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Prozess gegen falsche Polizisten90 Jahre alte Kölnerin um 230.000 Euro betrogen

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Symbolbild

Köln – Zwei Berliner (23 und 26) sind vom Landgericht wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Der 23-Jährige muss für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis, der 26-Jährige wurde mit sechs Jahren bedacht. Für das Gericht stand am Ende fest, dass die beiden Berliner für türkische Hintermänner bei der Betrugsmasche „falscher Polizist am Telefon“ als Geldabholer mitgearbeitet hatten.

Dabei hatten sie die „altersbedingte Gutgläubigkeit“ der sechs Geschädigten im Alter zwischen 64 und 94 Jahren ausgenutzt, stellte das Gericht fest. Allein eine 90 Jahre alte Kölnerin war durch die Betrugstaten im Dezember 2018 um rund 230 000 Euro gebracht worden. Die Staatsanwaltschaft hatte aus generalpräventiven Erwägungen für deutlich höhere Strafen von acht beziehungsweise viereinhalb Jahren Gefängnis plädiert.

Callcenter sitzen in der Türkei

Bei der Betrugsmasche, der meist Senioren zum Opfer fallen, geben sich die Betrüger – oft professionell arbeitende Callcenter in der Türkei – als Polizeibeamte aus. Ihren Opfern gaukeln sie vor, dass sie ins Visier einer Einbrecherbande geraten sind und ihre Wertgegenstände in Gefahr seien.

Trick-Anrufe – So verhalten Sie sich richtig

Enkeltrick, Falsche Polizisten – Verhalten bei Betrugsanrufen

Betrüger versuchen immer wieder, an Geld oder Wertgegenstände zu gelangen, in dem sie die Gutgläubigkeit von Menschen ausnutzen. Besonders oft wird das bei Seniorinnen oder Senioren versucht. Die Polizei informiert auf ihrem Beratungs-Portal über die häufigsten Maschen und erklärt, wie man sich bei einem Betrugsverdacht korrekt verhält.

Enkeltrick

„Rate mal, wer hier spricht“ – So beginnen Betrüger den sogenannten Enkeltrick oft. Personen geben sich als Enkel oder Verwandte aus, die in einer besonders misslichen Lage stecken und dringend Geld brauchen: oft auch mit wiederholten Anrufen. Willigt das Opfer ein zu zahlen, wird ein Bote angekündigt, um Bargeld abzuholen. 

Die Polizei rät: Fordern Sie den Anrufer auf, den Namen selbst zu nennen. Erfragen Sie von sogenannten Verwandten, die sie nicht kennen Dinge, die nur ein Mitglied Ihrer Familie wissen kann. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und sprechen Sie mit anderen über einen Anruf, der Sie misstrauisch macht. Informieren Sie unverzüglich die Polizei unter 110, wenn sie einen Anruf bekommen, der Sie verdächtig macht.

Und am allerwichtigsten: Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen.

Betrug durch falsche Polizisten

Als Polizisten geben sich Betrüger nicht nur am Telefon aus. In manchen Fällen stehen sie auch mit gefälschten Dienstausweisen vor der Haustür oder verschicken falsche Haftbefehle mit Zahlungsaufforderungen und Drohungen, in Haft zu kommen, falls dem nicht Folge geleistet wird.

Die Polizei rät: Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in Ihre Wohnung. Fordern Sie immer den Dienstausweis von Menschen, die sich als Amtspersonen ausgeben und bei dem geringsten Zweifel rufen Sie die Behörde an, von der der Unbekannte kommen will. Um sicher zu bleiben, lassen Sie den Unbekannten vor ihrer geschlossenen Tür warten, während Sie sich die Telefonnummer beispielsweise von der Auskunft geben lassen.

Außerdem wichtig: Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge bitten, um Haft zu verhindern. Geben Sie am Telefon keine Details zu ihrem Vermögen preis und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Im Zweifel: einfach auflegen.

Falsche Gewinnversprechen

Seit 2010 steigt die Zahl der Strafanzeigen wegen Betrugs mit Gewinnversprechen kontinuierlich, wie die Polizei auf ihrem Betrugs-Portal schreibt. Die Details der Anrufe variieren, aber die Methode bleibt ähnlich.

Opfer werden angerufen oder per E-Mail kontaktiert mit der freudigen Nachricht, ein Gewinnspiel gewonnen zu haben. Die „Gewinner“ sollen sich dann bei Personen melden, die sich als Rechtsanwälte oder Notare ausgeben, um ihren Preis einzulösen – gegen eine Bearbeitungsgebühr oder über eine kostenpflichtige Hotline. Besonders kritisch: Betrüger nutzen spezielle Technik, um die angezeigte Nummer zu fälschen, sodass es so aussieht, als käme der Anruf tatsächlich von einer Anwaltskanzlei oder ähnlichem.

Was sie tun sollten, wenn sie mit einem Gewinnversprechen kontaktiert werden: Zu aller erst überlegen Sie – Haben Sie in der letzten Zeit überhaupt an einer Lotterie teilgenommen? Geben Sie niemals Geld aus, um einen Gewinn einzufordern oder wählen Nummern, die gebührenpflichtig sind. Diese erkennen Sie an den Vorwahlen: 0900, 0180, 0137. Geben Sie keine persönlichen Informationen wie Kreditkartennummern weiter. Erkundigen Sie sich nach den Verantwortlichen des Gewinnspiels und überprüfen sie Name und Adresse, wenn Ihnen diese genannt werden. Kontrollieren Sie regelmäßig ihre Telefonrechnung. Und lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Um einen angeblichen Vertragsabschluss zu widerrufen, können Sie Vordrucke nutzen, die von der Verbraucherzentrale zur Verfügung gestellt werden.

Dann bewegen sie die Geschädigten dazu, Schmuck, Bargeld und Erspartes zu Sicherungszwecken der Polizei zu übergeben. War ein Opfer soweit eingeschüchtert und bereit, seine Werte in die Hände der falschen Polizei zu geben, traten die beiden nun Verurteilten in Aktion und holten die Beute ab. Nach Abzug ihres Anteils wurde der Rest über Mittelsmänner den türkischen Hintermännern zugeführt.

Der 23-Jährige, der zunächst von der Untersuchungshaft verschont war, war Anfang Oktober im Saal auf Anordnung der Strafkammer in Haft genommen worden. Der Mann war zum ersten Prozesstermin zu spät, zum dritten gar nicht erschienen. (bks)