Viertklässler werden bei den Waldjugendspielen in Porz-Eil zu Detektiven: Mit Wissen und Teamwork müssen sie Rätsel rund um den Wald lösen.
Spurensuche in der GreifvogelschutzstationSchüler werden bei Waldjugendspielen zu Natur-Detektiven

Ist Popcorn als Futter für Wildschweine geeignet?, fragt Ralf Maiwald (l.). Laura und Lasse wissen es und zeigen auf.
Copyright: René Denzer
Die Greifvogelschutzstation ist ein Tatort. Am Eingang liegen die Federn einer Taube, von dem Tier fehlt jede Spur. Wer hat sich die Taube geschnappt? Ein Uhu? Ein Rotmilan? Ein Fuchs? Oder doch ein Mäusebussard? Das herauszufinden, ist die Aufgabe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Waldjugendspiele.
Die kleinen Detektive sind Viertklässler aus dem gesamten Kölner Stadtgebiet. Auf spielerische Art und Weise treten mehrere Klassen, insgesamt über 200 Kinder, rund um das Umweltbildungszentrum Gut Leidenhausen in Porz-Eil in einem Wettkampf gegeneinander an. Dabei ist vor allem eins gefragt: Wissen.

Teamarbeit ist bei den Schülerinnen und Schülern aus Vingst bei der Bestimmung der Bäume gefragt.
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Wildschweine: Was ist gesund – und was gehört nicht in den Wald?
Welcher Laut gehört zu welchem Tier? An der ersten Station müssen die Kinder zuordnen. Das ist nicht immer ganz einfach. Gehört das komische Bellen etwa zu einem Fuchs? Oder zu einem Wildschwein? Oder ist es gar das Reh? Die Kinder der 4c vom Familiengrundschulzentrum (FGZ) Lustheider Straße in Vingst schwanken zwischen Reh und Wildschwein. Schließlich legen sie sich fest: Es ist das Reh. Richtig. Die Ente erkennen sie direkt. Welche der Vogelstimmen gehören zur Elster? Die Kinder wissen es. Volle Punktzahl gibt es von Marcus Nonn, dem Vorsitzenden der Kölner Jägerschaft.
An einer anderen Station ist es ebenfalls knifflig. Hier gilt es, die Frage zu beantworten, welches Essen für Wildschweine gesund und welches ungesund ist. Bei der Schale mit Popcorn ist die Sache klar. Bei den Eicheln und Kastanien auch. Nachdem die Frage geklärt ist, ob es sich bei den Nudeln im Glas um Vollkorn- oder Weizennudeln handelt, legen sich die Kinder fest: Weizennudeln sind ungesund. Wobei beide Varianten nichts für die Tiere sind, sagt Ralf Maiwald. Schnecken, Würmer hingegen schon. Beim Zuordnen in gesund und ungesund, liegen die Kinder aus Vingst auch zu 100 Prozent richtig. Auch auf Maiwalds Frage, warum bestimmte Sachen für die Tiere ungesund sind, wissen die Schülerinnen und Schüler eine Antwort. Einen Nudelbaum gibt es ja schließlich nicht im Wald. In den gehört auch kein Müll, weiß Lasse.

An der Station von Marcus Nonn (r.) und Hans-Werner Kuchta (l.) müssen die Kinder der 4c vom Familiengrundschulzentrum Lustheider Straße Tierlaute entsprechend zuordnen.
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Schließlich ist der Wald Lebensraum für viele Tiere, schützt Boden, Klima und Wasser – „und macht Luft“, weiß eine Schülerin. Deshalb sei es wichtig, den Wald in Köln auch zu schützen, sagt Michael Hundt. Er ist Leiter der städtischen Forstverwaltung. Und was man nicht kennt, wird nicht geschützt. Deswegen hat die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln vor über 40 Jahren die Waldjugendspiele ins Leben gerufen. Zusammen mit dem Forstamt, der Kölner Jägerschaft, der Waldschule der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und dem Verein der Freunde und Förderer des Lindenthaler Tierparks soll so Viertklässlern spielerisch der Wald nähergebracht werden.
So müssen die Kinder des FGZ Lustheider Straße an einer von insgesamt zehn Stationen beispielsweise schätzen, wie schwer das Geweih eines Hirsches ist. 30 Kilo? 40 Gramm? Bei der Übung liegen sie daneben. Gewissheit gibt dann letztlich die Waage. An weiteren Stationen müssen die Kinder mithilfe von Baumscheiben einen imaginären Fluss überqueren. Dazu reichen sie in einer Kette von hinten nach vorn immer eine Baumscheibe weiter. Am Stand von Rosi Wagner und Hendrik Faust müssen die Schülerinnen und Schüler Baumscheiben zuordnen. Auf denen befinden sich Buchstaben. Die Eiche ist schnell zusammengesetzt. Die Birke auch. Was ist das für ein Baum mit nur vier Buchstaben? Klar, die Eibe. Bei dem Spiel ist Teamarbeit gefragt. Hendrik Faust stoppt am Ende die Zeit: vier Minuten. Dafür gibt es Applaus. Auf die Frage, wie Bäume erkannt werden können, kommt die Antwort von Laura wie aus der Pistole geschossen: „Rinde, Blätter, Blüten, Früchte.“
Für die Kinder sind Veranstaltungen wie die Waldjugendspiele „super wichtig“, findet Lehrer Carsten Zeus. Um auch noch einmal einen anderen Input zu geben. „Nicht nur für den Schulalltag, sondern auch für die Lebensrealität für die Kids.“ Manch ein Kind habe kaum Kontakt zu der Natur, die sie umgibt. Deswegen freut es den Lehrer, zu sehen, dass seine Schülerinnen und Schüler bei den Waldjugendspielen mit Eifer und einer gehörigen Portion Neugier dabei sind. „Das kann ein Lehrbuch nicht bieten.“
Bleibt am Ende nur noch die Frage, wer sich die Taube geschnappt hat. Auch wenn der Jäger extrem schnell ist und 300 Stundenkilometer fliegen kann, gab es für die Kinder ein Phantombild als Hilfe. Mit dem konnten sie in der Greifvogelschutzstation, wo kranke und verunglückte Tiere aufgepäppelt und wieder in die Natur entlassen werden, vergleichen. Am Ende war die Sache klar: Ein Wanderfalke hat sich die Taube geholt.