Auf Initiative der Kämpgen‑Stiftung tauschten sich Fachleute in den Alexianer‑Räumen in Porz über das Thema psychische Gesundheit aus.
Unterstützung für SchülerFachleute tauschen sich in Porz zu mentaler Gesundheit aus

Marie Hacker (Bezirksschülervertreterin Köln), Andreas Hamerski (Leitung Familienberatung/Schulpsychologischer Dienst Stadt Köln), John Douglas (Referent SEELENschule), Kerstin Gaden (Schulleiterin Gesamtschule Rodenkirchen) und Fridtjof Filmer (NRW-Ministerium für Schule und Bildung, v. l.) diskutierten bei den Alexianern.
Copyright: Thomas Dahl
Durch den großen Saal des Dominikus‑Brock‑Hauses hallt ein stiller Schrei: „Hört uns zu, damit ihr uns versteht!“ Die Forderung aus dem Video steht stellvertretend für tausende junge Menschen, deren Alltag von schulischem Leistungsdruck, Gewalt, Drogenmissbrauch oder globalen Krisen wie Krieg und Umweltzerstörung geprägt ist. Auf Initiative der Kämpgen-Stiftung kamen in den Räumlichkeiten der gemeinnützigen Alexianer rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Wissenschaftsbereichen Bildung und Psychologie zum Fachtag „Starke Schule – Starke Psyche – Starkes Leben“ zusammen.
Neben der Vorstellung der Förderprojekte „SEELENschule“, „Verrückt? – Na und!“ und „Mindbalance“ sowie Austauschmöglichkeiten an mehreren Informationsständen, ergänzte eine Podiumsdiskussion das umfangreiche Programm der neunstündigen Veranstaltung.
Mentale Gesundheit ist eine Voraussetzung dafür, dass Lernen, Entwicklung und Teilhabe überhaupt gelingen können.
Angesichts steigender Krankheitszahlen auch bei Schülerinnen und Schülern in Verbindung mit psychischen Leiden* zeigten sich Fachleute wie Betroffene besorgt über zu späte oder gänzlich fehlende Hilfsmaßnahmen. Die Tagung stellte sich dabei der Kernfrage, wie eine gezielte Stärkung von Kindern und Jugendlichen erfolgen könne. „Mentale Gesundheit ist eine Voraussetzung dafür, dass Lernen, Entwicklung und Teilhabe überhaupt gelingen können. Schule ist deshalb immer auch ein Ort, an dem Unterstützung, Prävention und Aufmerksamkeit gebraucht werden“, konstatierte Andreas Amelung von der Kämpgen-Stiftung in seiner Begrüßungsrede. Der Theorie setzten nicht wenige Tagungsbesucher eine ernüchternde Praxis entgegen.
Der Bedarf an Unterstützung sei bei immer komplexeren Fällen immens gestiegen, erklärte etwa John Douglas vom Projekt „SEELENschule“. „Ich sehe selten, dass das Wohl der Kinder in den Schulen im Vordergrund steht. Es wird kritischer“, so der Fachreferent.
Kerstin Gaden von der Gesamtschule Rodenkirchen berichtete, viele Kinder kämen nicht mehr regelmäßig zur Schule und es fehle an Therapieplätzen. Klassenarbeiten müssten teils mehrfach nachgeschrieben werden, um allen Fehlenden Termine zu ermöglichen. Die Belastung für Lehrkräfte sei kaum noch zu bewältigen, sagte sie.
Gaden forderte ein Umdenken an Schulen: Fehler müssten erlaubt sein, eine schlechte Note sei kein Versagen. Auch Fridtjof Filmer betonte die Bedeutung des Themas. Viele Kinder könnten wegen psychischer Beeinträchtigungen schulische Anforderungen kaum erfüllen, sagte der Mitarbeiter des NRW-Schulministeriums. Ein Mental‑Health‑Programm solle dem entgegenwirken.
Der Leistungsdruck belastet uns sehr. Wenn dann unsere Probleme kleingeredet werden, macht das alles 3000-mal schlimmer.
Bezirksschülervertreterin Marie Hacker forderte mehr Bewusstsein für den Ernst der Lage. Der Leistungsdruck an Schulen belaste viele sehr, sagte sie. „Wenn dann unsere Probleme kleingeredet werden, macht das alles 3000-mal schlimmer.“
Für eine Enttabuisierung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen setzt sich Alix Puhl ein. Die Mitbegründerin von „Tomoni Mental Health“ berichtete vom Verlust ihres Sohnes, dessen psychische Erkrankung zu spät erkannt wurde. Tomoni (japanisch für „zusammen“, Anm. d. Verf.) will Bezugspersonen befähigen, Belastungen früh zu erkennen, und sucht dafür Unterstützer. Mithilfe der Kämpgen‑Stiftung sollen zudem „Mindbalance“, „SEELENschule“ und „Verrückt? Na und?!“ gestärkt werden. Insgesamt stehen dafür 169.000 Euro bereit.
*Quelle: Deutsches Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung, www.kaempgen-stiftung.de
