Nichts Böses ahnend saß ein 31-jähriger IT-Kaufmann im April 2018 in einem Café im Agnesviertel, als ihm plötzlich eine wildfremde Frau (56) sagte, seine Familie werde von einem Dämon bedroht. Zwei Monate und zahlreiche Rituale später war der Mann rund 40.000 Euro los. Nun musste sich die 56-Jährige wegen Betrugs einem Verfahren vor dem Amtsgericht stellen. Sie bestritt die Vorwürfe.
Der 31-Jährige sagte im Zeugenstand über das Treffen im Café: „Sie hat gesagt, meine Frau werde morgen früh tot mit Schaum vor dem Mund im Bett liegen. Das hat mich total geschockt.“ Wenige Tage später verabredeten sich beide am Telefon zu einem Treffen. Beim ersten Ritual habe ihm die Frau Tarot-Karten gelegt. Zudem habe er 30 Knoten in zwei Fäden knoten müssen. Für jeden sollte er dann 200 Euro, also insgesamt 6000 Euro, zahlen. Und er zahlte zum ersten, aber nicht zum letzten Mal. Bis Ende Juli 2018 fanden rund zehn Rituale statt, dabei musst der Mann sich wiederholt die Unterhose rauf und runter ziehen, dann vor einer Kamera nackt tanzen oder in einer muslimischen Metzgerei ein Lamm schlachten und zusehen, wie es verblutet.
Geld wurde angeblich in einem Topf verbrannt
Beim letzten Treffen habe der Dämon dann auf der Stelle 30.000 Euro verlangt. Er sei zu einer Bank gefahren, habe einen Kredit beantragt, drei Stunden später das Geld erhalten und der Frau gegeben. Was mit dem Geld geschehen sei, fragte die Vorsitzende. „Angeblich wurde das verbrannt. Das kam mit Haaren in einen Topf“, sagte der 31-Jährige. Dass es gebrannt habe, habe er aber nicht gesehen.
Der Familienvater der laut eigenen Angaben eigentlich nicht an Dämonen glaubt, aber schon oft an Schamanen-Seminare teilgenommen hat, wurde von Verteidiger Michael Lang noch gefragt: „Warum haben Sie überhaupt gezahlt?“ Die offenherzige Antwort des 31-Jährigen: „Ich hatte Angst.“
Da das Gericht weder eine direkte Bedrohung des Zeugen durch die Angeklagte feststellen konnte, noch ersichtlich war, dass der Mann zur Zahlung des Geldes gezwungen wurde, stellte es das Verfahren ein. Würde es fortgesetzt, erklärte die Vorsitzende vielmehr, müssten auch die Frau des 31-Jährigen und sein heutiger Therapeut aussagen. „Das könnte für Sie sehr unangenehm werden“.
Der 31-Jährige könnte nun noch versuchen auf dem zivilen Klageweg an sein Geld zu kommen. Die Erfolgsaussichten erscheinen aber eher gering.
