Sechs einstige Gutshöfe im Nordwesten von Nippes sind der Ursprung des Stadtteils. Peter Heimerzheim erzählt ihre spannende Geschichte.
Nippes-HistorieAutor erforscht Geschichte der Mauenheimer Höfe

Der historische Neuerhof ist erhalten und dient als Wohngebäude.
Copyright: Bernd Schöneck
Seine Beschäftigung mit den historischen Mauenheimer Höfen, auf dem heutigen Stadtteilgebiet von Nippes, förderte ein spannendes Stück Siedlungsgeschichte über die Jahrhunderte zutage. „Es ist die Geschichte der Nippeser Landbevölkerung“, sagt der Autor Peter Heimerzheim, Mitstreiter beim Nippeser Stadtteilarchiv. „Damals im Mittelalter konnten nur die Wenigsten lesen, in der Regel die Kirchenleute.“
Sechs Hofgüter auf sechs Hektar Fläche – sowie Ackerland auf dem Gebiet von Nippes, dem jetzigen Mauenheim und Bilderstöckchen – machten die Mauenheimer Höfe aus, die jedoch nicht alle gleichzeitig bestanden. „Zu Hoch-Zeiten Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts waren es vier parallel.“ Der weitaus älteste der Höfe war, ab ungefähr 800, der Fronhof an der heutigen Mauenheimer Straße, in etwa dort, wo nun eine etwas rückversetzte Stadtvilla steht. Er brannte 1790 ab, genau wie der etwas nördlich davon stehende Johanniterhof, der ab dem 13. Jahrhundert überliefert war.

Peter Heimerzheim mit seinem Buch, vor dem Eingang des Stadtteilarchivs im Bürgerzentrum Altenberger Hof.
Copyright: Bernd Schöneck
Zwei Hofgebäude bestehen bis heute
Der Contzenhof, an der heutigen Merheimer Straße, bestand bis zum Verkauf ans Ursulinenstift im Jahr 1924. Heute gehört das Areal zum St.-Vinzenz-Klinikgelände gegenüber dem Hauptportal. Der ab Ende des 18. Jahrhunderts bestehende Hundgeburthof, in etwa am heutigen als Boule-Spielstätte bekannten Heinrich-Pachl-Platz, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Bis heute bestehen der 1884 errichtete Neuerhof an der Mauenheimer Straße 75, der zu Wohnzwecken dient – sowie natürlich der Altenberger Hof, seit genau 30 Jahren Hauptsitz des Bürgerzentrums Nippes. Das historische Mauenheim ist damit wesentlich älter als das 1549 erstmals urkundlich erwähnte Nippes, das jedoch später mit Mauenheim zusammenwuchs und den Ortsnamen zum Verschwinden brachte. Erst nach dem Ersten Weltkrieg, beim Bau des neuen Veedels, nahm man hierfür den alten Namen Mauenheim wieder auf.
Vor vier Jahren, unmittelbar nach Veröffentlichung seiner Veedelschronik „Nippes – (fast) 2000 Jahre“, hatte Heimerzheim die Arbeiten zum jetzigen Buch begonnen. Die Recherche führte ihn unter anderem ins Stadt- und das Erzbischöfliche Archiv, die KI half beim Übersetzen lateinischer und sogar mittelhochdeutscher Texte. Die Höfe hätten unter dem Klimawandel gelitten, der nach dem Wärme-Optimum um 1200 und 1300, verbunden mit reichen Ernten, in Gestalt der „Kleinen Eiszeit“ ab dem ausgehenden Mittelalter immer stärker hervortrat, und sowohl Verpächtern als auch Pächtern das Leben schwer machte.
Eine große Rolle im Werk spielen die Gutsbesitzer-Familien Contzen und Frenger. „In den 1950er-Jahren haben die Contzens quasi ganz Bilderstöckchen an Köln verkauft“, so Heimerzheim. Die landwirtschaftliche Ära endete genau vor 70 Jahren, nämlich 1956, mit der endgültigen Einstellung des Betriebs von Clara und Josef Contzen. Heimerzheim wünscht sich einen Gedenkort für sie, etwa am Bouleplatz. „Meine Idee wäre, eine Tafel aufzustellen, die an die Contzens erinnert. Sie haben viel für Nippes getan.“
Das Buch „Mauenheimer Höfe“ erscheint am Montag, 28. September. 212 Seiten, 17 Euro, in allen Nippeser Buchläden oder über das Stadtteilarchiv erhältlich.
Im Rahmen der Geburtstagsfeier des Bürgerzentrums Altenberger Hof am Sonntag, 27. September, stellt Heimerzheim von 14 bis 18 Uhr sein Buch vor dem Eingang zum Archiv vor. Um 15 und 16.30 Uhr lädt er zu Führungen zu den Standorten der Höfe ein.
