Halloween ist überflüssig und traditionsleer, findet Jens Meifert

Kontra HalloweenWarum Geister und Blutsauger zum Weglaufen sind

Macht doch Laune: drei geschnitzte Halloweenkürbisse.
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Damit keine Missverständnisse aufkommen: Sie haben es in diesem Text mit einer rheinisch-westfälischen Frohnatur zu tun. Mit jemandem, der schon lächelnd zur Welt kam und sich fortwährend selbst mit seiner guten Laune ansteckt, ein endlos infiziertes sonniges Gemüt. Ganz ehrlich: Jux und Dollerei sind mein zweiter und dritter Vorname. Aber, wenn die Blätter fallen und die Kürbisse und Clementinen wie das Logo des Zweiten Deutschen Fernsehens in Orange leuchten, dann verfinstern sich meine Gesichtszüge: Oh Schreck, Halloween steht bevor.

Igitt: Cocktailkirschen mit Zuckeraugen.
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Ohne Zweifel ist dieses Fest durch und durch unappetitlich. Überall Blutspuren, Glibber und herausfallende Augen. Menschen, die am Vortag noch im langweiligen Karohemd im Büro saßen, verwandeln sich über Nacht in lächerlich aussehende Blutsauger mit weiß abgetönten Gesichtern. Welch Ausdruck der Hoffnungslosigkeit, sich zur Belustigung in dunkelsten Fantasien ergehen zu müssen. Wie traurig. Ganz davon abgesehen: Organe gehören in den Körper und nicht als Schürzenaufdruck über den oft zu dicken Leib gespannt.
Ekelfeste in Innenstädten haben nichts mit irischen Ursprüngen von Allerheiligen zu tun
Schwerer noch als die ästhetische Zumutung wiegt das künstliche Aufbegehren im traditionellen Festkalender. Seit rund 1200 Jahren ehrt die Kirche mit dem Monatswechsel Märtyrer und Heilige. Warum am 1. November? Weil es im Lauf der Jahrhunderte zu viele Heilige geworden sind, um jeden Tag einen anderen abzufeiern. Aber einer für alle, ein stiller Ehrentag, der sollte schon drin sein.
Nur verträgt sich das Allerheiligenfest schlecht mit blutsaugenden Vampiren und schlabbernden Monstern, schon gar nicht, wenn sie auf einer US-amerikanischen Modewelle über den großen Teich geschwappt kommen. Dabei trägt Halloween seinen Namen ausgerechnet nach dem Vorabend des Allerheiligenfestes: All Hallows' Eve. Mit den irischen Ursprüngen des Festes haben die Ekelfeste in den europäischen Innenstädten gar nichts mehr zu tun.
Halloween: Kommerz ohne tiefen Sinn, anders als St. Martin
Halloween ist Kommerz ohne tieferen Sinn. Mein Beileid gilt Müttern und Vätern, die schwarzen Wackelpudding mit Blutgrütze auftischen müssen. Nur um Stunden später an der Bettkante die kleinen Gruselfans über ihre Albträume hinwegzutrösten. Oder in wochenlanger Heimarbeit dunkle Kellerecken mit künstlichen Spinnweben ausstatten und den Nachbarn bitten, spätabends im Bettlaken verhüllt vorbeizuschauen. Wie überflüssig. Auch die Bettelorgie an der Haustür kommt ohne jeglichen Tiefgang daher. „Süßes oder Saures?“ Dieser Spruch erfüllt nicht einmal ein Mindestmaß an kommunikativem Austausch, eine kulturgeschichtliche Bankrotterklärung, die mit nichts als weißen Mäusen bestraft gehört. Die schmecken wenigstens gruselig.
Zumal an St. Martin der glockengleiche Gesang der Kinder die Treppenhäuser erfüllen könnte. Leider ist auch diese Tradition in den Hintergrund gedrängt. Überhaupt: Wie charmant kommt der Heilige Martin daher im Vergleich zu den düster gekleideten Schattengestalten? Er reitet stolz durch Wind und Wetter, teilt den Mantel und nicht den Kürbis und erzählt die Geschichte von Fürsorge und Nächstenliebe. Daran können wir uns wärmen. Die Zeiten sind schließlich gruselig genug.
