„Obstkäppchen“ bringt in Porz monatlich gesunde Lebensmittel zu Senioren. Das soziale Projekt möchte Einsamkeit und Altersarmut bekämpfen.
EhrenamtProjekt „Obstkäppchen“ hilft Senioren in Porz mit Lebensmitteln und sozialen Kontakten

Obstkäppchen-Gründerin Carina Raddatz (r.) und das Unterstützungsteam beim Packen der Lebensmittelbeutel, die einmal im Monat zu bedürftigen Senioren in Porz gebracht werden.
Copyright: Beatrix Lampe
Appetlich glänzende Äpfel, leuchtend rote Tomaten und saftige Gurken gehören zu den Lebensmitteln, die auf langen Tischen in einem Begegnungszentrum der Arbeiterwohlfahrt Porz ausgebreitet sind. Mit Reisnudeln, Zwiebeln, Gemüsebrühe, Böhnchen und vielem mehr werden sie an diesem Samstagmorgen portionsweise in Stoffbeutel gepackt und von Ehrenamtlichen zu bedürftigen älteren Menschen im Stadtbezirk gebracht. „Obstkäppchen“ heißt die bemerkenswerte soziale Aktion, die nicht von ungefähr an das Märchen vom Rotkäppchen erinnert. So wie das kleine Mädchen in der Geschichte Kuchen und Wein zur einsamen Großmutter in den Wald trug, bringen die Obstkäppchen-Helferinnen und -Helfer gesunde Lebensmittel zu Menschen, die von Altersarmut betroffen sind. Viele können sich am Monatsende keine guten Mahlzeiten mehr leisten und sind von Mangelernährung bedroht.
Seit gut einem halben Jahr sind die Obstkäppchen-Aktiven, immer am dritten Samstag des Monats in Porz unterwegs. Sie bringen für die bisher 25 im Projekt versorgten Seniorinnen und Senioren nicht nur frisches Essen, sondern erlösen manche von ihnen auch aus der Einsamkeit. Wer alt ist, wenig Geld zur Verfügung hat und möglicherweise bewegungseingeschränkt ist, hat oft wenig Gelegenheit zum Austausch mit anderen. Dabei ist das Miteinander doch für die seelische Gesundheit so wichtig.

Gepackte Lebensmittel-Tüten des Obstkäppchen-Projekts in Hennef. (Archivbild)
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Obstkäppchen Porz: Aus Mitgefühl zur Mission
Angefangen hat alles vor mehr als zehn Jahren in Köln. Da sah Obstkäppchen-Gründerin Carina Raddatz eine alte Frau, die in Abfallbehältern nach Pfandflaschen suchte, um sich mit dem Erlös ein bisschen Geld hinzuzuverdienen. Raddatz musste an ihre eigene Oma denken und daran, welche Überwindung es einen alten Menschen kosten müsse, nach Jahrzehnten der Arbeit so wenig zum Leben zu haben, dass man im Müll wühlen muss. Sie beschloss zu handeln und fand schnell Mitstreiter. In Hennef ging vor knapp zehn Jahren das erste Obstkörbchen-Projekt an den Start, der Porzer Standort ist jetzt der neunte.
Vollständig spendenbasiert und weitestgehend mit Ehrenamtlern versorgt das Projekt eine stetig wachsende Zahl von Hilfsbedürftigen, bringt ihnen gesundes Essen nach Hause und bietet Zeit zu Gesprächen an. In Porz ist die Obstkäppchenaktion durch den Einsatz von Christiane Weigand gelandet. Sie arbeitet im Förderverein der Sparkasse Köln/Bonn, der die Aktion unterstützt, und knüpfte Kontakte zum Runden Tisch Seniorenarbeit. Die Hilfsaktion benötigt nämlich einen Ort zum Treffen und zum Packen der Lebensmittelbeutel, den Brunni Beth von der Seniorenkoordination AWO Köln/Runder Tisch Seniorenarbeit in den AWO-Räumlichkeiten anbieten konnte.

Obstkäppchen-Gründerin Carina Raddatz (Archivbild)
Copyright: Obstkäppchen
Porz braucht niedrigschwellige Angebote
Besonders wichtig ist für die Verteilaktion ein guter Kontakt zu sozialen Organisationen vor Ort. Damit sich die Frauen und Männer, die Obstkäppchen-Kunden werden wollen, nicht mit langwierigen Nachweisen ihrer Bedürftigkeit plagen müssen, setzt die Aktion auf die Teams in sozialen Einrichtungen. Sie haben einen guten Einblick in die Verhältnisse von Senioren und können geeignete Empfänger vorschlagen. Das leistet hier die Seniorenberatung PariSozial, deren Sprecherin Eva Zerzawy auf die besondere Notwendigkeit in Porz hinweist.
Im Stadtbezirk gibt es mit 28,5 Prozent der Bevölkerung einen besonders hohen Anteil älterer Menschen. Niedrigschwellige Angebote für Bedürftige, darunter besonders viele Frauen mit minimaler Rente, haben deshalb einen hohen Stellenwert. Auch Verbindungen zum Wohnungsmanagement, dessen Mitarbeiter oft Einblick in die missliche soziale Situation alter Menschen haben, und Volker Scherzberg von der Seniorenvertretung Porz unterstützen das Projekt.

Auslieferung der Lebensmittel-Tüten (Archivbild)
Copyright: Quentin Bröhl
Die Hilfe wird so gut angenommen und es gibt so viele Freiwillige, die mitmachen wollen, dass die Obstkäppchenversorgung in Porz noch deutlich ausgebaut werden soll. „111 Empfängerinnen und Empfänger“, sagt Christiane Weigand lächelnd, „das ist unser Ziel“. Dafür sind finanzielle Zuwendungen von Firmen und Einzelpersonen sehr erwünscht. Obstkäppchen arbeitet nur mit frisch gekauften, vorwiegend saisonalen und regionalen Produkten. Sie werden jeweils so zusammengestellt, dass die Empfänger mit den Sachen aus der Tüte mindestens eine komplette gesunde Mahlzeit zubereiten können. Das Rezept liefert ein Ernährungsberater gleich mit. In diesem Monat ist es ein Reisnudelsalat mit viel Gemüse.
Rosa und Niklas gehören zu den Aktiven, die einmal im Monat Tüten packen und sie zu je fünf oder sechs Empfängern bringen. Den Einsatz empfinden sie nicht nur als gesellschaftliche Aufgabe, die sie als junge Menschen übernehmen wollen. „Es ist auch für uns als Helfer wunderbar zu sehen, welche Freude unsere Besuche auslösen“, sagt Niklas. „Den älteren Menschen zuzuhören, ein bisschen Zeit mit ihnen zu verbringen und ihnen zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind – das löst oft solche Dankbarkeit aus, ein großes Geschenk für mich“, sagt er.
Und dann machen sich die Aktiven mit Beuteln beladen auf zu ihren Besuchen bei den Senioren. Zwar ohne rotes Käppchen, aber dafür am Obstkäppchen-T-Shirt zu erkennen. Ein Märchen, das in Porz wahr wird.
