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Trotz Top-PrioritätGrundschule in Porz kämpft vergeblich um bessere Ausstattung

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Ein Mann steht vor einem Schulgebäude  mit einer rotgelben Feuertreppe.

Für viel Geld wurde eine Fluchttreppe am alten Schulgebäude angebaut. Es darf dennoch nicht genutzt werden, kritisiert Schulpflegschaftsvorsitzender Peter Jenneßen.

Porzer Gemeinschaftsgrundschule kann nicht zügig mit einem Neubau rechnen. Der Altbau darf nicht genutzt werden, wird aber für die Heizung der Turnhalle gebraucht.

390 Mädchen und Jungen lernen derzeit in der Porzer Gemeinschaftsgrundschule Hauptstraße fürs Leben. Der Unterricht und alle weiteren Aktivitäten der vierzügigen Grundschule finden seit 2021 in  Modulbauten statt. Ein räumlich großzügiger Altbau steht leer. Die Turnhalle ist seit langer Zeit marode und darf nicht für Ballspiele genutzt werden. Und auf dem Schulhof können aus Gründen, die mit eventuellen Planungen im nächsten Jahrzehnt zu tun haben, keine festen Spielgeräte installiert werden.

Die aktuelle Situation findet Peter Jenneßen, Vorsitzender der Schulpflegschaft, unerträglich. Das Platzangebot für die schulische und soziale Versorgung der Kinder sei unzureichend, Abhilfe auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Vonseiten der Stadt finde man sich damit offenbar ab und lasse noch mindestens eine weitere ganze Grundschulgeneration im Stich. „Es sind doch diese Kinder, die Porz wieder voranbringen sollen“, sagt Jenneßen. „Und obwohl bekannt ist, wie hoch der Förderbedarf ist, wird dafür nicht genügend Platz zur Verfügung gestellt.“ Die GGS Hauptstraße hat den Sozialindex 9. Als sogenannte Startchancen-Schule bekommt die GGS Hauptstraße also eine besondere finanzielle Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Eine vierzügige Grundschule hat per Definition rechtlich einen Raumbedarf von 3684 Quadratmetern, was Jenneßen zufolge angesichts der Herausforderungen an gerade dieser Schule schon zu wenig ist. Seit dem Umzug in die Container stünden hier aber nur gut 2500 Quadratmeter für Unterricht und Förderung zur Verfügung. Die Stadt widerspricht, es seien  3700 Quadratmeter Nutzfläche, aber Jenneßen argumentiert, da seien Flure und Treppenhäuser inbegriffen, die gar nicht schulisch nutzbar sein.

In einem Klassenraum stehen Bänke im Kreis, zwei Frauen schieben sie zurecht.

Die Klassenräume in den provisorischen Containern sind modern, bieten aber zu wenig Platz für  individuelle Fördermöglichkeiten einer Startchancen-Schule.

Unterstützung findet die Schule in Schulleiterin Olga Rieger und ihrem 35-köpfigen Kollegium. Die Bürgerstiftung Porz, der örtliche Bürgerverein, die benachbarte Musikschule und weitere Förderer engagieren sich. Das Erfolgsprojekt „Klassenstreicher“ bietet den Mädchen und Jungen Musikunterricht mit Streichinstrumenten direkt in der Schule. Mobile Häuschen voller Spielmaterial ermöglichen bei gutem Wetter sportliche Aktivitäten auf dem öden Pausenhof. Aber für die besonderen Angebote, für Einzelarbeit im inklusiven Unterricht oder Beratung gebe es viel zu wenig Platz.

Tatsächlich hat die Schulgemeinde, auch in enger Zusammenarbeit mit Klaus Schäfer vom „Bündnis Porz-Mitte“, bei Verwaltung und Politik schon dringend darum gebeten, zumindest für manche Zwecke das alte Schulgebäude nutzen zu können. Dieser Schulbau aus den 1950er Jahren wurde laut Auskunft des Presseamtes aber „abgemietet“. 2018 hatte es Auflagen für das Gebäude gegeben, die nicht fristgerecht umgesetzt wurden, was zur Stilllegung führte. Nach Auskunft der Schule sind Forderungen wie Brandschutztüren, die aufwendige Installation von außen angebrachten Fluchttreppen, Rauchabzug und Panikbeleuchtung dann umgesetzt worden, für viel Geld. Das Gebäude wurde aber dennoch aus der Nutzung genommen. Nach Prüfverordnung NRW könne es nicht mehr betrieben werden, teilt Stadtsprecherin Jutta Doppke-Metz mit. Klaus Schäfer vom Bündnis Porz-Mitte und der Elternsprecher bezweifeln diese Einschätzung. Das Gebäude sei renovierungsbedürftig, aber keineswegs baufällig, hätten ihnen Experten bescheinigt.

Hinter einem kargen Schulhof liegt ein mehrstöckiges Schulgebäude.

Das alte Schulgebäude beherbergt die Heizung für die teils marode Turnhalle, darf aber nicht genutzt werden. Auf dem Schulhof dürfen keine Spielgeräte aufgebaut werden.

Abgebrochen werden kann es aber offenbar auch nicht. Im stillgelegten Schulgebäude wurde 2024 nämlich eine neue Heizung eingebaut. Über diese werden die Schultoiletten und die marode Turnhalle beheizt. Das leerstehende Schulgebäude wird mitgeheizt, auf Sparflamme, wie die Stadt mitteilt. Nachdem  die Aufstellung der Container für eine neue Mensa und sämtliche Unterrichtsräume erfolgt sei, sehe die Stadt wohl keinen dringenden Handlungsbedarf mehr für einen Neubau, befürchten Jenneßen und Schäfer. Sie erwarten einen quälend langen provisorischen Zustand mit viel zu wenig Platz, bis frühestens 2031 die benachbarte Berufsschule an einen neuen Standort an der Eitorfer Straße gezogen ist. Erst dann sollen möglicherweise beide bisherigen Schulgelände an der Hauptstraße  gemeinsam überplant  werden.

Trotz Priorität A passiert nichts an der Grundschule Porz

Die Verwaltung verweist darauf, die Grundschule stehe auf der Prioritätsstufe A in der Schulbaumaßnahmenliste. Doch Konkreteres gibt es nicht zu vermelden. Laut der Antwort des Presseamtes auf Fragen der Zeitung sind trotzdem „noch keine Planungen aufgenommen worden, eine gemeinsame Konzipierung des Grundschulstandorts und des angrenzenden Standorts des Berufskollegs 10 nach dessen Auszug durchzuführen.“

Ganz ähnliche Antworten bekam auch CDU-Ratsmitglied Helge Schlieben auf eine Anfrage der CDU im Ausschuss für Schule und Weiterbildung. Das alte Gebäude sei „abgängig“, eine kurzfristige Deckung des zusätzlichen Raumbedarfs nicht möglich. Es gebe auch keine Möglichkeit, zeitnah eine Turnhalle neu zu errichten, da diese mit dem Neubau der Grundschule gekoppelt sei. Auf die Frage, ob und wie schon jetzt auf dem Schulhof fest installierte Spielgeräte genehmigt werden könnten, erfuhr Schlieben, dafür seien Abstimmungen mit dem Amt für Feuerschutz und dem Grünflächenamt nötig. Und weiter: „Weil die Geräte im Fall eines Neubaus vermutlich jedoch wieder zurückgebaut werden müssten, sollte eine Umsetzung gegebenenfalls erst nach einer Entscheidung über den Zeitpunkt der Realisierung des Neubaus erfolgen.“ Was heißen könnte, dass Grundschulkinder in Porz erst eines Tages im Verlauf des nächsten Jahrzehnts mit Spielgeräten auf dem Schulhof rechnen dürfen.

In der Porzer Bezirksvertretung ist die unbefriedigende Situation an der Grundschule seit langem Thema, wie die SPD-Fraktionsvorsitzende Bettina Jureck mitteilt. „Bereits bevor bekannt wurde, dass ein Standort für das Berufskolleg gefunden ist, hat die Bezirksvertretung auf Antrag von SPD/GrüneVolt beschlossen, dass die Stadt bis Ende 2027 eine Machbarkeitsstudie zur Entwicklung des Schulareals und der umliegenden Flächen zur Beratung vorzulegen hat.“ Auf dieser Basis könne entschieden werden, wo und wie die beiden Schulen verbleiben und wie ein Stadtgarten sowie die Carl-Stamitz-Musikschule eingebunden werden könnten.

CDU-Landtagsmitglied Florian Braun, Vorsitzender des Ausschusses für Schule und Bildung in der Landtagsfraktion, hat in den 1990er Jahren selbst diese Grundschule besucht und zeigt sich betroffen. „Der Zustand der Grundschule, der Platzmangel und die unklare Perspektive sind ein Trauerspiel“, findet Braun. Er sei froh, dass diese Grundschule von zusätzlichen Mitteln über das Startchancen-Programm NRW profitieren könne. „Um aber wirklichen Lernerfolg zu ermöglichen, muss auch die Stadt Köln ihre räumlichen Hausaufgaben machen“, verlangt er. Bei der Aussage, es sei kein Platz für weitere Module vorhanden, dürfe es nicht bleiben, die Stadtverwaltung müsse einen kurzfristigen Plan erarbeiten. Für denkbar hält er es, die Containerbauten mit weiteren Modulen aufzustocken. Kinder, Eltern und Lehrkräfte verdienten „Antworten und Lösungen, um eine erfolgreiche Schulzeit zu erleben“.

Jochen Ott, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag, nennt die Vorgänge in seinem Wahlkreis „ein Armutszeugnis für die Gebäudewirtschaft“. Er sagt: „Da kämpfen wir seit Jahren für die Aufwertung von Porz-Mitte und dann so was! Für die Kinder und die Eltern sind weitere zehn Jahre inakzeptabel. Die Schule ist in Prioritätsstufe A, dann soll sie gefälligst auch so behandelt werden.“ Gerade nach den jüngsten PISA‑Ergebnissen müssten die Startchancen-Schulen „mit aller Kraft unterstützt werden“. Jenneßen und seine Mitstreiter wünschen sich, dass solchen Worten auch Taten der städtischen Entscheidungsträger folgen. Sie stehen für Gespräche über jegliche Lösungen, seien sie auch provisorisch, zur Verfügung.