Abo

Cologne Cannons spielen QuidditchEin Stück Harry Potter auf der Kölner Uniwiese

3 min

Training auf der Uni-Wiese: Quidditch wird mit einem Volleyball gespielt, die Tore sind selbst gebaut.

Köln – Es geht dann doch alles ganz bodenständig zu für einen Sport, bei dem normalerweise Zauberer auf Besen umherfliegen. Das fängt schon beim Aufwärmen an: Statt halsbrecherische Flugmanöver zu üben, joggt das Team die Wiese hoch und runter, mal mit Hopsern zwischen drin, mal mit rotierenden Armen – könnte auf den ersten Blick auch eine Fußball-Mannschaft sein.

Aber die zehn Sportler, die sich an diesem Samstagmorgen auf der Uniwiese vor der Hauptmensa getroffen haben, sind hier, um Quidditch zu trainieren. „Es kommen schon oft Leute vorbei und fragen: Was macht ihr denn hier?“, meint Ann-Sophie, eine der Gründerinnen der Mannschaft. Inspiriert ist das Ganze durch die Harry Potter Bücher von J.K. Rowling. Nur eben ohne Umhänge und fliegende Besen, dafür mit Stollenschuhen und Jogginghosen.

Drei Bälle und bis zu zehn Schiedsrichter

Ansonsten ist aber vieles wie in der Vorlage: Auf dem ovalen Spielfeld, das ungefähr 50 Meter lang und 30 Meter breit ist, stehen sich zwei Teams mit jeweils sieben Spielern gegenüber. Zehn Punkte gibt es, wenn die drei Jäger den Quaffel, einen Volleyball, durch eines der drei Tore des Gegners werfen. Der Hüter versucht, die Würfe der gegnerischen Jäger abzuwehren. Zwei Treiber werfen mit Dodgebällen, die Klatscher genannt werden, die gegnerischen Spieler ab. Wer getroffen wird, muss eins der eigenen Tore berühren, bevor er wieder mitspielen darf.

Aufgabe des Suchers ist es, den Schnatz zu fangen – einen Spieler, der ganz in Gelb gekleidet ist und an dessen Hose hinten ein Tennisball in einer Socke befestigt ist. „Der Schnatz ist meistens ein unparteiischer Spieler“, erklärt Ann-Sophie. Wer die Socke herauszieht, bekommt 30 Punkte und das Spiel ist zu Ende. Klingt alles halbwegs verwirrend, funktioniert aber.

Statt dem Nimbus 2000 ein PVC-Rohr

Nach dem Aufwärmen schnappt sich jeder Spieler einen Besen. Allerdings keine kunstvoll gearbeiteten Holzbesen mit klangvollen Namen wie Feuerblitz oder Nimbus 2000, wie im Roman, sondern ein graues PVC-Rohr aus dem Baumarkt. „Wir haben auch schon mal über Pyrotechnik hinten am Besen nachgedacht“, scherzt Basti. Er spielt eigentlich für die Rheinos aus Bonn. „Ich bin seit Donnerstag auf Entzug“, sagt er. Deshalb ist er heute auf der Uniwiese mit dabei. „Das ist das Coole am Quidditch: Man kann einfach hinfahren und mitmachen. So ein Vereinsdenken gibt es nicht.“ Und so steigen alle einträchtig auf ihre Besen und werfen Bälle.

Entstanden ist Quidditch 2005 in den USA. Es gibt eine „International Quidditch Association“, und es werden Welt- und Europameisterschaften veranstaltet. Seit vorigem Jahr hat Deutschland eine Quidditchliga – 21 offizielle Teams sind gemeldet, rund 20 weitere befinden sich gerade im Aufbau; dazu gehören auch die Cologne Cannons. „Unser Ziel ist es, bald in der Liga mitzuspielen“, sagt Ann-Sophie.

Zum Abschluss wird natürlich ein Trainingsspiel ausgetragen, und obwohl jedes Team heute nur fünf statt sieben Spieler hat, geht es auf dem Feld ziemlich unübersichtlich zu – zumindest für das Laienauge. Es wird getackelt, abgeworfen, gepasst. Drei Bälle fliegen durch die Luft. Da wundert es nicht, dass bei offiziellen Partien bis zu zehn Schiedsrichter das Geschehen beobachten. Schließlich heißt es: „Letzter Angriff!“.

Nach der fachmännischen Analyse des Trainings kommt dann der Moment, bei dem einigen hier Zauberkräfte wahrscheinlich sehr gelegen kämen – Tore abbauen und Hütchen einsammeln.