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Pussy-Riot-Gründin„Mit der AfD an der Macht würde Deutschland in die Hölle fahren“

13 min
20.04.2026 Köln. Pussy Riot Aktivistin Maria Aljochina. Foto: Alexander Schwaiger

20.04.2026 Köln. Pussy Riot-Aktivistin Maria Aljochina vor ihrem Auftritt im Lew-Kopelew-Forum in Köln

Die weltbekannte Dissidentin las im Lew-Kopelew-Forum aus ihrem Buch Poltical Girl. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat sie zum Gespräch getroffen. 

Die weltbekannte Dissidentin ist blass. Am Anfang des Gesprächs in der Lobby des Hotels Römerturm reibt Maria Aljochina sich die Augen, zieht an ihrer Vape, krächzt: „Ich brauche dringend Kaffee!“ Neben der Mitgründerin von Pussy Riot sitzt Eric Breitenbach, Schlagzeuger und Performer der Show Riot Days, der Aljochina auch auf ihrer Lesereise für die Biografie Political Girl begleitet. Jahrzehntelang hat die 38-Jährige all ihren Mut und ihre Kreativität in die Kritik am russischen Regime unter Vladimir Putin gesteckt. Jeder, sagt sie, „kann Widerstand leisten und einen Unterschied machen“.

Mit Ihrem Punk-Gebet „Jungfrau Maria, verjage Putin“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche sind Sie und Ihre Mitstreiterinnen von Pussy Riot im Jahr 2012 weltbekannt geworden. Bei Ihren politischen Kunst-Aktionen wurden Sie Dutzende Male attackiert, festgenommen, bedroht. Sie waren in Haft, mussten im Hausarrest elektronische Fußfesseln tragen, haben Morddrohungen erhalten – und sind wenige Monate nach Putins Invasion in der Ukraine im Frühjahr 2022 als Essenslieferantin verkleidet aus dem Land geflohen. Ist politische Aktionskunst in Russland heute noch möglich?

Russland ist heute eine brutale Diktatur mit strengster Zensur. Es ist illegal, den Krieg gegen die Ukraine „Krieg“ zu nennen, es ist illegal, die Farben der Ukraine zu verwenden, es ist illegal, irgendeine Meinung zu vertreten, die nicht mit der Propaganda des Kremls übereinstimmt. Illegal, das heißt, sie verurteilen dich zu fünf, acht, zwölf Jahren Straflager, zu lebenslänglich – oder sie lassen dich im Knast verrecken. Weil du deine Meinung sagst. Als wir mit Pussy Riot angefangen haben, hieß es, Russland befinde sich im Aufbruch. Daran habe ich nie geglaubt, jeder politisch interessierte Mensch wusste um Putins Großmachtsfantasien. Aber vor dem Krieg gegen die Ukraine gab es noch Freiheiten. Wir mussten nicht damit rechnen, für unsere Aktionen jahrelang ins Straflager zu kommen. Es gab viele Menschen, die einen Unterschied machten. Heute ist Russland die Hölle.

Maria Aljochina und Eric Breitenbach von Pussy Riot

Maria Aljochina und Eric Breitenbach von Pussy Riot

Gibt es trotzdem noch Menschen, die einen Unterschied machen und dafür auch große Risiken in Kauf nehmen? Ich denke spontan an den Lehrer, der die russische Propaganda an Schulen für seinen Film „Mr. Nobody against Putin“ genutzt hat.

„Mr. Nobody against Putin“ ist der beste Dokumentarfilm, den ich im vergangenen Jahr gesehen habe. Und ja, natürlich gibt es Menschen, die nicht einverstanden sind mit dem System, Regimekritiker, die auch Widerstand leisten wollen – es sind sogar sehr viele. Wenn du allerdings heute in Russland leben willst, musst du still sein. Spätestens seit dem Mord an Alexej Nawalny im Straflager ist klar, dass jeder Mensch in Russland jederzeit getötet werden kann.

Warum ist das aus Ihrer Sicht so?

Mit dem Mord an Nawalny hat Putin ein klares Zeichen gesetzt: Nawalny war der einflussreichste und populärste Gegner des Regimes – ihn umzubringen, das zeigt den Leuten: Es kann jeden treffen, jederzeit. Und man muss leider feststellen: Sie hatten recht. Nach dem Tod Nawalnys hat sich niemand mehr getraut, etwas gegen Putin zu sagen.

Nawalnys letzte Worte im Gerichtssaal – das schreiben Sie auch in Ihrem Buch „Political Girl“, mit dem Sie gerade durch Deutschland tourten – waren: „Eines Tages wird Russland glücklich sein.“ Glauben Sie daran, dass Russland eines Tages glücklich sein wird?

Nawalny hat das vor dem Krieg gegen die Ukraine gesagt. Er hat auch wunderbare Texte im Straflager geschrieben, voller Stolz, gegen die Angst. Aber das, was in den vergangenen vier Jahren seit der Invasion in der Ukraine geschehen ist, wird das Land jahrzehntelang prägen. Hunderttausende Menschen sind von der russischen Armee getötet worden, viele ukrainische Städte wie Mariupol sind dem Erdboden gleichgemacht worden, viele Generationen sind traumatisiert und durch Propaganda vergiftet. Wir dürfen uns eine Zukunft nie ohne die Geschichte vorstellen. Russland ist von seiner Geschichte so geprägt wie Deutschland. Mit dem Unterschied, dass Deutschland die Verbrechen des Hitler-Regimes aufgearbeitet hat – und der Massenmörder Stalin unter Putin glorifiziert wird. Es fällt mir schwer, daran zu glauben, dass Russland glücklich sein wird. Aber vielleicht wird es eines Tages so sein.

Die Anklagen lesen sich wie Schriften aus dem verfluchten Mittelalter. Sie würden auch lachen, wenn Sie das lesen, garantiert. Es geht gar nicht anders – es ist so absurd
Maria Aljochina

Nawalny hat vor Gericht immer gelächelt – Sie und viele andere Regimekritiker in Russland auch. Das zeugt von innerer Stärke – Sie lachen dem Unrechtssystem ins Gesicht. Trotzdem die Frage: Wie geht das in so einer Situation?

Die Anklagen lesen sich wie Schriften aus dem verfluchten Mittelalter. Sie würden auch lachen, wenn Sie das lesen, garantiert. Es geht gar nicht anders – es ist so absurd. Dazu kommt die Akustik in den Käfigen mit den Plastikscheiben vor Gericht – das ist wirklich wie Satire. (lacht)

Eric Breitenbach: Lachen ist in solchen Situationen natürlich auch ein Schutz. Wenn du nicht lachen würdest, müsstest du weinen – also lieber lachen.

Maria Aljochina

Gern maskiert: Maria Aljochina

Ihr neues Buch beginnt Ende 2013, als Sie nach knapp zwei Jahren aus der Haft freikamen. Putin hatte kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotchi eine Amnestie erlassen. Wenig später besetzten russische Truppen die Krim und fielen in den Donbass ein. Sind Sie enttäuscht, dass die EU und vor allem auch Deutschland kaum Sanktionen erlassen haben?

Das war fatal. Putin hat dadurch grünes Licht bekommen, um seine Ziele in Russland und außerhalb des Landes mit aller Brutalität voranzutreiben. Wir haben das am eigenen Leib erfahren – die Welt hat es wohl leider erst mit dem Angriff auf die Ukraine mitbekommen, als Putin Krankenhäuser bombardiert hat, Tausende, Tausende Kinder nach Russland verschleppt, Hunderttausende getötet und viele Millionen vertrieben hat. In Donezk haben einmal eine Million Menschen gelebt. Jetzt, nach zwölf Jahren Besatzung, sind es noch 200.000, die mitten im Krieg leben, ohne regelmäßigen Strom und warmes Wasser. Dort werden Menschen gefoltert, es gibt Kriegsgerichte, die Menschen willkürlich verurteilen, das Leid ist grenzenlos. Das ist heute die russische Realität.

Erinnern Sie sich noch an den Tag der Invasion im Februar 2022 – zufällig auch am zehnten Jahrestag Ihres Punk-Gebets?

Ich hatte eine Anhörung vor Gericht. Putin verkündete in einer Fernsehansprache, dass er Donezk und Luhansk als „unabhängig“ anerkennen würde, um sie mit Russland zu vereinigen. Das war eine klare Ankündigung der Invasion. Drei Tage später war es so weit. Ich stand unter Hausarrest wegen eines Instagram-Posts, der sieben Jahre zurücklag. Ich war nicht überrascht von der Nachricht, aber tief erschüttert.

Ich habe Russland nicht einfach so verlassen. Ich stand unter Hausarrest, hatte eine elektronische Fußfessel, die ich zerschnitten habe, mein Haus wurde Tag und Nacht überwacht. Die Situation war – wie soll ich sagen? – intensiv
Maria Aljochina

Zwei Monate später haben Sie Russland verlassen. Sie haben sich als Essenslieferantin verkleidet und sind irgendwie über Belarus nach Litauen gekommen. War das im Rückblick Ihre letzte Chance, Russland zu verlassen?

Ich habe Russland nicht einfach so verlassen. Ich stand unter Hausarrest, hatte eine elektronische Fußfessel, die ich zerschnitten habe, mein Haus wurde Tag und Nacht überwacht. Meinen internationalen Pass hatten sie schon lange vorher eingezogen. Die Situation war – wie soll ich sagen? – intensiv.

War es ein Glück, noch fliehen zu können?

Glück? Ich weiß nicht, ob ich es Glück nennen würde. Es war, wie es war. Manchmal denke ich, ich hätte mehr machen können. Mehr machen müssen. Aber es hilft nicht, darüber nachzudenken.

Sie haben einen isländischen Pass und leben überall und nirgends. Dass Sie im Exil leben, sagen Sie aber ungern. Warum nicht?

Ich mag das Wort nicht. Es klingt so danach, als ginge es mir schlecht. Island hat mir und meiner Freundin Lucy die Staatsbürgerschaft gegeben, um es uns zu ermöglichen, weiterzumachen: Unsere Shows mit unserer Band auf der ganzen Welt, Lesungen, Spenden zu sammeln für ukrainische Initiativen – gerade zum Beispiel für eine Gruppe aus Charkiw, die ausgebombte Menschen mit Essen versorgt. Mir geht es besser als mehr als 90 Prozent der Menschen, die Russland verlassen mussten – und das sind mehr als eine Million. Nicht im Gefängnis zu sein, frei reden zu können, mein Kind nicht in Schulen schicken zu müssen, in denen gelehrt wird, dass die Ukrainer Nazis sind – all das ist ein Privileg. Es gibt viele Menschen, die wirklich im Exil leben – ich nicht.

In Deutschland sind viele Menschen müde, wenn es um den Krieg in der Ukraine geht. Der Wirtschaft geht es schlecht, die Stimmung ist schlecht. Es scheint so, als gäbe es auch hier eine Sehnsucht nach Autokraten. Woran könnte das liegen? Sind wir zu selbstzufrieden, zu bequem geworden in unserer freiheitlichen Demokratie?

Wenn ihr in Deutschland akzeptiert, dass die AfD in Umfragen bei 27 Prozent steht, sollte sich die Gesellschaft dringend Fragen stellen. Denn diese Partei der Putin-Freunde ist brandgefährlich. Sagt nicht: Es ist mir scheißegal! Es ist gar nicht egal. Tut etwas. Organisiert euch. Bildet Bündnisse. Protestiert. Lasst es nicht passieren, dass diese menschenverachtende Partei die Macht übernimmt. Es ist eine schlimme Dystopie, dass Deutschland wieder zu einem faschistischen Land werden könnte – aber die Gefahr ist sehr real. Mit der AfD an der Macht würde Deutschland in die Hölle fahren – und die EU gleich mit.

Wie schauen Sie auf Deutschlands Umgang mit Russland? Auch nach der Annexion der Krim wollten Kanzlerin Merkel und der damalige Außenminister Steinmeier „Wandel durch Handel“.

Russland hat Deutschland über Jahrzehnte mit Lobbyisten sehr erfolgreich bearbeitet. Viele Wirtschaftsbosse und Politiker haben sehr viel Geld bekommen, um Russland immer weiter zu unterstützen. Es ging ums Geld. Jetzt sehen wir die Folgen: Litauen wird von Russland bedroht, Moldawien wird bedroht, Polen wird bedroht, jederzeit könnte irgendwo eine Bombe einschlagen. Und die Nato? Bietet keinen sicheren Schutz, weil die USA sich nicht mehr für Europa interessieren. Aber die fatalen Fehler gehen trotzdem weiter.

Inwiefern?

Russland hat viele Regionen in der Ukraine besetzt – und der Westen unterstützt die Ukraine immer nur so, dass das Land sich nicht ergeben muss. Es gibt immer noch deutsche Konzerne, die mit ihrer Technologie die russische Armee unterstützen. Gas und Öl fließen über Umwege weiter nach Europa. Die Konsequenzen werden wir alle erleben. Ich glaube, dass diese Politik in die Hölle führen kann.

Jede und jeder kann Herzen erreichen – auch durch politische Aktionen. Man muss sich nur dafür entscheiden
Maria Aljochina

Sie haben oft gesagt: Jede und jeder kann Pussy Riot sein. Meinen Sie das in dem Sinne, wie der Künstler Joseph Beuys sagte: Jeder Mensch ist Künstler?

Wenn damit gemeint ist, dass jeder Verantwortung trägt, etwas zu tun: Ja. Jede und jeder kann Herzen erreichen – auch durch politische Aktionen. Man muss sich nur dafür entscheiden. Es gibt nicht nur Pussy Riot oder andere zufällig bekannte Leute, die etwas machen. Als wir im Gefängnis waren, haben andere Menschen unsere Aktionen umgesetzt – haben dagegen protestiert, dass wir inhaftiert wurden, nur weil wir ein Lied performt haben. Jeder kann etwas machen – und sich jederzeit dafür entscheiden.

Denken Sie, dass Aktionskunst als Form des Widerstands in Autokratien wichtiger ist als in Demokratien?

Nein, das glaube ich nicht. Es ist überall wichtig – in Autokratien ist es nur viel gefährlicher. Aber in Demokratien gibt es auch genug Dinge, die man öffentlich kritisieren muss.

Was haben Sie gedacht, als Sie mit Pussy Riot angefangen und viel Aufmerksamkeit erzeugt haben: Dass sie das Putin-Regime vielleicht sogar zu Fall bringen können?

Als Pussy Riot begann, gab es noch eine Stimmung in Russland, die mit Hoffnung verbunden war. Wir wollten darauf aufmerksam machen, dass Putin uns zurückführt in die dunkle Vergangenheit.

Muss politische Kunst in Zeiten der digitalen Medien radikal sein, Risiken eingehen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen?

Wer Risiken eingeht, übernimmt in der Regel auch Verantwortung. Das ist natürlich wichtig. Aber warum nennen Sie das radikal?

Wenn man sich nur auf die eigene Sicherheit fokussiert, nährt man seine Angst. Und Ängste werden von Autokraten ausgenutzt – das sieht man gerade Deutschland, in den USA, in Frankreich, überall auf der Welt
Maria Aljochina

Ich meine radikal im Sinne von bedingungslos – ohne Rücksicht auch auf eigene Nachteile. Im Unterschied dazu ist extremistisch antidemokratisch und gewaltbereit.

Erstens: In Russland gelten Pussy Riot als extremistische Organisation. In diesem Sinne sind alle Mitglieder und Freundinnen von Pussy Riot Extremisten oder Freunde von Extremisten. Wenn du in Russland lebst und Pussy Riot irgendwie unterstützt, du musst nur einen Post liken, bekommst du heute fünf Jahre Haft. Zweitens verstehe und respektiere ich den Sicherheitskult in westlichen Ländern nicht. Wenn man sich nur auf die eigene Sicherheit fokussiert, nährt man seine Angst. Und Ängste werden von Autokraten ausgenutzt – das sieht man gerade in Deutschland, in den USA, in Frankreich, überall auf der Welt. Die Ängste kreisen um Wohlstand, den der Kapitalismus erzeugt hat, der die Menschen aber auch abhängig und unfrei gemacht hat. So sehe ich es. Radikal finde ich es eigentlich nicht, an so etwas zu erinnern.

Eric Breitenbach: In Russland werden Musik und Theater seit langem für Propaganda missbraucht. Pussy Riot nutzt die Bühnen, um eine andere Geschichte zu erzählen – von Unterdrückung, Folter, von Propaganda und was sie anrichtet. Und Pussy Riot erzählt von Menschen, die Widerstand leisten. Das ist nicht radikal. Das ist die Realität.

Ich habe vor zwei Jahren mit Evgenia Kulakova gesprochen. Ihr Freund Viktor Filinkov war in Russland inhaftiert, die beiden haben im Gefängnis geheiratet – mit rosa Blumen im Haar, er mit rosa Fliege. Es war eine Geste des Widerstands, die damals offenbar noch möglich war. Wie ist das heute?

Wenn du heute einen gelb-blauen Ohrring oder gelb-blaue Fingernägel trägst, kannst du 15 Tage Knast bekommen. Oder mehr, je nach Laune des Richters.

Was uns antreibt, ist die Tatsache, dass wir frustriert sind vom Zustand der Welt, dass wir hoffnungslos sind. Wir sind oft genauso frustriert und hoffnungslos wie sehr viele Menschen gerade
Eric Breitenbach, Schlagzeuger und Performer der Band Riot Days

Erik Breitenbach: Was noch existiert in Russland ist politische Street Art – das ist eine Möglichkeit des Widerstands, ohne etwas zu sagen. Es gibt Menschen, die sich das noch trauen.

Maria Aljochina: Aber du bekommst zehn Jahre, wenn sie dich erwischen.

Breitenbach: Aber es gibt diese Kunst immerhin noch. Die Medien werden komplett zensiert, die Menschen werden auf Schritt und Tritt kontrolliert – Street Art ist eine kleine Nische.

Wahrscheinlich keine gute Schlussfrage, trotzdem: Was gibt Ihnen Hoffnung?

Aljochina: Hoffnung, nein, bitte nicht! (lacht)

Breitenbach: Es wird so oft nach Hoffnung und Tapferkeit gefragt. Ich denke, was uns antreibt, ist die Tatsache, dass wir frustriert sind vom Zustand der Welt, dass wir hoffnungslos sind. Wir sind oft genauso frustriert und hoffnungslos wie sehr viele Menschen gerade. Aber in den Momenten, in denen man sich stark genug fühlt, um etwas zu tun, sollte man das auch machen. Die Aktion von Pussy Riot in der Erlöser-Kirche hat gezeigt, dass 40 Sekunden Kunst die Welt verändern können. Jetzt ist das in Russland so nicht mehr möglich. Aber jeder kann mit einer starken Idee, die er verwirklicht, etwas verändern.

Lit.cologne Special Edition Maria Alyokhina, a Russian political activist, is on the stage of Comedia Theater in Cologne, Germany, on October 27, 2025, during the lit.cologne special edition 2025 Cologne Germany PUBLICATIONxNOTxINxFRA Copyright: xYingxTangx originalFilename: tang-notitle251027_npTot.jpg

Maria Aljochina bei der lit.Cologne Spezial im vergangenen Jahr

Das Buch „Political Girl“ erzählt die Geschichten vieler Menschen, die etwas getan haben.

Aljochina: Wenn ich an all die Menschen denke, die Widerstand geleistet haben, die zum Beispiel nach 2022 zu Pussy Riot gekommen sind und gleich für ihre erste Aktion verurteilt wurden, bin ich dankbar. All diese Menschen machen einen Unterschied.

Das Gespräch führte Uli Kreikebaum

Zum Buch und zur Person:

Mit ihrem Punk-Gebet „Jungfrau Maria, verjage Putin“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale schrien Maria Aljochina und ihre Mitstreiterinnen von Pussy Riot eine Warnung vor den Gefahren des russischen Autoritarismus im Jahr 2012 in die Welt hinaus. Dafür kamen sie ins Gefängnis. Nachdem Aljochina zwei Jahre später im Rahmen einer Amnestie vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, war das Land noch repressiver geworden. In ihrem Buch Political Girl (Piper) schildert Aljochina, die kurz nach der russischen Invasion der Ukraine als Essenslieferantin verkleidet aus Russland geflohen war, die Zeit seit ihrer Freilassung 2013. Es ist ein leidenschaftlicher Aufruf zu gewaltfreiem Protest gegen autoritäre Herrscher.

Maria Aljochina ist Trägerin des Lennon Ono Grant for Peace und wurde mit dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken ausgezeichnet. Ihr erstes Buch Riot Days, wurde 2017 veröffentlicht.