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Herbert Ihle wird 80 Jahre altEin Musiker im Hintergrund

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Ein Mann mit kurzem grauen Haar und Sonnenbrille und Schnurrbart steht vor dem Rhein in Porz.

Herbert Ihle kurz vor seinem 80. Geburtstag am Rheinufer in Köln-Porz.

Herbert Ihle ist ein Hidden Champion. Zwar stand er auch immer wieder selbst auf der Bühne, doch arbeitete er auch für Stars, wie Peter Alexander. 

Irgendwie sind die Beatles schuld daran, dass Herbert Ihle zur Musik gekommen ist. „Wir haben die Platten gehört und waren begeistert.“ Sein Vater hatte noch eine Western-Gitarre und konnte ein paar Griffe. Schnell waren die einstudiert. „Ein paar Wochen später konnte ich sogar ein paar Griffe mehr“, sagt Ihle, der jetzt seinen 80. Geburtstag gefeiert hat. Zusammen mit Freunden hat Ihle geprobt. Mit drei Gitarren.

Erste Auftritte sorgten für eine leere Kneipe

Die Band hatte zwar keinen Namen, dafür aber bald einen Auftritt. „Beim Sauer haben wir an Karneval gespielt“, erzählt Herbert Ihle. 1962 war das gewesen. Er und seine Musiker konnten sechs, sieben Karnevalslieder und ein paar Schunkelmedleys. „Der Laden war brechend voll, zehn Minuten nachdem wir angefangen hatten zu spielen, war der leer.“ Als die Musiker pausierten, kamen die Gäste wieder zurück in die Gaststätte gegenüber der heutigen Offenen Tür (OT) Ohmstraße. „Als wir wieder loslegten, wurde es wieder leer.“ Das Ganze habe sich dreimal wiederholt, erinnert sich Ihle. Die Wirtin habe dann die Reißleine gezogen, den Musikern das Geld gegeben, verbunden mit der Bitte, nicht mehr zu spielen.

Drei Männer mit langen Haaren singen in Mikrofone.

Lange Haare waren auch bei Herbert Ihle (M.) damals angesagt. Links neben ihm Bömmel Lückerath.

Die Band habe es nach dem Auftritt nicht mehr gegeben, sagt Ihle. Ihn selbst habe die Erfahrung nicht abgehalten, weiterzumachen. „Das hat mich angespornt, besser zu werden.“ Er habe angefangen, zu Hause zu üben. Als Vorlage dienten Singles anderer Bands. Gesungen wurde auf Englisch. „Obwohl ich auf der Realschule Englisch hatte, kamen da manch absurde Texte zustande.“ Was aber irgendwie nicht schlimm war, denn das Publikum habe dies oft nicht bemerkt. „Die konnten es ja auch nicht besser.“

Besser wurde allerdings mit der Zeit die Musik. Seine erste richtige Band hieß I. & Co. in der auch Erry Stoklosa von den Bläck Fööss spielte. Nach dem Ende von I. & Co. wechselte Ihle als Sänger zu That’s New. Bömmel Lückerath spielte ebenfalls in der Formation. Die wurde über Köln hinaus bekannt und spielte unter anderem im legendären Hamburger Starclub. Ein Produzent wurde auf die Band aufmerksam. Seiner Auffassung nach musste ein neuer Bandname her, um Platten verkaufen zu können. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“, der die Band medial begleitet hat, forderte seine Leserinnen und Leser zu der Zeit auf, Ideen für einen neuen Namen einzureichen.

Ende 1970 wurde die Band auf den Namen The End getauft

Letztlich einigten sich die Musiker auf den Namen The End, unter dem auch die erste Single der Gruppe veröffentlicht wurde. Ende 1970 kam die erste LP auf den Markt. Der Einfluss des Produzenten und Geldgebers hatte dazu geführt, dass der Bandname erneut gewechselt wurde. The Singing End war zwar nicht im Sinne von Ihle, Bömmel und Co, aber Produzenten fand man eben auch nicht an jeder Ecke. Nach zwei Veröffentlichungen gäbe es die Plattenfirma aber nicht mehr. „Wir mussten uns Gedanken machen, wie es weiterging“, sagt Ihle.

Eine Band ist in Aktion zu sehen. Ein Mann im roten Blazer singt.

Bandfoto aus den frühen Tagen: Herbert Ihle am Mikrofon.

Bömmel war bei den Bläck Fööss eingestiegen. Die restlichen Musiker hatten sich durch ihren Vokalsound einen Namen in der Kölner Studioszene gemacht. Herbert Ihle, Rainer Pietsch und Wolfgang „Wolly“ Emperhoff waren als Studiochor aktiv. Sie arbeiteten unter anderem mit dem Produzenten Ralph Siegel zusammen und mit Musikern wie Peter Alexander oder Roy Black.

Auf die Musiker wurde aber auch die EMI aufmerksam. Als Tanned Leather nahmen sie zwei Platten auf. „Wir waren ziemlich amerikanisch angehaucht“, sagt Ihle. Mit Streichern und Bläsern. In Amerika hätten sich die Platten dadurch gut verkauft. Auch eine Tour wurde geplant, kam aber letztlich nicht zustande. „Heute glaube ich, da steckte Kalkül dahinter, weil man uns als Chor nicht verlieren wollte“, sagt Ihle, der auch im Chor für TV-Shows wie „Bio’s Bahnhof“ und „Musik ist Trumpf“ gesungen hat. Für Deutschland waren Tanned Leather laut Ihle „zu verkopft“. Auch seien „Monsterstücke von über sechs, sieben Minuten nichts für den deutschen Rundfunk gewesen“.

Ein Mann sitzt in einem Aufnahmestudio und singt ins Mikro.

Musiker Herbert Ihle singt im  Studio.

Als Studiomusiker ging es für ihn nach München. Anfangs wurde er immer eingeflogen. „In der Hochzeit war das dreimal die Woche.“ Das, und die Übernachtungen im Hotel kosteten. Das wurde für die Produktionsfirmen zu viel. „So kam es, dass ich nach München gezogen bin“, sagt Ihle. Dort hat er dann auch Gesangsunterricht genommen. „Das war eine ältere Opernsängerin, die mit meiner Röhre total überfordert war.“ Sie habe ihm aber Noten beigebracht. Was er nur jedem angehenden Musiker raten könne. „Weil ohne Notenkenntnis alles, was du machen willst, beschränkt ist. Die Harmonien, die du spielen willst, werden irgendwann so schwierig, dass es ohne Noten fast nicht mehr geht.“ Auch Grundkenntnisse im Klavier empfiehlt Ihle jedem Musiker. 

Die Arie „Nessun Dorma“ beherrschte Herbert Ihle ohne Probleme

Von der Opernsängerin habe er auch die richtige Atemtechnik gelernt. Ein wichtiger Faktor, um nicht heiser zu werden. „Ich kam damals so hoch, so klar“, sagt Ihle. Vier Oktaven habe er singen können. Die Arie „Nessun Dorma“ aus der Oper Turandot von Giacomo Puccini konnte er singen. „Heute unvorstellbar“, sagt der 80-jährige Ihle mit einem Lächeln im Gesicht.

In Porz hatte Herbert Ihle zwei Musikgeschäfte. Sein finanzieller Rückhalt, falls irgendwas passierte. Doch musikalisch war Ihle weiter im Geschäft. Unter dem Pseudonym Uncle Sam haben Ihle und Wolly Emperhoff den Song „Oh Pretty Woman“ in einer Disco-Version veröffentlicht. „Die ist losgegangen wie eine Rakete.“ Die Arbeit mit einem Co-Produzenten von Ralph Siegel war aber weniger erfolgreich. „Das Thema hatte sich dann erledigt und damit auch unsere Karriere als Popstar.“

Von München ging es für Ihle wieder nach Köln. Er arbeitete mit der Big Band der Bundeswehr zusammen, mit Sängerin Andrea Berg. Später dann mit den Flippers, Patrick Lindner, den Geschwistern Hofmann und Andy Borg. Mit Andreas Martin hat er beim Vorentscheid beim ESC mitgewirkt. Abseits der Studioarbeit hat sich Herbert Ihle gut mit Michael Holm, Howard Carpendale und Heino verstanden. Auch mit Helene Fischer, die kurz vor Ihles 80. Geburtstag zwei Shows in Köln hatte, hat er in deren Anfangszeit zusammengearbeitet. Zwischenzeitlich hatte Ihle mit der Jet Set Band wieder eine Gruppe gegründet. Mit Birgit Rüssmann spielt er auch heute noch.

Weihnachtskonzerte in Porz sind schon fest eingeplant

Dass andere Musiker als er mehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit standen und stehen, ist für Ihle kein Problem. „Ich habe als Musiker immer versucht, die beste Leistung abzuliefern.“ Und wer weiß, die Tortur der dauernden Auftritte, wäre auch nichts für Ihle gewesen. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich dann nicht die Lust verloren hätte.“ So konnte er in jedem Lebensalter mit Menschen zusammenkommen, die auch weitaus jünger als er selbst waren. „Das hat mich selbst jung gehalten und musikalisch auch weitergebracht.“

Live ist Ihle aber auch mit seinen 80 Jahren noch zu erleben. Zusammen mit Markus Galle sind Ende 2026 mehrere  Weihnachtskonzerte in Porz geplant. Auf denen werden sie eins allerdings nicht spielen: Songs von den Beatles. „Die kann man nur schlechter machen. Die Beatles sind mir heilig, da wage ich mich nicht dran, damals wie heute.“