In der Ausstellung „return“ finden Besucher keine sterilen Glasvitrinen oder verstaubte Artefakte. Stattdessen werden sie eingeladen, sich niederzulassen und zusammen zu essen.
Rautenstrauch-Joest-Museum KölnAusstellung „return“ ist Rückkehr an einen Ort, den es nie gab
Wer das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) betritt, um sich die neue Sonderausstellung „return“ anzusehen, sollte nicht mit Glaskästen und Audioguide rechnen. Stattdessen wird man eingeladen, sich zu setzen, zuzuhören – und mitzuessen.

In der Ausstellung bilden sich aus Installationen, Fotografien und Video-Arbeiten Fragmente verschiedenster Identitäten und Erfahrungen.
Copyright: Lisa Haarmann
„return“ bricht mit der klassischen Idee des Museums als Ort der reinen Beobachtung. Neben Installationen, Video-Arbeiten und Fotografien bildet eine Bühne das Herzstück der Schau, auf der täglich Performances und wöchentlich Lesungen stattfinden. Im Zentrum steht dabei ein Thema, das derzeit kaum aktueller sein könnte: Sehnsucht, Zugehörigkeit und die Brüche in der Erinnerung, die Verlust, Vertreibung und Entwurzelung hinterlassen.
Zwischen Verlust und neuen Erinnerungen
Internationale Künstlerinnen und Künstler spüren in der Ausstellung dem nach, was Gewalt, Kolonialismus und Krieg zurücklassen: Lücken in Archiven, verdrängte Geschichten, Erinnerungen, die in Körpern, Landschaften und Gemeinschaften weiterleben. Doch „return“ fragt nicht nur, was verloren ging – die gezeigten Arbeiten entwerfen auch neue Verbindungen zu Menschen, Orten und möglichen Zukünften. „Die Ausstellung ist ein Erfahrungsraum", sagt Museumsdirektorin und Kuratorin Nanette Snoep. „Was bedeutet ‚return‘ für den Besucher? Was sind Ängste und Träume? Wir wollen auch auf einfachen Ebenen den Besucher mitnehmen und mit ihnen in den Austausch treten."

Es ist die letzte Ausstellung von Museumsdirektorin und Kuratorin Nanette Snoep im RJM. Schon ihre ganze Karriere setzt sie sich mit Themen der Kolonialisierung auseinander.
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Statt einer linearen Erzählung verwebt „return“ Fragmente und Stimmungen, räumliche Erfahrungen und unterschiedliche Zeiten und Geografien miteinander. Dabei nimmt die Schau ebenfalls aktuelle Themen auf: „Die Ausstellung nimmt auch Bezug auf Neo-Faschismus, die Themen der Gegenwart verschmelzen mit Erinnerung", so Snoep. Für die Kuratorin steckt darin auch eine Widerstandskraft: „‚return‘ ist auch die Kunst des Überlebens."
Ein Sinn, der sonst keinen Platz hat
Die Ausstellung geht noch einen Schritt weiter und bringt einen Sinn ins Spiel, der in Museen normalerweise außen vor bleibt: den Geschmack. Baraza, gestaltet wie eine kleine Kantine, ist der zentrale Begegnungsraum der Schau. Der Name stammt aus dem Suaheli und bezeichnet den Platz vor dem Haus, an dem man verweilt, zuhört, Geschichten erzählt, isst – und vielleicht jemandem begegnet, dessen Geschichte die eigene berührt.

Essen darf man sonst nie in Ausstellungen, aber im Baraza sollen Besucher zusammenkommen und sich bei Tee und Häppchen austauschen.
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Initiiert vom Integrationshaus e.V. in Kooperation mit Creating Community Cologne e.V. und Kojo-the-Cook, ist Baraza mehr als ein kuratiertes Ausstellungsobjekt: eine gelebte Praxis der Gastfreundschaft, Erinnerung und Zugehörigkeit. Besucherinnen und Besucher können hier würzige Tees und Häppchen genießen, kostenfrei und auf Spendenbasis – und sind zugleich eingeladen, selbst beizutragen: Wer möchte, kann eigene Rezepte, Erinnerungen oder Zeichnungen einreichen, die den Geschmack von Zuhause festhalten. Die Beiträge fließen in ein digitales Baraza-Kochbuch ein, das während der Ausstellungsdauer wächst und im Anschluss als freie Publikation erscheinen soll.
Mitmachen, statt Zuschauen
Neben den Kunstwerken – so vielfältig und bunt wie die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler selbst – lebt „return“ vor allem vom interaktiven Programm, das die Schau begleitet. Auf der Bühne im Zentrum der Ausstellung finden Performances, Filmvorführungen, Lesungen, Workshops und Gespräche mit Künstlerinnen, Wissenschaftlern und Communitys statt – gemeinsam mit Universitäten, zivilgesellschaftlichen Initiativen, Vereinen und Kollektiven. Auch Basisorganisationen aus Köln sind eingeladen, den Raum auf ihre eigene Weise zu gestalten: zu versammeln, zu kochen, aufzutreten, zu diskutieren.

Auch die Werkstatt ist ein Ort des Austausches, so will die Ausstellung die Besucher animieren und mit einbeziehen.
Copyright: Lisa Haarmann
In der Werkstatt, die täglich geöffnet ist, wird gemeinsam gemacht, ausprobiert und entdeckt: Hier vermitteln Künstlerinnen und Initiativen altes Kunsthandwerk wie das Flechten ebenso wie die Auseinandersetzung mit lokaler Geschichte und Erinnerung. „return“ versteht sich so als Raum in Bewegung – geprägt von Kunstwerken, Körpern und Stimmen, aber vor allem von den Begegnungen, die darin entstehen.
Das genaue Programm mit allen Terminen für Performances, Lesungen und Workshops gibt es auf der Homepage.
Gut zu wissen
„return“ im Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcilienstraße 29–33, 50667 Köln
Laufzeit: 17. September bis 6. Dezember 2026
Öffnungszeiten: Mi, Fr, Sa, So 11–18 Uhr; Do 11–20 Uhr; am Kölntag (1. Oktober, 5. November, 3. Dezember) 11–22 Uhr. Montags sowie am 11. November geschlossen.
Eintritt: Einzelticket 11 € (ermäßigt 7 €, schwerbehindert 5,50 €); Kombiticket RJM & return 15 € (ermäßigt 13 €, schwerbehindert 7,50 €)