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Prozess in KölnAngeklagter im Doppelmord-Fall legt Geständnis ab

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Angeklagter Prozess NIehl

Der 25-Jährige schützt sein Gesicht mit einem Aktenordnern vor den Fotografen.

Köln – Im Prozess um den mutmaßlichen Doppelmord vom Niehler Hafen hat der Angeklagte (25) am Freitag ein Geständnis abgelegt. Er räumte ein, im November 2021 eine 24-Jährige und ihren vierjährigen Sohn getötet zu haben. Zunächst hatte der 25-Jährige in dem seit Mitte Juli laufenden Prozess geschwiegen.

Nach Geständnis kommt es zu einem Tumult

„Ich gestehe, Derya und ihren Sohn getötet zu haben“, sagte der 25-Jährige mit brüchiger und verweinter Stimme. Im Zuschauerbereich von Saal 210 des Landgerichts kam es daraufhin zu einem kurzen, heftigen Tumult. Eine Angehörige der Getöteten und ihres Sohnes schrie: „Du Bastard! Du Hurensohn!“ Dabei schlug sie gegen die Scheibe, die den Zuschauerbereich vom Gerichtssaal trennt. Anschließend sackte sie völlig aufgelöst zurück auf ihren Sitz. Der Vater der getöteten Derya, der in dem Prozess als Nebenkläger auftritt, begab sich in den Zuschauerbereich, geleitete die Frau auf den Gerichtsflur und sagte leise: „Genug ist genug.“

Nachdem die Szenerie sich wieder beruhigt hatte, fuhr der Angeklagte fort, der während seiner von einem Blatt verlesenen Einlassung ausschließlich Richtung Richterbank schaute: „Ich bereue dies sehr“, sagte er immer noch tränenerstickt. Ihm sei bewusst, so der 25-Jährige weiter, dass ihm nicht verziehen werde könne, er aber dennoch darum bitten wolle.

Opfer konfrontierte ihn mit seiner Vaterschaft

Zum Hintergrund der Tat erklärte er: Im September 2021 habe sich Derya bei ihm gemeldet und ihm gesagt, er sei der Vater ihres Sohnes. „Ich konnte das nicht glauben“, sagte der 25-Jährige. Derya habe weiter gesagt, dass sie lange geglaubt habe, dass ein anderer Mann der Vater des Jungen sei, dies aber durch einen negativen Vaterschaftstest widerlegt worden sei. Er sei völlig überrascht gewesen. „Vorher hat Derya mir gegenüber niemals was angedeutet“, sagte der 25-Jährige. Und weiter: „Ich war sicher, nicht der Vater sein zu können.“

Er habe einmal Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt und dabei verhütet. Derya habe einen Vaterschaftstest vorgeschlagen. Dagegen habe er nichts gehabt. Gewundert habe ihn aber, dass Derya von Unterhaltszahlungen gesprochen habe, jedoch nicht darüber, wie es mit ihm und dem gemeinsamen Sohn weitergehen solle. Er habe sich dann Gedanken darüber gemacht, ob und wie er seinen Eltern von dem unehelichen Kind erzählen könne. „Ich wusste nicht, ob ich ihnen das sagen könnte.“

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Am Abend des 14. November 2021, dem Tattag, habe man sich am Molenkopf am Niehler Hafen getroffen, „weil ich nicht wollte, dass wir von Bekannten gesehen werden“, sagte der Angeklagte. „Zu meiner Überraschung hatte sie ihren Sohn mitgebracht, wovon ich nichts ahnte.“ Die Frau habe gesagt, „ich könnte ihn mir ja mal ansehen. Ich war mit der Situation total überfordert“. Mehrere Zeugen hatten zuvor in dem Prozess ausgesagt, dass der Junge dem Angeklagten, „wie aus dem Gesicht geschnitten“ gewesen sei.

Als er sie gebeten habe, man müsse die ganze Sache vor seinen Eltern verheimlichen, habe Derya das schroff zurückgewiesen. Sie habe gesagt, sie werde den Jungen seiner Mutter zeigen, die werde das bestimmt verstehen. Daraufhin sei es zu der Bluttat gekommen, auf die der Angeklagte aber nicht detailliert einging.

Laut Rechtsmedizin waren die 25-Jährige und ihr kleiner Sohn mit einer Vielzahl von Messerstichen getötet worden. „Es gibt keine Entschuldigung für meine Tat“, sagte der Angeklagte weiter. „Für das, was ich getan habe, übernehme ich die Verantwortung.“Der Prozess wird Ende August fortgesetzt.