Die Notunterkunft am St.-Vinzenz-Hospital schließt Ende Juni. Stadt und Träger-Orden wurden sich nicht über eine Fortführung einig.
Kölner Frauenwohnheim„Haus Rosalie Rendu“ in Nippes schließt nach 28 Jahren

Das Haus Rosalie Rendu. Das Wohnheim für Frauen schließt zum 30. Juni.
Copyright: Bernd Schöneck
In einer kleinen, aber nichtsdestotrotz wichtigen und etablierten Hilfseinrichtung gehen die Lichter aus: Etwas verborgen auf dem Klinik- und Wohnheim-Campus des St.-Vinzenz-Krankenhauses liegt das „Haus Rosalie Rendu“ mit zehn Plätzen, das Frauen in akuten Notlagen eine Unterkunft bot – etwa Wohnungslosigkeit oder in einzelnen Fällen auch Flucht vor häuslicher Gewalt. Der Hausträger, der Vinzentinerinnen-Orden, schließt das Haus zum 30. dieses Monats; bis zum 31. Juli wird die Einrichtung abgewickelt.
Die Unterkunft an der Gocher Straße 45, im Innenhof von Gocher Straße, Weseler Straße und Merheimer Straße gelegen und mit einem hohen Metalltor vom Zugang von der Straße her abgeschottet, wirkte eher im Verborgenen: Längst nicht jeder in Nippes dürfte überhaupt von der Existenz der Einrichtung gewusst haben. Benannt ist sie nach einer 2003 selig gesprochenen französischen Ordensschwester, die im Paris des 19. Jahrhunderts wirkte und sich rund 50 Jahre lang intensiv für Kinder, Arme und Kranke einsetzte.
Rückzug aus Altersgründen
„Bereits seit geraumer Zeit war absehbar, dass die Vinzentinerinnen das Angebot in seiner bisherigen Form nicht dauerhaft würden fortführen können“, erläutert Einrichtungsleiterin Silke Mehre. „Über viele Jahre hinweg haben die Ordensschwestern, teilweise bis ins hohe Alter hinein, einen wesentlichen Teil der Betreuung, Begleitung und Versorgung der Bewohnerinnen persönlich übernommen und damit den besonderen Charakter des Hauses geprägt.“ Ende April entschloss man sich nach langer Überlegenszeit, den Betrieb des Hauses einzustellen, dem immer weiter fortgeschrittenen Alter der Schwestern geschuldet.
In den vergangenen Monaten hatte der Orden zugleich überlegt, wie es unter neuer Leitung weitergehen könnte. Hierzu liefen Gespräche mit der Stadt. So war etwa der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), der von seiner Ausrichtung her um Angebot passen würde, als Nachfolger im Gespräch. „Aus Sicht der Vinzentinerinnen wäre hierfür die gemeinsame Entwicklung eines langfristig tragfähigen fachlichen, organisatorischen und finanziellen Rahmens erforderlich gewesen“, so Mehre. Eine Lösung sei leider jedoch nicht zustande gekommen. „Wir bedauern dies sehr, da wir eine Fortführung des Angebots für die betroffenen Frauen ausdrücklich begrüßt hätten.“
Stadt-Pressesprecherin Katja Reuter bestätigt die Gespräche. Bei der Entscheidung habe auch der Zustand der Immobilie eine Rolle gespielt. „Bezüglich des Konzepts, welches fachliche Grundlage für die zeitgemäße, zielgruppenspezifische Versorgung und Unterbringung ist, konnte keine Einigung zur Umsetzung gefunden werden. Zudem weist der Angebotsort wesentliche bauliche Mängel auf, die dem heutigen Standard von Unterbringungsangeboten nicht entsprechen.“
Nachfolgelösung für alle Bewohnerinnen soll her
Wie sowohl Vinzentinerinnen als auch Stadt versichern, sei für einen Großteil der Bewohnerinnen bereits eine Alternativlösung in Sicht. „Die verbleibenden bislang noch nicht versorgten drei Frauen werden in unseren Regelangeboten entsprechend ihrer Bedarfe versorgt“, so Reuter.
Grundsätzlich seien Einrichtungen wie diese immens wichtig, was auch die hohe Auslastung des Hauses Rosalie Rendu über die Jahre zeige, hebt Mehre hervor. „Die Suche nach geeignetem und bezahlbarem Wohnraum stellt insbesondere für Frauen mit Unterstützungsbedarf eine erhebliche Herausforderung dar. Dies gilt auch dann, wenn die Voraussetzungen für öffentlich geförderten Wohnraum vorliegen. Die begrenzte Verfügbarkeit geeigneter Wohnungen erschwert vielerorts eine zeitnahe Vermittlung.“ Der Anspruch sei es, allen Bewohnerinnen eine Perspektive zu bieten.