Köln – Eine tragische Familiengeschichte bestreitet seit Montag vor dem Landgericht ihren vorerst letzten Akt. In dem Totschlagsverfahren ist ein 27-Jähriger angeklagt, in der Nacht auf den 22. April 2018 im gemeinsam bewohnten Haus in Dünnwald seinen Stiefvater im Streit mit einer Axt erschlagen zu haben. Zweimal soll er mit einer Dekorations-Axt auf den Kopf des Mannes eingeschlagen haben und dabei die Wirbelsäule des Opfers zwischen dem zweiten und dritten Halswirbel fast vollständig durchtrennt haben.
Der Angeklagte legte bei Prozessbeginn ein Geständnis ab. „Der angeklagte Sachverhalt ist richtig“, ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger Martin Blücher verlauten. Und weiter: „Ich stehe seit diesem Tag diesen Ereignissen fassungslos gegenüber. Ich habe meinen Stiefvater nicht töten wollen.“
Mutter: „Der hat mit einer Axt…, der hat den umgebracht.“
Laut Anklage war es am Tattag zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem später Getöteten und seiner Frau, der leiblichen Mutter des Angeklagten gekommen. Grund war ein angebliches Verhältnis der Frau zu einem anderen Mann, das der Geschädigte nicht verzeihen konnte. Aus einer Kneipe in Holweide, in der er den Tag über viel Alkohol konsumiert haben soll, habe er der Frau wiederholt Kurznachrichten mit Beschimpfungen und beleidigenden Inhalten geschickt. Als der Mann stark alkoholisiert nach Hause kam, habe er den Streit mit der Frau gesucht und sie auch körperlich attackiert. Daraufhin soll der Angeklagte dazwischen gegangen sein, um seine Mutter zu schützen. Im folgenden Kampf habe der Angeklagte eine Deko-Axt zu fassen gekriegt und dem Opfer zweimal heftig gegen den Kopf geschlagen.
Wie dramatisch das Ereignis war, verdeutlichte die Aufnahme des Notrufs der Ehefrau und Mutter, die im Gerichtssaal vorgespielt wurde. Verzweifelt fordert sie die Polizei an. Sie brauche Hilfe, ihr Mann und Sohn hätten eine Auseinandersetzung. Plötzlich schreit die Frau hysterisch und verzweifelt immer wieder „Nein“. Dann brüllt sie wie von Sinnen in den Hörer: „Der hat mit einer Axt…, der hat den umgebracht.“ Dann ist der Angeklagte am Apparat und sagt: „Ich hab’ mit meinem Vater gekämpft. Dann hab’ ich mit der Axt zugeschlagen.“
Die Mutter des Angeklagten tritt in dem Verfahren wie auch der Bruder des Opfers als Nebenkläger auf. Der Prozess ist bis Ende Januar 2019 terminiert.
