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Planschemalöör-Sänger ist „Uwe aus Kölle“„Ich lasse mich nicht abhalten, Kölsch zu sprechen“

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Juri Rother, Sänger von Planschemalöör, hat sich ein kölsches Alter Ego erfunden: Uwe aus Kölle.

Juri Rother, Sänger von Planschemalöör, hat sich ein kölsches Alter Ego geschaffen: Uwe aus Kölle.

Planschemalöör-Sänger Juri Rother hat auf Instagram sein kölsches Alter Ego erfunden: Uwe aus Kölle. Wir haben mit ihm über die Sehnsucht nach der kölschen Sprache und die Kölsch-Polizei gesprochen.

„Tommi, du he und nit en Hollywood?“ Oder „Jürjen, und wie hät dä FC jespillt? Hör op, ich will et jar nit wissen, obwohl doch, sach“. Das Video mit dem Sketch „Wie Kölner sich begrüßen“ mit der Figur Uwe aus Kölle haben sich rund 400.000 Menschen auf der Plattform Instagram angeschaut. Dort vermittelt Uwe, schwarze Jogginghose, weißes Unterhemd, Adiletten, kölschen Humor für ein jüngeres Zielpublikum.

Wie Kölner auf Kölsch streiten oder ihre Nachbarn ansprechen, zeigt Uwe ebenfalls. Oder „Dinge, die ein Kölner noch nie gesagt hat“: „Weess de, wat ich richtich jän han? Fastelovend. Ich nemm e Pils – obwohl, nee, ich nemm en Alt. Entscholp, bruch einer en Wohnung? Ich han ein, die kanns de han. Wat de verdeens, es mir driss-ejal. Schufa-Indrach? Bruch ich nit. Du häss ene arabische Vörname? Kein Problem. Ich han an Fastelovend noch nie ming Handy, ming Schlössel oder ming Portemonee verlore. Schön, dat dat Underground avjerisse wood. Do sin jetz Bürojebäude, un ich muss sagen, ich han Bürojebäude jän.“

Die Oma sprach Kölsch, die Eltern hatten kölsche Musikplatten

Der lockere, ein bisschen freche Kerl von nebenan ist das Alter Ego von Planschemalöör-Frontmann Juri Rother. Der 34‑jährige Musiker hat eigentlich Schauspiel studiert und diese Figur erfunden. Vergangenes Jahr veröffentlichte er sein erstes Uwe-Video, das sofort großen Anklang fand.

Mittlerweile folgen ihm 18.000 Menschen. „Uwe ist aus einer Quatschidee entstanden. Ich wollte kölsche Phänomene aufgreifen“, sagt Rother im Gespräch mit dieser Redaktion. Mit Uwe könne er einen „überspitzten, lustigen, aber auch liebevollen Blick auf die kölsche Art werfen“.

Juri Rother als Uwe aus Kölle im Videoclip „Der Kölsche Nachbar“

Juri Rother als Uwe aus Kölle im Videoclip „Der Kölsche Nachbar“

Rother, aufgewachsen in Köln-Porz, war schon immer vom kölschen Dialekt umgeben. „Meine Oma sprach Kölsch, Hochdeutsch konnte sie nicht so richtig, das klang dann auch wie Kölsch.“ Den Sing-Sang hat Rothers Vater dann weitergegeben. „Das war also von klein auf für mich ganz natürlich.“

Er selbst habe sich diesen Sing-Sang allerdings nie stark angeeignet, weshalb er sich während seiner Schauspielausbildung auch keinen Akzent glattbügeln musste, wie manch einer. „Ich habe sehr gerne kölsche Dokus geschaut über Chicago am Rhein. Klar, das ist ein ernstes Thema, aber ich habe aus Spaß immer die Leute nachgeahmt.“

Und natürlich über die Musik: Kölsche Platten von den Bläck Fööss oder L.S.E. stapelten sich bei ihm zu Hause. Doch spätestens seit er selbst kölsche Songs verfasst, weiß Rother auch: „Ich musste und muss Kölsch bis heute auch richtig lernen.“ Schreibt Rother einen neuen Song für die kommende Session, muss der Text einmal durch einen Kölsch-Check. Da helfen Freunde mit entsprechenden Sprachkenntnissen.

„Weil es da Regelungen gibt, bei denen man einfach nicht mehr durchblickt und bei denen die Leute offen gesagt auch oft unterschiedliche Meinungen haben. Da muss man nur fünf Kilometer den Rhein runterfahren.“ Bewährte Adresse für jegliche Kölsch-Korrekturen ist laut Rother Florian Peil von Kasalla, Christoph Gros vom Kölner Label Pavement und Büttenredner JP. Weber. 

Kölner Karnevalsband Planschemalöör

Die Kölner Karnevalsband Planschemalöör

Uwe aus Kölle darf auch Fehler machen

Bei Uwe ist Rother nicht so streng. Der darf sich ausprobieren, spontan sein und auch mal die kölsche Fünf gerade sein lassen. Hauptsache, es bereitet ihm Freude und vor allem den Leuten, die gerne mal mit kölschen Witzen auf die Videos reagieren. „Diese Witze greife ich dann schon mal auf und baue sie in einem neuen Video ein“, sagt Rother.

Auf Kölsch könne man eine gewisse Flapsigkeit vermitteln, die sich für Rother auf Hochdeutsch „komplett anders anfühlt“. „Die kölsche Sprache ist eine direkte Sprache. Sie kann aber auch etwas Liebliches haben, deswegen gibt es auch viele Kosenamen und Sätze, die mit Liebelein oder dergleichen anfangen“, sagt Rother.

In der gesprochenen Sprache geht das Kölsche immer mehr verloren, Uwes Reichweite wächst jedoch spürbar: Der Planschemalöör-Sänger erkennt darin eine „Sehnsucht nach dem Kölschen“, zumal selbst in den Karnevalsliedern immer mehr das Hochdeutsche Einzug erhält, so Rother. Warum in Stuttgart selbst die Jüngeren den schwäbischen Dialekt wie eine Monstranz vor sich hertragen und in Köln nicht, kann Rother nicht direkt beantworten.

„Traut euch, Kölsch zu sprechen!“

„Ich fand das cool, dass die Jüngeren in Stuttgart Schwäbisch sprechen. Und das auch mit Stolz.“ Die Angst, Fehler zu machen, könnte ein Grund sein. „Es gibt da eine gewisse Kölsch-Polizei, die einem auf die Finger klopft, wenn etwas nicht richtig ist. Ich habe mich davon, ehrlich gesagt, losgemacht.“ Egal sei es ihm nicht: Wenn er einen Sketch schreibt und spricht, bemühe er sich um Korrektheit. „Aber ich werde mich nicht davon abhalten lassen, Kölsch zu sprechen, weil manche sagen: ‚So sagt man es nicht.‘“

Rother möchte daher an die Menschen appellieren, die Sorge haben, falsches Kölsch zu sprechen: „Traut euch! Denn es macht einfach viel, viel Spaß. Man bekommt auch nochmal einen anderen Bezug zur Stadt.“ Und für jene, die unverhohlen ihren Rassismus in die Kommentarspalten verbreiten, hat Uwe ein Ständchen mit seiner Klampf parat: „Ich säh’ us wie ene Mustafa, do kütt dä Marcel nit met klar. Dä hätt e riesije Problem domet, denn ich sing op Kölsch en d’r Kirch un och en d’r Moschee.“

Manch ein Leser reagiert passend mit dem Bläck-Fööss-Refrain vom Kölsch-Klassiker über Herkunft und Zusammenhalt „Unsere Stammbaum“. „Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing / dat es jet, wo mer stolz drop sin.“ Bekommen Uwe und seine Klampf bald auch eine Live-Bühne? Bisher hat Rother immer gewitzelt: Wenn es 20.000 Follower sind, dann tritt er live auf.