Im Deutschen Sport & Olympia Museum erlebt die Region die Olympia-Niederlage gegen München. Die Enttäuschung in Köln ist groß.
Olympia-Enttäuschung in KölnEine Niederlage, die verbinden soll

Mona Neubaur (4.v.l.) drückt die Daumen bei der offiziellen Bekanntgabe.
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Es ist 14.42 Uhr, als die Entscheidung fällt – noch bevor sie offiziell verkündet ist. DOSB-Präsident Thomas Weikert öffnet in Baden-Baden den Umschlag, zieht das Blatt heraus und hält es in Richtung der Fernsehkameras. Ein kurzer Blick genügt. Der Name des Siegers ist zu erkennen: München.
Watchparty zieht Hunderte an
Im Deutschen Sport & Olympia Museum im Kölner Rheinauhafen kippt die Stimmung. Die Menschen, die seit dem späten Vormittag auf diesen Moment gewartet haben, sehen das Ergebnis Sekunden vor der offiziellen Bekanntgabe. Einige starren auf die Leinwand, andere auf ihre Handys. Aus der gespannten Erwartung wird Entsetzen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verkündet wenig später, was viele im Raum bereits wissen: München wird Deutschland im weiteren Bewerbungsverfahren um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 vertreten.
Dabei hatte sich die Watchparty langsam aufgebaut. Menschen holen sich Getränke und Essen, suchen Plätze mit guter Sicht, begrüßen Bekannte. Kölner Prominenz ist gekommen, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Sport, dazu viele Interessierte. Das Museum soll an diesem Nachmittag zum Ort eines gemeinsamen Jubels werden. Stattdessen wird es zum Schauplatz einer gemeinsamen Niederlage.
Mona Neubaur steht nach der Verkündung zwischen Enttäuschung und Trotz. „Nordrhein-Westfalen hat gemeinsam einen richtig, richtig harten Wettbewerb bis zur letzten Sekunde angenommen“, sagt die stellvertretende Ministerpräsidentin von NRW. Auf das Konzept könne die Region stolz sein. Es habe Kommunen, Vereine und Sportverbände verbunden. Dann richtet Neubaur den Blick auf das, was bleiben soll. „Die Zusage, die Strukturen für den Sport in Nordrhein-Westfalen zu modernisieren, bleibt“, sagt sie. Sportstätten und Schwimmbäder müssten weiter saniert, Vereine und Trainer unterstützt werden. Auch die Idee eines Olympischen Dorfes im Kölner Norden sei nicht automatisch erledigt.
Voigtsberger lobt Zusammenarbeit
Vor allem die jüngeren Menschen hätten gezeigt, dass sie Lust auf dieses Projekt gehabt hätten, sagt Neubaur. „Wir haben Bock drauf. International, weltoffen, Sport, Competition.“ Diese Energie dürfe nun nicht verloren gehen. Die Bürgermeisterinnen und Oberbürgermeister müssten gemeinsam weitermachen – möglichst in dem Tempo, das die Region auch mit Olympia eingeschlagen hätte.
Robert Voigtsberger, Beigeordneter des Kölner Dezernats für Bildung, Jugend und Sport, spricht von zwei Gefühlen, die an diesem Nachmittag nebeneinanderstehen: Enttäuschung und Dankbarkeit. „Dieses Netzwerk aus 15 Städten, das hat ja vorher auch nicht existiert“, sagt er.
„Stronger together“
Die Bewerbung habe Kommunen, das Land NRW, Ehrenamtliche, Sportlerinnen und Sportler sowie Bürgerinnen und Bürger zusammengebracht. Eigene Interessen seien zurückgestellt worden. Olympia sei dabei immer auch als Katalysator für Projekte verstanden worden, die ohnehin notwendig seien. „Wir haben auf bestehenden Strukturen aufgebaut“, sagt Voigtsberger. Daran müsse nun weitergearbeitet werden.
Voigtsberger gratuliert München dennoch. „Für uns war, ist und bleibt klar, dass es darum geht, Olympische und Paralympische Spiele nach Deutschland zu holen.“ Sein Motto für die nächste Phase: „Stronger together.“
„Ich bin unfassbar traurig“
Auch Stefan Löcher, Manager der Lanxess-Arena, findet an diesem Nachmittag nur schwer Worte für seine Enttäuschung. Die Bewerbung habe als Außenseiter aufgeholt und sei mit viel Herz für den Sport vorgetragen worden. „Ich bin unfassbar traurig“, sagt Löcher. Doch auch er will nicht bei der Niederlage stehen bleiben. „Wir sollten diese Netzwerke aufrechterhalten und jetzt nach vorne schauen.“ München gönne er den Erfolg. Deutschland solle nun gemeinsam dafür kämpfen, den Zuschlag für Olympia zu bekommen. Die Region habe schließlich auch ohne Spiele genügend sportliche Aufgaben vor sich: die Handball-Weltmeisterschaft in der Lanxess-Arena, weitere Großereignisse, weitere gemeinsame Projekte.
Im Museum verblassen die Bilder des Nachmittags jedoch schnell, die Veranstaltungsfläche leert sich schnell, ein kleines Kind weint: der Umschlag, der zu früh gezeigte Name, der Moment, in dem aus Hoffnung Gewissheit wird. München hat gewonnen. Köln-Rhein-Ruhr hat die nationale Auswahl verloren. Was bleibt, sind die Gespräche im Anschluss – und ein Netzwerk, das es vor der Bewerbung in dieser Form nicht gegeben hat. Der Olympia-Traum der Region ist geplatzt. Die gemeinsame Arbeit soll damit aber nicht enden.

