Nach dem Rückzug von Berlin konkurrieren nur noch Köln-Rhein-Ruhr und München darum, deutscher Olympiabewerber zu werden.
Olympia-EntscheidungOB Torsten Burmester lobt Kölner Bewerbung als „innovativ und modern“

Der Schriftzug „JA“ mit dem Kölner Dom im Hintergrund. Am Samstag fällt die Entscheidung, ob Köln-Rhein-Ruhr deutscher Olympia-Bewerber wird.
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Im NRW-Olympiateam freute man sich am Mittwoch noch darüber, vom Außenseiter zum klaren Mitfavoriten aufgestiegen zu sein, als aus dem Dreikampf um Olympia ein Duell wurde. Berlin werde seine Bewerbung zurückziehen, hieß es am Nachmittag. Chancen waren der Hauptstadt ohnehin kaum noch zugerechnet worden. Somit entscheidet sich am Samstag in Baden-Baden zwischen Köln-Rhein-Ruhr und München, wer deutscher Kandidat für die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele für 2036, 2040 oder 2044 wird. Hamburg war nach einem negativen Bürgervotum ebenfalls vorzeitig aus dem Bewerbungsprozess ausgeschieden.
In der am Dienstag vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) veröffentlichten Konzept-Bewertung liegt Köln mit 85 von 100 Punkten ganz nah an München (87). Die Chance für NRW scheint groß wie nie, aber das Abstimmungsverhalten der wahlberechtigten DOSB-Mitglieder am Samstag ist noch völlig offen. Die Bewertung des DOSB ist nicht bindend, sie gilt lediglich als Entscheidungshilfe.
Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sagte am Mittwoch: „Wenn andere Bewerbungen eine Gelinggarantie sein mögen, weil sie auf Bewährtem und bekannten Konzepten aufbauen, ist Köln-Rhein-Ruhr das innovative und moderne Zukunftsversprechen überhaupt. Es ist eine Bewerbung, hinter der sich alle versammeln können und mit der wir Erfolge über den Sport hinaus feiern werden.“
Köln-Rhein-Ruhr wählt Rostock-Warnemünde als Segelstandort
Köln-Rhein-Ruhr machte am Mittwoch auch endlich seinen Segelstandort bekannt – Rostock-Warnemünde. Damit steht fest: Das Duell der beiden Konzepte aus NRW und Bayern ist nicht nur ein Duell der Millionenstädte Köln und München, sondern auch ein Duell der Regionen West/Ost und Süd/Nord. Die Münchner haben sich für Kiel als Segelstandort entschieden. Köln-Rhein-Ruhr bindet neben Rostock-Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern für das Segeln auch Markkleeberg in Sachsen als Standort für Kanuslalom ein. „Das sind Spiele für ganz Deutschland“, sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU): „Wir bringen das ganze Land zusammen.“
Am Samstag gilt es auf dem Weg zur absoluten Mehrheit bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung vor allem, die 42 olympischen Fachverbände zu überzeugen. Sie haben jeweils drei Stimmen, die im Block abgegeben werden müssen – macht 126 von maximal 144 Stimmen. Dazu kommen die zehn Mitglieder des DOSB-Präsidiums und acht persönliche Mitglieder. Dieser Kreis an Abstimmungsberechtigten entspreche der Satzung des Verbandes, argumentiert der DOSB.
NRW-Konzept in vier von sieben DOSB-Kategorien vorn
Kritik gab es dennoch: Einerseits, weil so auch die olympischen Wintersportverbände über den Kandidaten für Sommerspiele abstimmen. Andererseits, weil 61 der 103 DOSB-Mitgliedsorganisationen nicht stimmberechtigt sind. Kurioserweise darf demnach auch der Deutsche Behindertensportverband (DBS) nicht mit darüber abstimmen, welche deutsche Stadt Ausrichter der Olympischen und ja auch Paralympischen Spiele werden soll.

Köln liegt bei der Bewertung der Olympia-Konzepte durch den DOSB in vier von sieben Kategorien vorn. Insgesamt wird München leicht besser bewertet.
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Ein genauerer Blick in die Bewertung der drei Konzepte durch den DOSB zeigt: Köln-Rhein-Ruhr liegt in vier der sieben Kategorien vorn, München in zwei. Im Olympischen Dorf in Köln könnten die meisten Athleten untergebracht werden, die Region hat aus der Sicht des Sports betrachtet die größte internationale Strahlkraft (ausgerichtete Sportgroßveranstaltungen in den letzten 20 Jahren), das größte Eventpotenzial und die größte politische Unterstützung. München liegt bei den Reisezeiten vom Dorf zu den Sportstätten und beim Punkt „Stabilität“ (100 Punkte) vorn. Dieser leitet sich aus den Ergebnissen der Bürgerbefragungen ab, da gab es in München 66,4 Prozent Ja-Stimmen und in Köln 66 Prozent.
Sportverbände bewerten Köln oft schlechter als der DOSB
Was auffällt: Es gibt nur zweimal 100 Punkte, obwohl das der Maximalwert für das im jeweiligen Bereich beste Konzept ist. Das liegt daran, dass nur bei Stabilität und internationaler Strahlkraft allein die Bewertung des DOSB zählt. In allen anderen Bereichen fließt zusätzlich mit einem unterschiedlich hohen Prozentsatz eine Bewertung der olympischen Sportfachverbände ein. Und hier zeigt sich, dass diese Köln-Rhein-Ruhr oft schlechter bewertet haben als der DOSB.
Beim Eventpotenzial etwa, das auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) besonders interessieren dürfte, bekommt Köln-Rhein-Ruhr für sein Ticketpotenzial (17,6 Millionen Tickets) und für die potenziellen Tageszuschauer (79,8 Millionen Menschen im Umkreis von 300 Kilometern um das Olympische Dorf) die volle Punktzahl. München liegt mit 15,3 Millionen möglichen Tickets und 46,8 Millionen Menschen im entsprechenden Umkreis deutlich dahinter. Bei der sportfachlichen Einschätzung der Sportstätten durch die Verbände steht Köln allerdings hinter München. Ähnlich sieht es etwa bei der Athletenunterbringung aus: Der DOSB gibt Köln 100 Punkte für 96 Prozent der Athletinnen und Athleten im Dorf, die Verbände sehen München vorn.
Die Frage am Samstag wird sein: Wie gut war die Lobbyarbeit der für die Rhein-Ruhr-Bewerbung Verantwortlichen? Die Einschätzung, die die Verbände für den Evaluierungsbericht des DOSB abgegeben haben, liegt eine ganze Weile zurück. Seither wurden noch viele Gespräche geführt und manche Idee aus dem Hut gezaubert. Etwa die so genannten „Athletic Performance Center“, die den Sportlerinnen und Sportlern die längeren Fahrzeiten in NRW schmackhaft machen sollen: An weiter vom Olympischen Dorf entfernt liegenden Sportstätten, der Schalker Arena für das Schwimmen zum Beispiel, soll es eine Art Dorf-Außenposten geben. Hier könnten die Athleten zwischen einem Vorlauf am Morgen und einem Zwischenlauf am Abend zur Ruhe kommen, müssten also nicht zweimal am Tag zwischen Köln und Mönchengladbach pendeln.
