeblich geringen Auslastung. Dabei betrug der Umschlag in Niehl bereits mehr als 50 Prozent der Häfen insgesamt, was vor allem auf die Steinkohle aus dem Aachener Revier zurückzuführen war. Dies blieb bis Anfang der 1960er-Jahre so, dann unterbot die Bahn den Schiffsumschlag mit Tarifsenkungen.

Beim Bau des ersten Hafenbeckens im Niehler Hafen war Muskelkraft gefragt. Aufnahme von 1923 aus einem Fotoalbum von Carl Scholz.
Copyright: Historisches Archiv der Stadt Köln
Aufmerksamkeit erlangte der Hafen am 19. September 1929 mit der Landung des ersten Wasser-Postflugzeugs „D 1717 New York“. Einen zusätzlichen Schub erhielt der Hafen durch die Ansiedlung der Ford-Werke ab 1931.
Infrastruktureinrichtungen erfordern Opfer, wie enteignete Grundstücke und wegfallende Landwirtschaftsfläche. Der Gastwirt Christian Kastenholz bat 1928 erfolglos um eine Entschädigung, weil der Bau des Hafens die Ausflügler verscheucht hätte und er seit drei Jahren keinen einzigen Backfisch, bis dahin eine Niehler Spezialität, verkauft habe.

Der Bau des ersten Hafenbeckens im Niehler Hafen nähert sich 1925 der Vollendung. Aus einem Fotoalbum von Carl Scholz.
Copyright: Historisches Archiv der Stadt Köln
Ende 1929 wandten sich Niehler Bürger an die Öffentlichkeit. Ihr Urteil über den Hafen war deutlich: „Wenn man ihn sehen will, muss man sich schon auf den Rhein hinausfahren lassen.“ Von der Landseite sähen sie nur einen zehn Meter hohen Kohlenberg, in Anspielung auf Adenauer im Volksmund „Konradsberg“ genannt. 1941/42 benutzte das Heer Hafenflächen für die Lagerung von „Wehrmachtsgut“. Wenig bekannt ist das Schicksal von dort eingesetzten Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen.
Ab 1952 wurde der Niehler Hafen ausgebaut
Bei Kriegsende waren vier von fünf Kränen betriebsbereit, so dass im Juni 1945 der Umschlag startete. Ab 1952 folgte der Ausbau, zunächst zögerlich, dann ab Ende der 1950er-Jahre intensiver. Geplant waren fünf Becken, aber auf eines verzichtete die Hafenverwaltung zugunsten von Lagerfläche.

Im August 1964 ist die Erweiterung des Niehler Hafens in vollem Gang. Hafenbecken 4 nähert sich der Vollendung.
Copyright: Historisches Archiv der Stadt Köln
Seit Herbst 1970 überwintern die Schiffe der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt AG im Becken 4a, wo eine zentrale Reparaturwerkstatt errichtet wurde. Insgesamt flossen von 1948 bis 1970 36 Millionen D-Mark an Investitionen in den Hafen Niehl I. Seit 1971 ist dieser Kraftwerksstandort, und mit der Entscheidung der Rheinenergie, hier bis 2027 eine Großwärmepumpe zu errichten, bleibt dies so.
1971 nahm auch die erste Containerbrücke ihren Betrieb im flächenmäßig größten Kölner Hafen auf. Der wachsende Bedarf an Containerumschlag führte in den 1980er-Jahren zur Planung eines Großhafens in Worringen. Vier Jahrzehnte wurde debattiert und beschlossen, erst den Bau von Worringen, dann die Erweiterung von Godorf, aber die dringend benötigte Fläche für die Container blieb ein Papiertiger.
Hafengesellschaft HGK wurde 1992 gegründet
Mit der Aufgabe des Rheinauhafens und dem Rückgang der Flächen in den Häfen Deutz und Mülheim bleiben die in Niehl und Godorf. 1985 beschloss der Rat die Eingliederung der städtischen Häfen in den Stadtwerke-Konzern, die mit der 1992 erfolgten Gründung der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) ihren Abschluss fand. Diese setzte mit dem Neubau ihrer Verwaltung am Hafenbecken I, der vor zwei Jahren bezogen wurde, ein deutliches Zeichen für den Niehler Hafen.
Die große Leistung der Häfen blieb lange im Verborgenen. Während der Rheinauhafen und Deutz sich inmitten der Stadt befanden, war vielen Menschen in der Region die Bedeutung des Niehler Hafens nicht klar. Durch die rheinseitige Nutzung der Landzunge als Erholungsfläche und die Brücke über der Hafeneinfahrt ist das Hafengeschäft sehr viel transparenter geworden. Seitdem verstehen mehr Menschen, dass ohne Logistik Wirtschaft nicht funktioniert.
Der Autor dieses Gastbeitrags, Dr. Ulrich S. Soénius, ist Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln.
Großes Hafenfest am 30./31. August
100 Jahre Niehler Hafen – 100 Jahre Eisenbahngeschichte. Unter diesem Motto findet am kommenden Wochenende, 30./31. August, ein großes Fest im Hafen statt. Dabei kommen vor allem große und kleine Eisenbahnfans auf ihre Kosten.
Eisenbahnvereine aus Köln und Umgebung präsentieren an beiden Tagen von 11 bis 18 Uhr historische Züge und Fahrzeuge wie den ET 57 Strahltriebwagen, Rheingoldwagen und vieles mehr. Zudem gibt es eine Bilderausstellung zur Hafengeschichte und Rundfahrten durch den Hafen mit einem historischen Sonderzug. Treffpunkt ist am Lagerhauskai an Hafenbecken 1. Ein Bus-Shuttle verkehrt ab der KVB-Haltestelle Slabystraße. Kindereisenbahn, Hüpfburg, Grill, Getränke, Kaffee, Kuchen und Eis runden das Programm ab. Weitere Informationen unter www.kbef-ev.de