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Prozessauftakt in KölnVerhinderte Cousin einen Mordanschlag mit Diesel in letzter Sekunde?

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Der Angeklagte mit Verteidigerin Rania Kour und einer Dolmetscherin (l.) beim Prozessauftakt im Landgericht

Der Angeklagte mit Verteidigerin Rania Kour und einer Dolmetscherin (l.) beim Prozessauftakt im Landgericht

Beim Prozessauftakt zeigt sich der Zeuge schmallippig und verärgert den Richter.

Es sind Szenen wie aus einem Albtraum, die sich an einem Novembermorgen in einer Wohnung an der Dünnwalder Straße in Mülheim abgespielt haben. So beschreibt es die Staatsanwaltschaft: Vier Männer schliefen ahnungslos, als die Tür aufging. Ein Mann drang ein, in der Hand eine Wasserkanne gefüllt mit fünf Litern Diesel. Systematisch goss er den Kraftstoff über die Matratzen, den Boden und direkt über die schlafenden Körper. Nur dem Überlebensinstinkt eines Bewohners ist es offenbar zu verdanken, dass es nicht zur Katastrophe kam. Nun startete der Prozess vor dem Kölner Landgericht.

Köln: Angeklagter soll Diesel auf Cousin verteilt haben

Die Anklage von Staatsanwältin Jane Wolf wiegt schwer: Vierfacher versuchter Mord – begangen heimtückisch, grausam und mit gemeingefährlichen Mitteln, dazu schwere Brandstiftung. Die Anklägerin beschrieb, dass in dem beschuldigten 25-Jährigen eine tiefe Verärgerung über familiäre Streitigkeiten brodelte. Worum es genau ging, sei nicht bekannt. Am besagten Morgen habe der Mann dann seinen Plan in die Tat umgesetzt. An der Jet-Tankstelle am Clevischen Ring habe er eine Kühlwasserkanne entleert, fünf Liter Diesel aufgefüllt und sei verschwunden, ohne zu bezahlen.

Mit einem Zweitschlüssel, den er besaß, habe er sich schließlich Zugang zur Wohnung in der Dünnwalder Straße verschafft. Dass dort neben seinem Cousin noch drei weitere Männer tief schliefen, sei dem Angeklagten laut Staatsanwaltschaft völlig bewusst gewesen. Er habe den Tod der Männer durch Verbrennen billigend in Kauf genommen und zudem erkannt, dass die Folgen eines solchen Feuers für das gesamte Mehrfamilienhaus nicht mehr zu kontrollieren gewesen wären. Der Angeklagte habe den Kraftstoff im Schlafzimmer auf den Matratzen und dem Cousin verteilt.

Kölner Anklage: Angreifer wird Feuerzeug aus der Hand gerissen

Dann sei er in die Küche gegangen, um den Rest des Diesels auf Tisch und Sofa zu schütten. Als er das Feuerzeug gezückt habe, sei sein Cousin im letzten Moment erwacht. Es sei zu einem dramatischen Kampf gekommen: Der Cousin habe den Angreifer mit körperlicher Gewalt zu Boden gebracht, dann sei ihm das Feuerzeug entrissen worden. Schließlich wurde er aus der Wohnung gedrängt. Seinen mörderischen Plan habe er somit nicht weiter ausführen können, so die Staatsanwältin. Die Kühlwasserkanne mit dem Rest Diesel habe der Mann auf einer nahegelegenen Baustelle entsorgt.

„Zur Sache machen wir heute keine Angaben“, erklärte Verteidigerin Rania Kour zu Prozessbeginn. Also hatte zum Tatablauf zunächst ein Zeuge das Wort. Der Angeklagte blickte beschämt zu Boden, als sein Cousin zu einer Aussage ansetzte. Sie hätten geschlafen, berichtete der Zeuge, eigentlich habe er einen sehr tiefen Schlaf. Doch von Dieselgeruch und Geschrei sei er aufgewacht und habe seinen Cousin wahrgenommen. In der Küche habe er ihm das Feuerzeug weggerissen und auf den Boden geschmissen, dann sei der Cousin nach einem Wortgefecht mit einem Mitbewohner verschwunden.

Köln: Vorsitzender Richter reagiert ungehalten auf Zeugen

Auf die Frage, was der Angeklagte geschrien habe, wich der Cousin aus: Er habe das nicht ernst genommen, er sei gerade erst aufgestanden und könne sich nicht erinnern. „Nicht ernst genommen? Erzählen Sie mir hier keinen Blödsinn“, sagte Richter Alexander Fühling. „Ich will jetzt nichts sagen, was ihm schadet“, meinte der Zeuge und deutete auf seinen Cousin. „Ja, genau das ist der Punkt!“, entgegnete der Richter scharf. „Das ist aber dann eine Falschaussage! Alle Ausflüchte können Sie Ihrem Friseur erzählen, aber nicht mir!“ Doch der Zeuge blieb dabei, er habe es nicht mitbekommen.

Richter Fühling hegte den Verdacht, der Zeuge wolle „seinen Kumpel“ schützen. So pflegten die Cousins ein enges Verhältnis. Aus Syrien und Kuwait stammend waren sie über die Türkei und die Balkanroute zusammen nach Deutschland geflüchtet. Der Angeklagte sagte, er habe bei der Bundeswehr anfangen wollen – sein Vater sei Offizier in Kuwait gewesen. Doch er sei den Drogen verfallen. „Als mir im Gefängnis gesagt wurde, was ich getan habe, war ich schockiert und konnte das nicht glauben“, erklärte der 25-Jährige. Ein Urteil soll in rund zwei Wochen gesprochen werden.