„Er wurde ermordet, weil er Jude war“Denkmal für Architekten Manfred Faber in Riehl aufgestellt

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Die Skulptur "Wartende Säule" in Gedenken an Manfred Faber.

Die Skulptur „Wartende Säule“ in Gedenken an Manfred Faber.

Bei einer Platzfeier wurde das Denkmal für Manfred Faber, den 1944 ermordeten Architekten der Riehler Naumann-Siedlung, eröffnet. Über Jahrzehnte war er in Vergessenheit geraten.

„Der Stift wirkt wie abgelegt, als wenn der Architekt seine Arbeit nur kurz unterbrochen hätte – ein Kontrast zu der Endgültigkeit seiner Ermordung.“ Als Ehrengast bei der Eröffnung seiner Skulptur schilderte der Künstler David Semper nochmals seine Idee für das Denkmal für Manfred Faber, den Architekten der Naumann-Siedlung. Mit dieser hatte er sich im Wettbewerb gegen acht weitere Entwürfe durchgesetzt. Bei der Platzfeier mit rund 200 Gästen wurde die „Wartende Säule“, so der Titel des Werkes, nun offiziell eröffnet. Neben dem riesigen Stift und dem Block weist eine Metalltafel im Boden auf den Hintergrund des Denkmals hin. 

Im Mai 2021 hatte die Bezirksvertretung Nippes beschlossen, den zuvor recht schmucklosen und zugeparkten Platz zu verschönern. Auch das Denkmal für Faber, wegen seiner jüdischen Wurzeln 1944 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet, war Teil des Beschlusses. Der Platz erhält außerdem unter anderem Bänke, eine Boulebahn, einen Bücherschrank und einen neuen Bodenbelag. Bereits seit zwei Jahren ist er von Pkw freigestellt.

In der Nachkriegszeit der Verdrängung anheim gefallen

Die Naumann-Siedlung, in den 1920er-Jahren erbaut, ist noch heute ein Schmuckstück. Große Innenhöfe, eine rot-weiße Fassade, die Torbögen und kleine Wege durch das Areal kennzeichnen die Siedlung, die in den vergangenen Jahren durch die Eigentümer-Firma GAG saniert wurde. Faber, der mehrere spektakuläre Projekte entwarf – unter anderem die Märchensiedlung in Holweide und Dellbrück –, war nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geraten. Planmäßig, wie viele vermuten: Die Gesellschaft wollte sich der traurigen Geschichte nicht stellen; selbst ein Foto von ihm zu finden, war äußerst mühevoll.

„Wir wollen einen lebendigen Ort der Erinnerung, und zugleich einen Erinnerungsort des Lebens schaffen“, erläuterte die Nippeser Bezirksbürgermeisterin Diana Siebert. Die Aufstellung sei ein „Zielpunkt großer Anstrengungen“, blickte Bürgeramtsleiter Ralf Mayer auf die Vorarbeiten zurück. „Manfred Faber wurde ermordet, weil er Jude war“, so Rafi Rothenberg, Vorsitzender der Jüdisch-Liberalen Gemeinde. „Doch er hat sich nicht hauptsächlich als Jude definiert, sondern als Architekt, als Künstler, als Mensch.“ Und verantwortlich für seinen Tod sei ein Regime gewesen, das zunächst in demokratischen Wahlen an die Macht gekommen sei. „Und das ist gerade in der heutigen Zeit eine Mahnung. Demokratie muss erstritten werden, jeden Tag. Sie ist nicht selbstverständlich.“

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