Weil die Waschbetonbrüstungen unsicher sind, werden sie für viel Geld ausgetauscht. Ob der 147-Meter-Turm danach ein Denkmal bleibt, ist offen.
„Unendliche Geschichte“Balkon-Austausch an Kölns höchstem Wohn-Hochhaus könnte Denkmalschutz gefährden

Der im Volksmund häufig als Axa-Hochhaus bezeichnete Wohnturm am Rheinufer.
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Der millionenschwere Austausch der Balkone am einst höchsten Wohnhaus Deutschlands am Kölner Rheinufer hat nach Jahren voller Diskussionen und Verzögerungen im Juli begonnen. Die sogenannten Mastkletterbühnen am Colonia-Hochhaus sind von außen gut zu sehen, die Bauarbeiten beginnen in den oberen Etagen und setzen sich nach unten fort.
Bis 2029 sollen alle alten Balkonbrüstungen aus Waschbeton an dem 147 Meter hohen Hochhaus zwischen Zoo- und Mülheimer Brücke ausgetauscht sein. Weil das Gebäude in Riehl mal der Axa-Versicherung gehörte und der Schriftzug an der Gebäudespitze zu sehen ist, nennen es viele Axa-Hochhaus.

So sehen die neuen Brüstungen aus.
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In Köln ist nur der Köln-Turm, das Bürohochhaus im Mediapark, mit 148,50 Metern etwas höher, wenn man Kirchtürme oder Sendemasten nicht einrechnet. Würde man alle Balkonbrüstungen aneinanderreihen, wären sie laut Michael Petr, Geschäftsführer der zuständigen WEG-Hausverwaltung, fünf Kilometer lang.
Ob das Colonia-Haus nach dem Austausch der Waschbetonbrüstungen gegen bedruckte Glasbrüstungen weiter unter Denkmalschutz steht, entscheidet sich erst nach der Fertigstellung. Das ist relevant, weil Eigentümer von Denkmälern Sanierungskosten erhöht abschreiben können.
Stadtkonservator kündigt Prüfung an
Der zuständige Stadtkonservator Thomas Werner hatte angekündigt: „Inwieweit das charakteristische Erscheinungsbild des Hochhauses nach der Sanierung noch erhalten ist, können wir erst nach Fertigstellung der Arbeiten fachlich beurteilen. Sollte dies nicht der Fall sein, ist das Denkmal untergegangen und muss aus der Denkmalliste ausgetragen werden.“ Laut seiner Aussage wäre das ein herber Verlust, weil das Hochhaus das Kölner Stadtbild und das nördliche Rheinpanorama bereichert.

Ein Bild von der Baustelle
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Es geht bei dem Austausch um viel Geld für die Eigentümer der 352 Wohnungen, in denen rund 1000 Menschen leben: Der Austausch wird laut Petr etwas teurer werden als die zunächst angenommenen 26,7 Millionen Euro. Petr nannte keine Summe, begründete den Anstieg aber mit dem Tausch der Baulogistikfirma und der dadurch entstandenen Verzögerung. Die beiden großen Baukräne auf dem Dach stehen dort seit 2023, der Austausch der Balkone sollte viel früher starten (wir berichteten).
Zuletzt hatte Petr mit Kosten von 950 Euro je Quadratmeter gerechnet. Da die Ein- bis Vierzimmer-Wohnungen zwischen 35 und 118 Quadratmeter groß sind, müssen Eigentümer zwischen 33.250 und 112.100 Euro zahlen – sofern sie nicht mehrere Wohnungen besitzen. In 60 Prozent der Wohnungen leben die Eigentümer, 40 Prozent sind vermietet. Die Eigentümer zahlen seit Jahren in eine Umlage für das Vorhaben ein.
Hört man sich vor Ort um, sagt ein Eigentümer, der anonym bleiben möchte: „Ich bin froh, dass es endlich losgeht. Ich glaube, dass es wunderschön wird.“ Seiner Aussage nach hat er die Wohnung vor zwei Jahren gekauft, die Umlage für den Balkontausch übernommen.
In der Vergangenheit hatte ein langjähriger Bewohner dieser Zeitung zum immer wieder verschobenen Start gesagt: „Wäre das früher passiert, wäre es deutlich günstiger gewesen. Es war ein ziemliches Hin und Her.“ Und eine langjährige Bewohnerin hatte schon 2019 gesagt: „Das ist eine unendliche Geschichte und hätte längst gemacht werden müssen. Es wird doch immer teurer.“ Damals war noch die Rede von 20 Millionen Euro.
Wie mehrfach berichtet, hatten schon zwölf Jahre nach der Fertigstellung im Jahr 1973 die ersten Bewohner ihre Balkone mit Zugklammern gesichert. Beim Bau hatten die Planer die Windstärke unterschätzt: Wasser und Sauerstoff drangen in die entstehende Fuge ein und zerstörten die Verankerung, kleinere Brocken fielen in die Tiefe, es brauchte auch Sicherheitsnetze. Über Jahre tüftelten die Eigentümer und die Hausverwaltung an einer Lösung, wie alle Balkonbrüstungen ausgetauscht werden könnten.
Am 21. Januar 2013 schrieb diese Zeitung: „Balkonstreit entzweit die Hochhaus-Bewohner.“ Viele befürchteten angesichts der damals geschätzten Kosten von insgesamt 17 Millionen Euro, sich die Balkonsanierung nicht leisten zu können. Zwei Jahre später verkomplizierte eine Entscheidung der Stadt das Problem: Sie stellte das Hochhaus unter Denkmalschutz. Das galt es fortan ebenfalls zu beachten.
Am Ende entschieden sich die Eigentümer in Absprache mit Stadtkonservator Thomas Werner für eine Lösung mit bedrucktem Glas. In Verkaufsanzeigen für Wohnungen war die Rede davon, „die bestehende Beton-Balkonbrüstung durch eine Leichtbaukonstruktion mit eingespanntem Glas zu ersetzen“.
Die Lösung soll die Windkräfte besser verteilen. Optisch handelt es sich um bedrucktes Glas, dessen Aussehen dem bisher verwendeten Waschbeton nahekommen soll. Eine Mieterin, die anonym bleiben möchte, sagt: „Ich halte das neue Aussehen für okay und würde mir wünschen, dass der Denkmalschutz bleibt.“
Für die Bewohnerinnen und Bewohner bedeuten die Arbeiten: Ihre Fenster sind abgedeckt, Fliesen werden ausgetauscht, Malerarbeiten durchgeführt. Und die Arbeiter sägen die Balkonbrüstungen ab, bringen die neuen Exemplare an. Auf der Ostseite laufen die Arbeiten, im Westen beginnen sie im Oktober. Ein Testlauf hatte im Mai und Juni stattgefunden.